Internet-Tool prüft weltweit Interoperabilität von Führungssystemen

Das Fraunhofer-Institut FKIE in Wachtberg bei Bonn hat im Auftrag der Bundeswehr ein Testsystem entwickelt, mit dem Hersteller weltweit die Interoperabilität ihrer Führungssysteme verbessern können.

Dabei geht es um das Testen von IT-Programmen, damit Nutzer verschiedener Anwendungen ihre Informationen ohne Sinnverfälschung austauschen können. Das sogenannte MIP Test Reference System (MTRS) wurde bislang für 37 Systeme aus 24 Nationen eingesetzt, die alle auf den gemeinsamen Informationsaustauschstandard des Multilateral Interoperability Programme (MIP) setzen.

Ende 2011 wurde die Zahl von 150.000 durchgeführten Tests mit dem MTRS überschritten. „Das Misstrauen war am Anfang sehr groß“, erinnert sich Projektleiter Dr. Michael Gerz noch sehr gut. „Wer lässt sich schon als Hersteller – noch dazu aus einer anderen Nation – gerne in die Karten schauen?“ Als unabhängiges Forschungsinstitut ist es dem Fraunhofer FKIE dennoch gelungen, das Vertrauen der Entwicklergemeinde zu gewinnen und die Vorzüge des Testwerkzeugs in der Praxis zu verdeutlichen.

„Das MTRS ist mit seinen Möglichkeiten zur Fehleranalyse im militärischen Bereich einzigartig“, erklärt Dr. Michael Wunder, Leiter der Abteilung Informationstechnik für Führungssysteme. Durch den hohen Grad der Testautomatisierung lassen sich Informationssysteme mit einer Abdeckung testen, die bislang aus Zeit- und Kostengründen undenkbar gewesen wäre.

Die Konzepte des MTRS lassen sich auch auf andere Anwendungsbereiche übertragen. „Überall da, wo herstellerübergreifende Standards erforderlich sind, um Informationen unverfälscht zwischen verschiedenartigen Systemen auszutauschen, bietet ein neutrales Test-Referenz-System ein großes Einsparpotential bei gleichzeitiger Qualitätsverbesserung“, ist Dr. Gerz überzeugt.

Das nächste Ziel haben die Wissenschaftler aus Wachtberg klar ins Auge gefasst: Im ersten Halbjahr 2012 wollen sie die Interoperabilitätslösung der NATO für den Informationsaustausch auf Ebene der einzelnen Soldaten unterstützen. Zu diesem Zweck hat das Team von Dr. Gerz das Testframework in den zurückliegenden Monaten sukzessive so weiterentwickelt, dass es um beliebige Standards erweitert werden kann.

Weiterführende Information:

MIP: Ziel des Multilateral Interoperability Programms (MIP) ist es, einen gemeinsamen und offenen Standard für den Informationsaustausch zwischen heterogenen Führungsinformationssystemen zu etablieren. Informationen können damit semantisch eindeutig ausgetauscht werden. Die MIP-Lösung ist insbesondere bei internationalen Einsätzen von Bedeutung, da die Entwicklung der Führungssysteme in der Verantwortung der einzelnen Koalitionspartner liegt. Gegenwärtig wird die MIP-Lösung z.B. in Afghanistan für den Informationsaustausch eingesetzt.

Media Contact

Bernhard Kleß Fraunhofer-Institut

Weitere Informationen:

http://www.fkie.fraunhofer.de

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