Neuer Lehrstuhl für Endokrinologie des Alterns an der Hamburger Universität

Die in privater Initiative gegründete Leidenberger-Müller-Stiftung initiiert ein Verbundprojekt auf dem Gebiet der Altersforschung.

Die Vorgänge des Alterns beschäftigen den Menschen seit vielen Jahrtausenden. Die Zunahme der Lebenserwartung in den letzten 100 Jahren bedeutet diesbezüglich eine verschärfte soziale und medizinische gesamtgesellschaftliche Herausforderung. In Zahlen: Während im Jahr 1900 die Lebenserwartung einer Frau bei 49 Jahren lag, ist sie jetzt auf über 80 Jahre angestiegen. Viele alters-assoziierte Erkrankungen wie Osteoporose, Diabetes, Arthrose haben hierdurch überproportional zugenommen. Bei der Entwicklung dieser Erkrankungen spielen Hormone, also Botenstoffe, eine entscheidende Rolle. Während für den Menschen des Mittelalters die Aussicht auf ein krankheitsfreies, selbstbestimmtes Alter noch Utopie war, wie die charakteristischen Jungbrunnenbilder zeigen, ergeben sich aktuell mit den Techniken der Biotechnologie und Molekularbiologie neue Möglichkeiten, deren Potential bisher nur in Ansätzen erfasst ist. Eines der ersten großen Vorhaben der privaten Leidenberger-Müller-Stiftung ist deshalb ein Verbundprojekt zur Erforschung von Alterungsvorgängen beim Menschen. Zusammen mit drei Arbeitsgruppen aus dem IHF – Institut für Hormon und Fortpflanzungsforschung an der Universität Hamburg (www.ihf.de) und acht Arbeitsgruppen aus dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf forschen weitere Gruppen aus Europa an diesem Projekt. „Es handelt sich hierbei um den ersten systematischen Versuch, die Biologie des Alterns der menschlichen Organe mit den modernsten Methoden der Molekularbiologie, der Zellbiologie und der Bioinformatik und mit Hilfe eines gemeinsam angewandten Prozess-Managements für alle beteiligten Wissenschaftsgruppen zu studieren.

Neue Präventionsmöglichkeiten, Therapien oder Medikamente könnten Alterungsvorgänge rückgängig machen oder verzögern. So ist es auch im Alter möglich, in Eigeninitiative ein gesundes und selbstbestimmtes Leben führen“, sagt Prof. Leidenberger. Im Rahmen dieses Projektes hat die Leidenberger-Müller Stiftung dem Universitätsklinikum Hamburg 3 Millionen Mark über die Dauer von fünf Jahren für einen Lehrstuhl ´Endokrinologie des Alterns´ angeboten. Das Universitätsklinikum hat den Stiftungslehrstuhl angenommen; mit einer Besetzung ist in wenigen Monaten zu rechnen.

Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie begrüßt diese bedeutende Initiative eines ihrer Mitglieder und fordert ausdrücklich weitere Forschungsimpulse für die Endokrinologie des Alterns im Rahmen von DFG- und BMBF-Schwerpunktprogrammen. „Die zunehmende Ausdörrung der universitären Endokrinologien durch Schließung ganzer Abteilungen führt dazu, daß die deutsche Endokrinologie droht, international den Anschluss zu verpassen“, sagt Prof. Martin Reincke, Mediensprecher der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie. „Rasches Handeln ist hier notwendig, um die vorhandenen, exzellenten Forschungsgruppen zu stärken. Es kann nicht angehen, dass solche Impulse nur von privaten Stiftern wie Prof. Leidenberger und Dr. Müller ausgehen, hier sind die Universitäten, die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefordert.“

Media Contact

Pressestelle ots

Weitere Informationen:

http://www.ihf.de

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung

Aktuelle Meldungen und Entwicklungen aus fächer- und disziplinenübergreifender Forschung.

Der innovations-report bietet Ihnen hierzu interessante Berichte und Artikel, unter anderem zu den Teilbereichen: Mikrosystemforschung, Emotionsforschung, Zukunftsforschung und Stratosphärenforschung.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Das Protein-Kleid einer Nervenzelle

Wo in einer Nervenzelle befindet sich ein bestimmter Rezeptor? Ohne Antwort auf diese Frage ist es fast unmöglich, Rückschlüsse über die Funktion dieses Proteins zu ziehen. Zwei Wissenschaftlerinnen am Max-Planck-Institut…

40 Jahre alter Katalysator birgt Überraschungen für die Wissenschaft

Wirkmechanismus des industriellen Katalysators Titansilikalit-1 basiert auf Titan-Paaren/Entdeckung wegweisend für die Katalysatorentwicklung Der Katalysator “Titansilikalit-1“ (TS-1) ist nicht neu: Schon vor fast 40 Jahren wurde er entwickelt und seine Fähigkeit…

Zur Woche der Teilchenwelt dem Urknall auf der Spur

Zur Woche der Teilchenwelt vom 2. bis 8. November laden Forschungseinrichtungen bundesweit Wissenschaftsinteressierte aller Altersklassen ein. Wie entstand das Universum? Woraus bestehen wir? Was untersucht die „Weltmaschine“ am CERN? Solchen…

By continuing to use the site, you agree to the use of cookies. more information

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close