Ökonom der Uni Graz entwickelte Software zur Vermehrung von Wissen in Unternehmen

„Random Communication Program“ (RCP) – hinter dem Begriff verbirgt sich eine Softwarelösung, die den informellen Austausch zwischen den MitarbeiterInnen eines Unternehmens bewusst zu fördern versucht. Das Ziel: Wissen und Erfahrungen zu vernetzen und damit den Informationsstand jedes/jeder Einzelnen zu erhöhen. Erfinder des Programms ist Univ.-Ass. Dr. Kurt-Martin Lugger vom Institut für Organisations- und Personalmanagement der Universität Graz.

Kommunikation findet in Betrieben nicht nur in Meetings statt, sondern auch beim Kaffee, Mittagessen oder Zusammentreffen am Gang. Dabei werden häufig auch die Arbeit betreffende Themen besprochen. Das auf diese Weise weitergegebene Wissen kann für alle Beteiligten sowie für das Unternehmen von Bedeutung sein.

Online-Gesprächspartnerbörse

Seit 1999 arbeitet Lugger in Kooperation mit der Grazer Firma „nimbus Development IT Consulting“ an seiner Software. „Das RCP funktioniert im Prinzip wie eine Online-Partnerbörse, nur dreht es sich um Eigenschaften, die für das Arbeitsleben relevant sind“, umschreibt der Wissenschafter das Programm. Im Intranet wird ein eigenes Portal eingerichtet, wo sich MitarbeiterInnen registrieren lassen können. Gesammelt werden personenbezogene Daten, wie Name, E-Mail-Adresse, Telefonnummer, und so genannte Business Data, also Angaben zur Funktion im Betrieb, Abteilungszugehörigkeit oder Teilnahme an Projekten.

Aus allen Registrierten werden per Zufall Personenpools von zwei bis fünf MitarbeiterInnen generiert, die via E-Mail eine Einladung erhalten, an einem RCP-Treffen in zwanglosem Rahmen, etwa in der Cafeteria oder Kantine, teilzunehmen. Das RCP kann auch den Zufall beim „Zusammenwürfeln“ der Personen systematisch einschränken, etwa durch eine Auswahl der Leute nach ihren betrieblichen Funktionen.

Nach einem Monat bekommen die Pool-Mitglieder erneut elektronische Post, in der sie nach dem Stand der Aktivitäten befragt werden: Hat das Treffen stattgefunden? Wenn ja, hat das Gespräch zur Lösungskompetenz beigetragen? So richtig effizient wird das Programm, wenn es kontinuierlich eingesetzt wird und dabei immer wieder unterschiedliche Personenkonstellationen errechnet.

Wesentlich ist: RCP-Meetings müssen eine konkrete Zielsetzung haben. „Wenn ein Unternehmen beispielsweise eines seiner Produkte modifizieren möchte, dann ist es sinnvoll, ProduktentwicklerInnen und Vertriebsleute an einen Tisch zu bringen. Die einen wissen, was die Kunden wollen, und die anderen, wie’s gemacht wird und was möglich ist“, so Lugger. Und noch etwas stellt der Wissenschafter klar: „Freiwilligkeit ist oberstes Prinzip des RCP.“

Am Menschen orientiert

„Es gibt einen steigenden Bedarf an am Menschen orientierten Instrumentarien im Wissensmanagement“, ist Lugger überzeugt. „Das Problem ist, dass in Datenbanken bloß Information gespeichert wird. Erst wenn wir diese in unsere eigenen Erfahrungen einbauen können, entsteht Wissen“, erklärt der Forscher.

Das persönliche Gespräch habe außerdem den Vorteil, dass über Mimik, Gestik, Stimmlage und Körperhaltung komplexe Zusammenhänge besser vermittelt werden könnten. Entscheidend sei auch, dass sich Menschen kennen lernen, denn dann falle es später leichter, einander um Rat zu fragen.

Die positiven Effekte des RCP reichen, so sein Erfinder, von der Unterstützung der Organisationsentwicklung über die Schaffung von mehr Transparenz bis hin zur Steigerung von Motivation, Effizienz und Produktivität, Entlastung der MitarbeiterInnen sowie Förderung der Social Skills. In der intensiven Testphase wurde das RCP sehr gut angenommen. Die Kommunikationsbeziehungen innerhalb der Testgruppe wurden nachhaltig ausgebaut.

Kontakt:
Univ.-Ass. Dr. Kurt-Martin Lugger
Universität Graz
Institut für Organisations- und Personalmanagement
Tel. 0316/380-1007
Mobil 0650/821 82 22
E-Mail: kurt.lugger@uni-graz.at

Media Contact

Gudrun Pichler idw

Weitere Informationen:

http://www.rcp.at http://www.nimbus.at

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