Erster Knoten für interplanetares Internet in Betrieb

Auf der internationalen Raumstation wird derzeit ein neues Kommunikationsprotokoll getestet, das als Grundstein für ein zukünftiges interplanetares Internet gilt.

Es soll die Kommunikation zwischen Raumfahrzeugen und der Erde vereinfachen. Der erste Rechenknoten, der mit dem neuen Protokoll ausgestattet ist, stammt von der amerikanischen Firma Bioserve Space Technologies und soll – sofern alle Tests und eventuellen Nachbesserungen erfolgreich verlaufen – noch dieses Jahr durch einen zweiten Knoten ergänzt werden. „Auch die EU experimentiert mit dem neuen Protokoll. Hierzulande soll es aber dazu dienen, besonders entlegene Gebiete mit Internet zu versorgen“, so Martin Pilgram vom deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt im Gespräch mit pressetext.

Bislang gestalteten sich Kommunikationsvorgänge im All schwierig. Raumfahrer mussten genau timen, wann sie andere Raumfahrzeuge oder die Bodenstationen kontaktieren, weil die Konnektivität im All häufig durch Himmelskörper oder gar Solarstürme unterbrochen ist. Deshalb setzt das interplanetare Protokoll „Delay Tolerant Networking“ (DTN) im Gegensatz zu TCP/IP, wie es bei normalen Internetverbindungen verwendet wird, auf Datenspeicherung. Während eine Übertragung bei TCP/IP in einem Stück gehen muss und der Transfer bei einer Verbindungsunterbrechung abreißt, speichert DTN die Daten ab und versendet sie nach und nach, in jenen Zeiträumen, in denen Senden und Empfangen möglich ist. Die Zeitfenster für die Übertragung bestimmt das System dabei automatisch.

Der im Mai mit dem neuen Protokoll ausgerüstete Bioserve-Knoten sendete kürzlich erstmals Daten zur Erde. Die Übertragungsgeschwindigkeit konnte dabei um den Faktor vier gesteigert werden. „Die höheren Datenraten sind besonders bei Bildübertragungen ein Riesenvorteil“, so Pilgram. Wird die Verbindung während der Übermittlung unterbrochen, übermittelt das System verlorene Daten nun automatisch zu einem späteren Zeitpunkt. Zuvor musste manuell ein zweiter Versuch gestartet werden. Den ersten Test im All durchlief das System übrigens schon im November 2008, als auf der Erde befindliche Computer der NASA und eine Sonde die Datenübermittlung vom Mars zur Erde simulierten. Unter Realbedingungen wird das System erst jetzt auf der ISS getestet.

Bis Ende 2011 will die NASA das DTN-Protokoll auf der Internationalen Raumstation so weit testen und perfektionieren, dass es bereit für den Einsatz in Raumfahrzeugen ist. „Bis das Protokoll tatsächlich in Raumfahrzeugen eingesetzt wird, dürfte es noch bis 2015 dauern“, so Pilgram. „Derzeit führt die NASA auch Gespräche mit Japan und der ESA. Das europäische Columbus-Modul soll ebenfalls mit DTN ausgerüstet werden und Daten künftig auf diese Art ins Kontrollzentrum nach Oberpfaffenhofen senden“, so Pilgram weiter. Wenn sich das neue Protokoll durchsetzt, könnte es erheblich dazu beitragen, die Kommunikation zwischen der ISS, Raumfahrzeugen und der Erde zu erleichtern.

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Dominik Erlinger pressetext.austria

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