Die Zukunft der Sprachtechnologie

Wie lauten die nächsten Meilensteine auf den Gebieten, Spracherkennung, Sprachsynthese und Sprachübersetzung? Ein Experte aus der Industrie offenbarte vor Vertretern des VDE die kommenden Etappenziele.


“Es wird voraussichtlich noch zehn Jahre dauern, bis die automatische Sprachübersetzung einen breiten Einsatz findet”, erklärte Harald Höge, Experte für Sprachtechnologie vom Bereich Corporate Technology der Siemens AG auf dem VDE Kongress 2004 in Berlin. Dies hänge davon ab, wie rasch der technische Fortschritt in den Bereichen Spracherkennung, Sprachsynthese und Sprachübersetzung sei. Wie die Erfahrung bisher gezeigt habe, werde es keinen revolutionären Durchbruch geben. Vielmehr müsse der Fortschritt in kleinen Schritten hart erarbeitet werden.

“Die Leistungsfähigkeit heutiger Spracherkennungs- und Sprachsynthesesysteme hat bei weitem noch nicht die menschliche Leistungsfähigkeit erreicht”, argumentierte Höge. So mache der Mensch in der derselben Geräuschkulisse etwa 10-mal weniger Worterkennungsfehler als die heutigen “state of the art” Erkenner. Ein weiteres Hindernis sei die begrenzte Rechenleistung und Speicherkapazität der Plattformen, auf denen die Sprachtechnologie implementiert werde. Dieses Problem komme insbesondere bei mobilen Plattformen wie beim Handy zum Tragen.

Ein weiteres Problem stelle die Vielzahl der Sprachen dar. So müsse jedes Spracherkennungs- und Sprachsynthesesystem an eine neue Sprache angepaßt werden. Hierzu benötige man für jede Sprache spezifische “Wissensquellen” wie Sprachproben von einigen tausend Sprechern, Aussprachelexika und Textkorpora. Für diese “Language Resources” sei in den letzten Jahren sowohl in den USA als auch in Europa eine Infrastruktur aufgebaut worden. Zur Erweiterung der Infrastruktur werde im europäischen Rahmen an einem neuen Projekt “Langnet” gearbeitet, welches zum Ziel habe, die verschiedenen “Language Resource” Aktivitäten der EU Länder zu koordinieren und “Language Resources” für die wichtigsten “Language Technologies” wie die Sprachtechnologie für jedes EU-Land zu generieren.

“Weltweit wird intensiv an der Weiterentwicklung der Sprachtechnologien gearbeitet”, sagte Höge. Er verwies in diesem Zusammenhang auf USA, China und Europa, wo man ehrgeizige Forschungsprojekte aufgelegt habe. In diesem Umfeld werde auch an der Sprachübersetzung gearbeitet, die bei den “funding agencies” eine hohe Prioritätsstufe geniesse. In diesem Bereich habe Deutschland mit dem BMBF geförderten Projekt “Verbmobil” eine Vorreiterolle gespielt. Derzeit finde ein Wettlauf zwischen den USA und der EU statt, wo auf beiden Seiten jeweils ein großes Forschungsprojekt für die nächsten Jahre zur Sprachübersetzung aufgesetzt werde. In Europa sei es das EU geföderte Projekt TC-Star, in den USA die DARPA geförderten Projekte EARS und TIDES. China wiederum fördere mit eigenen Projekten die Sprachtechnologie für den Einsatz zur Olympiade 2008.

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Rolf Froböse Rolf Froböse

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