Gebäude vermessen via Internet

Google Earth und Street View kennen viele. Ebenso 3D-Fotopanoramen, mit denen sich überall auf der Welt die Städte und ihre Sehenswürdigkeiten erkunden lassen. Das Technologiezentrum Informatik und Informationstechnik (TZI) der Universität Bremen geht im neuen, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Transferprojekt „Panovis“ noch einen Schritt weiter.

Mit den beiden Unternehmen Panolife aus Bremen und IGI mbH aus Kreuztal entwickeln die Wissenschaftler eine Software, die neben der 3D-Visualisierung hoch aufgelöster Panoramafotos von Landschaften, Straßenzügen und Gebäuden zusätzliche Features ermöglicht. „So können etwa Stadtplaner oder Architekten direkt in den Ansichten Vermessungen vornehmen. Es braucht kein Team mehr vor Ort“, benennt Projektmitarbeiter Frederic Pollmann eine wichtige Funktion. Oder es können virtuelle 3D-Modelle in die Panoramafotos eingesetzt werden, etwa die Ansicht eines Hauses in eine Baulücke. „Wir entwickeln dafür die Algorithmen, um eine fotorealistische Darstellung zu ermöglichen“, sagt Pollmann.

Es soll der Eindruck entstehen, dass dieses Haus dort schon immer im Fotopanorama vorhanden war. Eine echte Herausforderung für die Forscher. Auch deshalb, weil die riesigen Datenmengen so komprimiert werden müssen, dass sie den Nutzern wie bei Google webbasiert im Internet zur Verfügung stehen. „Eine solche webbasierte Anwendung gibt es bislang noch nicht und wir wollen, dass jeder sie ganz einfach am PC mit dem Flashplayer nutzen kann“, so Pollmann.

Das zweijährige Transferprojekt wird im Hightech-Förderprogramm KMU-innovativ mit 500.000 Euro gefördert. Am TZI entstehen zwei neue Arbeitsplätze und auch beim Bremer Unternehmen Panolife, das sich mit der innovativen Software ein zweites Standbein aufbauen möchte. Bekannt geworden mit realistischen 3D-Fotopanoramen, etwa vom Bremer Rathausmarkt oder der Oldenburger City, investiert Panolife jetzt 200.000 Euro für den Einstieg in ein „hochwissenschaftliches Geschäftsfeld“, wie es Geschäftsführer Milad Dana benennt. Als Zielgruppen benennt er Stadt- und Planungsämter, Architekten oder auch Sicherheitsfirmen. Erst Ende 2008 gegründet beschäftigt Panolife inzwischen elf Mitarbeiter.

Ganz wichtig bei der Erfassung der Panoramafotos ist der Datenschutz. Es wird nur Material verwendet, auf dem vorab Autokennzeichen geschwärzt und Gesichter von Menschen unkenntlich gemacht sind. „Datenschutz ist in diesem Projekt von zentraler Bedeutung. Denn wir kennen die aktuellen Vorwürfe gegen Google Street View“, sagt Milad Dana.

Für das Vermessungsgerät sorgt die IGI mbH, ein Spezialist für die Integration mobiler Datenerfassungssysteme. Dazu werden ein Laserscanner, eine Spezialkamera und ein hochgenaues Positionierungssystem in ein speziell für diese Anwendung optimiertes Vermessungsfahrzeug eingebaut. Nach Aussage ihres Entwicklungsleiters Dr. Jens Kremer verspricht sich die IGI mbH von ihrem Engagement im Projekt Panovis „die Erschließung eines ganz neuen Anwendungsgebietes“ für ihre mobilen Systeme.

Einen Eindruck von den bisherigen Fotopanoramen gibt die Website: http://www.panolife.de

Weitere Informationen:

Universität Bremen
Technologie-Zentrum Informatik und Informationstechnik (TZI)
Frederic Pollmann
Tel. 0421 / 218-64421
E-Mail: fpol@tzi.de

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Eberhard Scholz idw

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