Neue Werkzeuge für ein barrierefreies Internet der Zukunft

Unbestritten werden das Web und damit verbundene digitale Umgebungen im Alltag aller Menschen eine immer größere Rolle einnehmen. Das Internet der Zukunft wird geprägt sein durch mobile Anwendungen auf verschiedenen Plattformen und Web 2.0-Diensten, in denen der Nutzer immer weniger Konsument, sondern vielmehr Akteur ist, der selbst Inhalte kreiert.

Von zentraler gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Bedeutung ist dabei, dass ältere oder behinderte Menschen nicht aus der „Internet-Community“ ausgegrenzt werden. Die von der Europäischen Union angestrebte Inklusion – also die gleichberechtigte Teilhabe aller sozialen Gruppen – kann aber nur unter zwei Bedingungen gelingen: Die Internet-Services müssen den geltenden Richtlinien zur Barrierefreiheit entsprechen. Darüber hinaus muss die Implementierung semantischer Modelle mit Nutzer-, Geräte- und Diensteprofilen umgesetzt werden, die eine transparente, dynamische und kontextsensitive Anpassung der Anwendungen ermöglicht und die individuellen Nutzeranforderungen einbezieht.

„Um Internetdienste zu erstellen, die die Vielfalt in den Bedürfnissen ihrer Nutzer berücksichtigen können, benötigen Web-Entwickler leistungsfähige Softwarewerkzeuge, mit denen sie simulieren können, wie ihre Anwendung für einen Nutzer mit Beeinträchtigungen aussieht und zu bedienen ist, etwa für einen Anwender mit einer Sehbeeinträchtigung. Außerdem müssen sie ihre Anwendung auf bereits existierende Standards wie Barrierefreiheit systematisch prüfen können“, sagt Dr. Carlos Velasco, Leiter des Web Compliance Centers am Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT und Koordinator von I2Web (Inclusive Future-Internet Web Services).

Die Notwendigkeit solcher Werkzeuge hat sich in Umfragen bestätigt, die das Konsortium bei Web-Entwicklern durchgeführt hat. Die Ergebnisse wurden in einem Projekttreffen am 5.-6. Oktober 2011 im Fraunhofer FIT in Sankt Augustin vorgestellt: Die Befragten wünschen sich eine bessere Unterstützung durch passende Entwicklungs- und Prüftools bei ihrer Arbeit. Hauptprobleme bestehen in unverständlichen Fehlermeldungen der aktuell zur Verfügung stehenden Prüfwerkzeuge. Außerdem sei oft nicht transparent, welche Prüfkriterien berücksichtigt würden und der Prüfkatalog sei viel zu eingeschränkt. Auch zeigte sich, dass Entwickler häufig keine vertieften Kenntnisse über barrierefreies Design besitzen und ihnen der Umgang mit den Richtlinien zur Barrierefreiheit nicht vertraut ist.

Die im Projekt I2Web zu entwickelnden Expertenwerkzeuge für nutzergerecht und barrierefrei gestaltete Front-Ends von Internetdiensten sollen Web-Entwicklern daher während des gesamten Arbeitsprozesses Hilfestellung bieten. Darüber hinaus sollen spezielle Compliance-Werkzeuge integriert werden, etwa die im Web Compliance Center des Fraunhofer FIT entwickelte Testsuite imergo. Ein erster Prototyp der Entwicklungsumgebung soll im Frühjahr 2012 vorgestellt werden.

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