Alles Wissen auf eine Karte setzen

Für größere Unternehmen ist es überlebenswichtig, dass verschiedene Kreise von Mitarbeitern Inhalte des kollektiven Wissens schnell und intuitiv finden. Hierfür wurde die „Wissenskarte“ programmiert – eine Software, die Forscher auf der LEARNTEC in Karlsruhe präsentieren.


„Der Student muss es wissen. Der Doktorand muss wissen, wo das Buch steht. Der Professor muss wissen, wo der Doktorand ist.“ So alt dieser Kalauer auch sein mag, illustriert er doch die Erfahrung, dass Menschen mit fortschreitendem Alter ihr Wissen zunehmend anhand von Personen strukturieren. Darüber hinaus beinhaltet der Witz eine Art „Gelbe-Seiten-Effekt“: Im Branchenverzeichnis sucht man in der Regel nach einem Klempner und weniger eine Anleitung, wie man möglichst schnell und einfach die Toilette entstopft. Sehr handfest und von existentieller Bedeutung werden solche Überlegungen, wenn man an den kollektiven Wissensschatz eines Unternehmens denkt. Sein Transfer sollte nicht nur nach der Methode funktionieren „Das weiß Gabriele Musterfrau von der Buchhaltung“, sondern sollte durch eine intuitive und logische Strukturierung aller Inhalte im Intranet und anderen IT-Strukturen implementiert sein. Anderenfalls wird in verschiedenen Bereichen des Unternehmens das Rad in leichten Varianten oder mit kleinen Neuerungen immer wieder neu erfunden.

Genau hierfür ist die „Wissenskarte“ vom Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD vorgesehen. Mit vollem Namen heißt das Programm, das im Auftrag der SAP AG umgesetzt wurde, „Flash-TM-Viewer – Wissenskarte für die Visualisierung von Businessmodellen“. Die graphische Darstellung der Inhalte ist eine Hilfe, da die meisten Menschen leichter in Bildern denken. Ähnliche Inhalte fasst das Programm also zu Inseln zusammen, die über Linien semantisch miteinander verbunden sind. „Die Strukturierung erfolgt horizontal und vertikal“, erläutert Christoph Hornung, Leiter der IGD-Abteilung e-Learning & Knowledge Management. „Am einfachsten kann man sich dies durch Verwandtschaftsbeziehungen vergegenwärtigen: ’Wie heißt der Bruder von Herrn Bullinger’, entspricht den Linien. ’Das ist der Sohn vom Vater’, führt dagegen zu vertiefenden Erklärungen.“

Natürlich kann die Wissenskarte nur so gut sein wie das Material, mit dem sie gefüttert wurde. Der Standard XTM funktioniert ähnlich wie die Sprache XML (Extensible Markup Language) im Internet. Metatags entsprechen Etiketten: Auf roten dürfen etwa nur Personen notiert werden, auf gelben nur Gerichtsurteile, auf grünen nur Adressen und so weiter. Daraus erstellt das Programm automatisch seine Karte in einer Flash-Darstellung. Sie ist von der verwendeten Computerplattform so gut wie unabhängig. Gezeigt wird die Wissenskarte auf der Messe LEARNTEC, die vom 14. bis 16. Februar in Karlsruhe stattfindet (Gartenhalle, Stand 306).

Ansprechpartner:
Nadeem Bhatti
Telefon: 0 61 51 / 1 55-5 51, Fax: -5 69
nadeem.bhatti@igd.fraunhofer.de

Dr. Christoph Hornung
Telefon: 0 61 51 / 1 55-2 34
christoph.hornung@igd.fraunhofer.de

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Dr. Johannes Ehrlenspiel Fraunhofer-Gesellschaft

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