Deutliche Unterschiede bei der Integration von Migranten der zweiten Generation

Am europäischen forum für migrationsstudien (efms), Institut an der Universität Bamberg, wurde kürzlich ein umfangreiches Projekt zur Integration von Migranten der sogenannten zweiten Generation in verschiedenen europäischen Ländern abgeschlossen. Unter dem Titel „EFFNATIS – Effectiveness of National Integration Strategies towards Second Generation Migrant Youth in a Comparative European Perspective“ haben sich Forschungsteams aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Schweden, Finnland, den Niederlanden, der Schweiz und Spanien drei Jahre lang mit der Frage beschäftigt, ob es typische nationale „Strategien“ der Integration von Migranten gibt und wenn ja, wie erfolgreich diese Strategien sind. Finanziert wurde das Projekt von der Generaldirektion Forschung der Europäischen Kommission. Das efms war sowohl wissenschaftlicher Partner als auch Koordinator des gesamten Projektes. Wesentlichstes Ergebnis von EFFNATIS ist, dass in den empirischen Studien tatsächlich deutliche Differenzen zwischen den untersuchten Ländern im erreichten Grad der Integration von Migranten der zweiten Generation gefunden wurden. Diese Differenzen werden in hohem Maße durch den jeweiligen nationalen Kontext erklärt und erst in zweiter Linie durch individuelle Merkmale der Befragten wie Bildungsstand, Geschlecht, familiärer Hintergrund oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten ethnischen Gruppe. Es gibt jedoch kein nationales „Modell“, das systematisch erfolgreicher wäre als andere.

Die Konzentration auf Migranten der sogenannten zweiten Generation – also die Kinder von Migranten, die selbst bereits im Einwanderungsland geboren und aufgewachsen sind – erfolgte aufgrund der Überlegung, das Integration Zeit braucht und sich daher Fortschritte, Stagnation oder Rückschritte besser an dieser Gruppe als an den ursprünglichen Einwanderern ablesen lassen. Integration wurde als wechselseitiger Prozess zwischen Zuwanderern und einheimischer Bevölkerung mit der Zielrichtung einer Angleichung der Lebensverhältnisse beider Gruppen aufgefasst, der sich in vier Dimensionen abspielt: strukturelle, kulturelle, soziale und identifikatorische Integration. Je geringer in all diesen Dimensionen die Unterschiede zwischen den beiden Gruppen, desto besser ist die Integration gelungen.

Im Projektverlauf wurden für alle beteiligten Länder Analysen der jeweiligen nationalen Integrationspolitik erstellt. Ein weiterer zentraler Bereich war die Durchführung einer standardisierten Befragung von Migranten der zweiten Generation und einer einheimischen Kontrollgruppe in Deutschland, Frankreich und Großbritannien, um den tatsächlichen Stand der Integration zu ermitteln. Mit einem international weitgehend harmonisierten Fragebogen wurden für die deutsche Teilstudie ca. 850 Jugendliche und junge Erwachsene mit türkischem, ex-jugoslawischem und deutschem Hintergrund in Nürnberg befragt. Die jeweils lokalen Studien in den drei Ländern wurden durch eine Analyse vom national repräsentativen Mikrozensusdaten im Bereich der strukturellen Integration (insbesondere Bildungs- und Arbeitsmarktbeteiligung) ergänzt. Die Forscher in den übrigen Ländern haben vorhandene Daten und Literatur zum Projektthema sekundäranalytisch aufbereitet.

Wesentlichstes Ergebnis von EFFNATIS ist, dass in den empirischen Studien tatsächlich deutliche Differenzen zwischen den untersuchten Ländern im erreichten Grad der Integration von Migranten der zweiten Generation gefunden wurden. Diese Differenzen werden in hohem Maße durch den jeweiligen nationalen Kontext erklärt und erst in zweiter Linie durch individuelle Merkmale der Befragten wie Bildungsstand, Geschlecht, familiärer Hintergrund oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten ethnischen Gruppe. Es gibt jedoch kein nationales „Modell“, das systematisch erfolgreicher wäre als andere. So ist es beispielsweise in Frankreich gelungen, die Expansion des System der höheren Bildung auch auf Migrantenjugendliche zu übertragen, so dass kaum Unterschiede zu den einheimischen Jugendlichen in der formalen Bildungsqualifikation bestehen. Beide Gruppen, und hier besonders Migrantenjugendliche mit maghrebinischem Hintergrund, haben jedoch große Schwierigkeiten, diesen Status auf dem Arbeitsmarkt umzusetzen. In der Bundesrepublik gibt es dagegen deutliche Differenzen bei den Bildungsabschlüssen, aber die Integration in den Arbeitsmarkt gelingt über das duale Ausbildungssystem weitaus besser.

Die Durchführung des Forschungsprojekts EFFNATIS oblag Prof.Dr.Friedrich Heckmann als Leiter des efms sowie Harald Lederer und Susanne Worbs als wissenschaftlichen Mitarbeitern. Detailliertere Informationen zum Projekt sind auf der EFFNATIS Webseite verfügbar:

Kontakt:
Dipl. Soz. Susanne Worbs
europäisches forum für migrationsstudien (efms)
Katharinenstraße 1
D-96052 Bamberg Tel. 0951/932020-17/Fax -20
susanne.worbs@sowi.uni-bamberg.de

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