Kopierschutz – nein danke!

Hörbuch-Downloadportal schützt sich mit Wasserzeichen gegen Raubkopien

Harsche Kritik an der gegenwärtigen bundesweiten Diskussion über den Schutz vor Raubkopien bei Musik, Hörbüchern und Videos übt der schwäbische Hörbuch-Verleger Harald Rieck, der das Hörbuch-Portal www.soforthoeren.de betreibt. „Wir wollen unsere Hörbücher online über das Internet verkaufen, und haben kein Interesse an Kopierschutztechniken, für die der Kunde sich entweder neue Abspielgeräte kaufen oder Spezialsoftware auf seinem Computer installieren muss. Unsere Kunden wollen schnell und einfach etwas hören, und niemand aus unserer Branche wird glücklich werden mit Systemen, die an unserer Zielgruppe vorbeigehen oder vor allem der Hardware-Industrie nützen.“

Doch ganz ungeschützt möchte auch Rieck seinen elektronischen Content nicht verteilt sehen. Der Schwabe, der sein Angebot seit der Frankfurter Buchmesse im Oktober auf rund zweihundert deutschsprachige Titel fast verdoppeln konnte, hat eine Lösung gefunden: Er setzt unhörbare digitale Wasserzeichen ein, eine Entwicklung des Fraunhofer-Instituts IPSI in Darmstadt. Er lädt – mit Erfolg – auch andere Verlage ein, sich an seinem Portal zu beteiligen; rund dreissig Verlage sind bei ihm bereits an Bord, darunter auch Campus, Patmos und Steinbach. Das Hörbuchprogramm geht querbeet von Erzählungen, Gedichten, Science-Fiction bis hin zum Sachbuch und soll weiter ausgebaut werden. Ganz neu ist beispielsweise Edgar Allan Poe’s „Detektiv C. Auguste Dupin ermittelt in Paris“.

„Wir bieten die Hörbücher zum Download im populären MP3-Datenformat ohne Kopierschutz an, so dass sie ohne Komplikationen auch auf älteren Playern oder Billiggeräten aus dem Supermarkt abgespielt und beliebig oft auf CD gebrannt werden können“, schildert Rieck die Vorzüge der Technologie.

Doch wer meint, er könne diese MP3-Dateien dann illegal über Tauschbörsen verbreiten, hat sich getäuscht. Er kann durch die nicht entfernbaren und unhörbaren digitalen Wasserzeichen identifiziert und belangt werden – was bereits in einigen Fällen geschehen ist. Und der Schadensersatz kann hoch ausfallen. So will Rieck die schwarzen Schafe bestrafen, ohne die ehrlichen Nutzer mit hohen Kosten für Abspielgeräte oder umständliche Softwareinstallationen zu schikanieren. Natürlich sollte man sich sehr genau überlegen, ob man noch selbstgebrannte CDs mit diesen Titeln weitergibt – denn die Wasserzeichen überstehen beliebig viele Kopiervorgänge. Ärger droht also auch dann, wenn der Freund des Freundes die Dateien in einer Tauschbörse veröffentlicht.

Fraunhofer IPSI: Auf Dauer wird jeder Kopierschutz gebrochen

Dr. Martin Steinebach, Leiter des Wasserzeichen-Entwicklungsteams beim Fraunhofer IPSI, sekundiert Rieck noch aus einer anderen Sicht: „Auf Dauer bleibt kein Kopierschutz ungebrochen – wer sich im Internet umschaut, findet regelmäßig schon kurz nach der Einführung eines neuen DRM-Systems die Instrumente, mit denen er es wieder aushebeln kann. Also machen Investitionen in solche Systeme wenig Sinn – die Unschuldigen werden durch hohe Hardwarekosten und umständliche Handhabung bestraft, und die Raubkopierer bleiben unerkannt.“

„Wer nicht über den Schlüssel des Wasserzeichens verfügt, kann noch nicht einmal feststellen, ob überhaupt ein Wasserzeichen in eine Datei eingebettet ist. Damit dürfte in der Praxis das Wasserzeichen kaum entfernbar sein, da kein Angreifer überprüfen kann, ob er erfolgreich war. Tests haben gezeigt, dass die IPSI-Wasserzeichen selbst eine analoge Rundfunkübertragung und Aufnahme vom Lautsprecher auf Tonband überstehen“, berichtet Steinebach.

Kontakt:

Fraunhofer-Institut für
Integrierte Publikations- und
Informationssysteme IPSI
Dolivostraße 15
64293 Darmstadt

Dipl.-Volkswirt Michael Kip
Telefon +49 (0) 61 51/8 69-60152
Telefax +49 (0) 61 51/8 69-968
michael.kip@ipsi.fraunhofer.de

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