Renaturierung von Gewässern muss nicht teuer sein

Fraunhofer ISI erstellt Kosten-Wirksamkeitsanalyse für Gewässerstrukturmaßnahmen in Hessen / Informationssystem im Internet

Die deutsche Gewässerlandschaft ist vielfach mangelhaft. Die ökologischen Konsequenzen daraus sind vielerorts eine schlechte Wasserqualität sowie eine Verarmung und Verschiebung des natürlichen Artenspektrums. Das Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI, Karlsruhe, hat nun für Hessen die bestehenden Gewässerstrukturdefizite und mögliche Renaturierungsmaßnahmen untersucht und Kosten-Wirksamkeitsanalysen erstellt.

Die Untersuchung zeigt ein besonders günstiges Kosten-Wirksamkeitsverhältnis für die beiden so genannten Ansätze der „unterstützenden“ und der „eigendynamischen“ Gewässerentwicklung. Darunter verstehen die Wissenschaftler eine weitgehende Nutzung der Eigendynamik eines Gewässers durch extensive Gewässerunterhaltung sowie gegebenenfalls einfache wasserbauliche Maßnahmen. Die Kosten für solcherlei Maßnahmen liegen zwischen 25 und knapp über 100 Euro pro Meter Flusslänge und verbesserter Strukturgüteeinheit. Relativ teuer sind dagegen Maßnahmen zur Aufweitung des Gewässerbetts und im Ufer- und Sohlenbereich. Sie können mit bis zu 200 Euro pro Meter Flusslänge rund das Doppelte kosten. Sie sind allerdings bei Verkehrs- und Siedlungsflächen teilweise die einzige Möglichkeit für eine naturnahe Veränderung der Gewässer. Ein für den Menschen direkt erfahrbares Ergebnis solcher Renaturierungsmaßnahmen ist eine deutliche Steigerung der Lebensqualität und des Naherholungswertes.

Bei der Analyse der Forscher wurde ferner deutlich, wie wichtig breite Gewässerrandstreifen sind. Sie bilden die Basis einer Naturraum typischen Gewässerdynamik. Zudem verringern sie den Eintrag von Pestiziden, Düngemitteln und Schwermetallen aus der Landwirtschaft und wirken sich positiv auf den Hochwasserabfluss aus.

Die Fraunhofer-Forscher stellten die Projektergebnisse und das ausgearbeitete Informationssystem ISAR (Informationssystem zur Auswahl effizienter Renaturierungsmaßnahmen für Fließgewässer) ins Internet.  Hier können sich sowohl Fachleute also auch interessierte Laien detailliert über geeignete Gewässerstrukturmaßnahmen informieren. Das Informationssystem bietet dazu eine interaktive Abfrage, über die sich der Nutzer kostenwirksame Renaturierungsansätze anzeigen lassen kann.

Das Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI erweitert das naturwissenschaftlich-technisch orientierte Fachspektrum der Fraunhofer-Gesellschaft um wirtschafts- und gesellschaftspolitische Aspekte. Dazu analysiert es technische Entwicklungen sowie deren Marktpotenziale und Auswirkungen auf Wirtschaft, Staat und Gesellschaft. Die interdisziplinär zusammengesetzten Teams des Instituts konzentrieren sich insbesondere auf die Bereiche Energie, Umwelt, Produktion, Kommunikation und Biotechnologie sowie auf die Regionalforschung und Innovationspolitik.

Media Contact

Gerhard Samulat idw

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung

Aktuelle Meldungen und Entwicklungen aus fächer- und disziplinenübergreifender Forschung.

Der innovations-report bietet Ihnen hierzu interessante Berichte und Artikel, unter anderem zu den Teilbereichen: Mikrosystemforschung, Emotionsforschung, Zukunftsforschung und Stratosphärenforschung.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Neutronen-basierte Methode hilft, Unterwasserpipelines offen zu halten

Industrie und private Verbraucher sind auf Öl- und Gaspipelines angewiesen, die sich über Tausende von Kilometern unter Wasser erstrecken. Nicht selten verstopfen Ablagerungen diese Pipelines. Bisher gibt es nur wenige…

Dresdner Forscher:innen wollen PCR-Schnelltests für COVID-19 entwickeln

Noch in diesem Jahr einen PCR-Schnelltest für COVID-19 und andere Erreger zu entwickeln – das ist das Ziel einer neuen Nachwuchsforschungsgruppe an der TU Dresden. Der neuartige Test soll die…

Klimawandel und Waldbrände könnten Ozonloch vergrößern

Rauch aus Waldbränden könnte den Ozonabbau in den oberen Schichten der Atmosphäre verstärken und so das Ozonloch über der Arktis zusätzlich vergrößern. Das geht aus Daten der internationalen MOSAiC-Expedition hervor,…

Partner & Förderer