Saarbrücker Computerlinguisten entwickeln natürlichsprachige Suchfunktion für Brockhaus-Enzyklopädie

Saarbrücker Computerlinguisten vereinfachen Suche im Brockhaus


Wer in der neuen Auflage der Brockhaus Enzyklopädie etwas sucht, aber nicht genau weiß, unter welchem Stichwort die Antwort zu finden ist, kann einfach fragen. Eine natürlichsprachige Suchfunktion wurde eingebaut, die Computerlinguisten am Saarbrücker Institut für angewandte Informationsforschung (IAI) entwickelt haben. Die neue Software kann mit Fragen wie „Was ist der Zusammenhang zwischen Übergewicht und Herzinfarkt?“ oder „Warum ist der Himmel blau?“ umgehen und den Leser zu einem Artikel führen, der Antworten auf diese Fragen gibt. „Diese Art der Suche ist bisher einzigartig und besonders nützlich, wenn der gesuchte Begriff unbekannt ist“, so Bernd Kreissig, Geschäftsführer der Brockhaus Duden Neue Medien GmbH. Der neue Brockhaus, der kürzlich auf der Frankfurter Buchmesse präsentiert wurde, enthält 300.000 Stichwörter auf 24.500 Seiten in 30 Bänden. Wer im Bücherregal nicht so viel Platz hat, kann den kompletten Textinhalt jetzt auf einem USB-Stick erwerben.

In dem umfangreichen Lexikon kommen neue statistische und linguistische Extraktionsmethoden und Visualisierungstechniken zum Einsatz, die in einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt entwickelt wurden.
In wissenschaftlicher Hinsicht ist bedeutsam, dass gegenüber früheren so genannten Expertensystemen ein wesentlicher Fortschritt erzielt worden ist. Schwierigkeiten, die unter anderem auf der Mehrdeutigkeit der Sprache beruhen, wurden bisher durch die Eingrenzung des Themengebietes umgangen. Jetzt deckt die Software das gesamte enzyklopädische Wissen ab. Johann Haller, einer der wissenschaftlichen Direktoren des IAI und Professor für maschinelle Übersetzung an der Universität des Saarlandes, sieht hier noch viel Potenzial für die Zukunft: „Wir haben noch einige Ideen in der Schublade, wie die Leistungsfähigkeit des Moduls weiter gesteigert werden kann. Und gemeinsam mit unseren Partnern in Mannheim untersuchen wir gerade die Möglichkeiten, die Suchtechnologie auch für andere Textmengen verfügbar zu machen.“

Das IAI wurde 1985 als Technologietransfer-Institut im Saarland gegründet. Seine Aufgabe ist die anwendungsbezogene Forschung auf dem Gebiet der Sprach- und Informationstechnologie. Heute gehört es mit seinen Produkten zu den führenden Forschungs- und Entwicklungsinstituten der Sprachtechnologie. Zu den Kunden und Projektpartnern des IAI zählen neben der Brockhaus Duden Neue Medien GmbH unter anderem die BMW Group, Porsche, Sun Microsystems, Boehringer-Ingelheim, Siemens, DaimlerChrysler, Heidelberger Druckmaschinen und Volkswagen.

Fragen beantworten Ihnen:
Prof. Dr. Johann Haller
Lehrstuhl für maschinelle Übersetzung
Universität des Saarlandes
Tel.: 0681/302-4484
E-mail: hans@iai.uni-sb.de

Friederike Meyer zu Tittingdorf
Kompetenzzentrum Informatik der Universität des Saarlandes
Tel. 0681/302-58099
E-mail: presse@cs.uni-sb.de

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