Hollywood auf dem Handy

Mobilfunk: Filme auf dem Weg in die mobile Welt – Finnische Firmen und Jamba zeigen Software

Wieder sollen die Bilder laufen lernen – diesmal auf Handys und Organizern. So genannte Micromovies sollen Konsumenten und Produzenten nicht zuletzt in die UMTS-Zukunft locken.

Musikclips, Filmtrailer und Homemovies, Java-Games und Cartoons, so versprechen Mobilfunkbetreiber und Inhalte-Produzenten, werden den Kunden künftig das Leben versüßen. Noch weiß allerdings niemand genau, welche Art von mobilem Content sich durchsetzen wird. „Es ist eine echte Pionierzeit und unmöglich abzuschätzen, wohin das Rennen geht“, so Stefan Nyul von der Mobil Scope AG, einer Tochter des angeschlagenen Spieleentwicklers Phenomedia.

Auf dem Kurzfilmfestival im finnischen Tampere sind alljährlich auch technische Trends zu sehen – diesmal die so genannten Micromovies. In einem Einkaufszentrum konnte das Publikum sich im März Organizer samt Kopfhörer ausleihen, um Musikvideos, Animationen oder experimentelle Filme zu bewundern. „Anfangs wurden Micromovies von den Besuchern als albern und nutzlos betrachtet“, resümiert Medienwissenschaftlerin Heli Rantavuo die Reaktionen, „am Ende der Woche waren die Leute neugierig und angetan.“

Allerdings konnten auf den Minidisplays nur visuell reduzierte Kurzfilme mit einfacher Handlung überzeugen. Mit einem TFT-Bildschirm mit 4096 Farben, wie ihn z.?B. das neue Samsung SGH-T100 aufweist, ist ein klares, kontrastreiches Bild möglich. Der Filmemacher Jason Wishnow sieht in einer eigenen Ästhetik, geprägt von wenigen Details und kurzer Dauer, dafür mit Großaufnahmen und Animationen, eine Zukunft für Micromovies. „Am interessantesten sind Arbeiten, die speziell für das Organizer-Format hergestellt werden.“

Solchen Anforderungen genügen Flash-Filme. Seitdem Macromedia es 1997 mit der vektorbasierten Technologie ermöglicht hat, bewegte Bilder samt Ton von geringem Datenvolumen zu erzeugen, experimentieren Filmemacher mit den Möglichkeiten von Flash. Auf dem European Media Art Festival im niedersächsischen Osnabrück waren einige dieser „XS-Movies“, ein Wortspiel aus „access“ (Zugang) und „extra small“, zu sehen. Festivalleiter Alfred Rotert ist davon überzeugt, dass sich aus den Flash-Filmen noch reduziertere Ansätze entwickeln werden für spätere UMTS-Applikationen.

„Die Industrie wäre sehr dumm, wenn sie diese Chance vertut“, meint Bruno Felix vom niederländischen Submarine-Channel. Die unabhängige Produktionsfirma stellt Cross-Media-Produkte für Fernsehen und Internet her. Auf der Website findet sich z.?B. die Animation von „Mr. Kahoona“, ein indischer Weiser, der dem Surfer mit Rat und Tat beiseite steht. Er soll bald auch aufs Handy gelangen. „Wir glauben nicht so sehr ans Geschichtenerzählen per Mobiltelefon“, erläutert Felix, „sondern an Kommunikationsprozesse.“

Persönliche „Mood-Clips“ oder SMS-Nachrichten samt kurzen Homemovie-Sequenzen – so stellt der Niederländer sich die Zukunft von Bewegtbildern auf dem Handy vor: als reine Peer-to-Peer-Kommunikation. Für Hannu Nieminen, Mitarbeiter des Nokia Research Centre in Finnland, sind das „Teilen von Gefühlsmomenten“ und der „Spaß mit Freunden“ ausschlaggebend für den Erfolg von Bewegtbildern auf dem Mobiltelefon.

Grund genug für Portalspezialist Jamba sich zu engagieren. Die Berliner haben Anfang Juni einen Video-Player für javafähige Handys vorgestellt. Zunächst ist er nur für Nutzer des Nokia 7650 aus dem WAP-Angebot herunterladbar.

Aus Finnland stammt eine Video-Software, die der Spezialist Hantro vor wenigen Tagen präsentierte – natürlich auch für das neue Nokia. Das Besondere: Bei der Entwicklung für die Symbian OS-Plattform wurde sowohl mit dem International Multimedia Telecommunications Consortium als auch mit dem MPEG-4 Industry Forum zusammengearbeitet. Interoperabilität sei so gewährleistet, heißt es aus Finnland. Die Videoclips können als MMS versendet werden oder an eine E-Mail angehängt werden.

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H. MERSCHMANN VDI nachrichten.com

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