EU-Projekt: Entwicklung neuer Software und Methoden zur Prüfung von Webseiten auf Barrierefreiheit

Ein Konsortium internationaler Partner entwickelt neue Software und Methoden zur Prüfung von Webseiten auf Barrierefreiheit. Auch komplexe Design-Anforderungen sollen damit automatisiert ’prüfbar’ werden. Koordiniert wird das EU-Projekt durch Forscher des Fraunhofer-Instituts FIT. Vom 30.09.2004 bis 01.10.2004 treffen sich die Partner auf Schloss Birlinghoven in Sankt Augustin zum Projektstart.

Nicht nur die rechtliche Situation, die seit Inkrafttreten des Gesetzes zur Gleichstellung Behinderter am 1. Mai 2002 entstanden ist, sondern handfeste wirtschaftliche Gründe sprechen dafür, Webseiten barrierefrei zu machen. Allein in Deutschland leben über eine halbe Million Sehbehinderte und etwa 155.000 Blinde. Hinzu kommen zahlreiche bewegungsbehinderte, lernbehinderte und auch hörgeschädigte Menschen. Ohne durchgängig barrierefreies Web-Design haben diese benachteiligten Mitbürger nur stark eingeschränkten Zugang zum Internet.

Die technischen Anforderungen für Barrierefreiheit sind in der „Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung“, kurz BITV genannt, festgeschrieben. In vierzehn Punkten steht dort, was für Barrierefreiheit erforderlich ist. Leider werden diese Anforderungen immer noch nur von wenigen Websites erfüllt. Ein Grund dafür ist, dass es immer noch sehr aufwendig ist, zu prüfen ob eine Website barrierefrei ist. Die heute verfügbaren automatisierten Analysewerkzeuge für Barrierefreiheit können lediglich 70% der BIT-Verordnung abprüfen. Der Rest kann aufgrund seiner Komplexität nur aufwendig durch Experten-Tests evaluiert werden.

„Die Navigation ist ein einfaches Beispiel“, so Yeyha Mohamad, Mitarbeiter des Kompetenzzentrums Barrierefreie Informations- und Kommunikationstechnologie für Alle (BIKA) am Fraunhofer-Institut FIT. „Die heute verfügbaren Analysewerkzeuge erkennen Navigationselemente lediglich als einzelne Links. Zur Prüfung, ob die Navigation konsistent auf der gesamten Website implementiert ist, muss die Software selbstständig wiederkehrende Links auf verschiedenen Seiten richtig interpretieren können. Das ist heute leider noch Zukunftsmusik.“

Das soll sich dank des Projekts BenToWeb ändern, das das Fraunhofer-Institut FIT koordiniert. Ein Konsortium internationaler Partner wird in den nächsten drei Jahren neue Software-Module und Methoden entwickeln, um die Empfehlungen der Web Accessibility Initiative (WAI) – auf diese internationalen Empfehlungen bezieht sich auch die deutsche BITV – automatisiert prüfen zu können. Darunter fallen beispielsweise Prüfungen auf konsistente Navigation eines Webportals, auf einfache und verständliche Sprache oder richtige Farbgestaltung, wie Harmonisierung von Vordergrund- und Hintergrundfarben und unterschiedlicher Kontraste.

Das Projekt BenToWeb wird im IST Programm der europäischen Kommission gefördert. Partner im Projektkonsortium sind Multimedia Campus Kiel, FernUniversität Hagen, Universität Linz, ISdAC International Association (Belgien), University of the Aegean (Griechenland), Katholieke Universiteit Leuven, Stichting Bartiméus Accessibility ACCESS ( alle Niederlande); City University London (Großbritannien) und University of Toronto (Canada).

Ansprechpartner für Medien

Alex Deeg idw

Weitere Informationen:

http://www.fit.fraunhofer.de

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