Qualitätsvorhersage für serviceorientierte Softwaresysteme

4,86 Millionen Euro investieren die Europäische Union (EU) und acht Forschungspartner aus fünf Ländern in die Entwicklung einer frühzeitigen Qualitätsvorhersage für die Evolution von Software-Altsystemen auf serviceorientierte Software.

Die Hauptinnovation im Projekt Q-Impress ist die Zusammenführung von Dienstgütevorhersageverfahren und Wartbarkeitsbewertung von geplanten serviceorientierten Softwarearchitekturen (SOA) mit Software-Sanierungsverfahren. Der einzigartige Ansatz, Qualitätsbewertung mit Software-Sanierung zu koppeln, brachte das Projekt an die Spitze der europäischen IKT-Forschung im Bereich Dienst- und Software-Architekturen, -Infrastrukturen und -Technik (Herausforderung ICT-2007 1.2).

Es errang die drittbeste Platzierung unter 85 der EU vorgeschlagenen Forschungsprojekten zur Lösung strategischer Herausforderung. Das FZI Forschungszentrum Informatik koordiniert das Projekt und bringt seine Kompetenzen im Bereich Qualitätsvorhersage und Struktursanierung ein. Für die wissenschaftliche Koordination verantwortlich zeichnet Professor Dr. Ralf Reussner, Direktor im Bereich Software Engineering (SE) am FZI. Ansprechpartner und für die operative Projektleitung zuständig ist Dipl.-Ing. Mircea Trifu.

Reussner erklärt zur Motivation für das Projekt: „Serviceorientierte Software bietet das Potenzial für Unternehmen, ihre Geschäftsprozesse deutlich flexibler zu gestalten und schneller an sich ändernde Anforderungen und Marktbedingungen anzupassen. Allerdings sind die Fragen der Softwarequalität bei der Neueinführung nicht gelöst, ebenso wie die systematische Evolution von Altsystemen zu einer SOA noch nicht wirklich verstanden ist. Das Risiko, dass bei der Migration qualitätsrelevante Attribute außer Kontrolle geraten, hebelt die Vorteile der Serviceorientierung unter Umständen aus.

Deshalb hinken Anwendungen, deren Funktion und Qualität hoch geschäftskritisch sind – beispielsweise Produktionssteuerungen, Telekommunikationsdienste oder betriebliche Steuerungssoftware – noch stark hinterher. Hier wollen wir mit Q-ImPrESS Sicherheit schaffen und die Migration mit Werkzeugen unterstützen“.

Aus der Industrie beteiligen sich an Q-ImPrESS in Deutschland ABB und Itemis, aus Italien Softeco Sismat und aus Kroatien Ericsson Nikola Tesla. Wissenschaftliche Partner sind neben dem FZI die schwedische Mälardalen University, das italienische Politecnico di Milano und die tschechische Karls-Universität Prag. Q-ImPrESS verbindet damit Forschungsgruppen, die im Bereich der Qualitätsbewertung und -vorhersage zur Weltspitze gehören.

Die Projektpartner entwickeln ein Vorhersageverfahren sowie Werkzeuge, mit denen die Auswirkungen der Evolution von Softwaresystemen auf SOA in der Entwurfsphase überprüft und bewertet werden können. Zudem erarbeiten sie Rahmenempfehlungen für die Einführung von SOA-Systemen, setzen Fallbeispiele aus der Industrie an Demonstratoren um, und bauen eine umfassende Informationssammlung zu SOA auf. Vorhersageverfahren, Open-Source-Werkzeuge, Fallbeispiele und Informationen werden der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Die im Projekt erarbeiteten Erkenntnisse, Methoden und Werkzeuge sollen helfen, SOA künftig auch für hoch geschäftskritische Anwendungen einsetzbar zu machen.

Nach Wunsch der EU sollen die Forschungsarbeiten vor allem kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) Unterstützung bei der Evolution bieten. Q-Impress wurde im Januar 2008 gestartet und läuft bis Ende 2010. Weitere Informationen sind auf der Projektwebsite veröffentlicht:

http://www.q-impress.eu/

Hintergrund für die Redaktion:
Die Modernisierung von Softwaresystemen auf serviceorientierte Architekturen bietet Unternehmen das Potenzial, ihre Geschäftsorganisation und damit ihr Produkt- und Dienstleistungsangebot flexibler zu gestalten als bisher. Individuelle Anforderungen von Kunden und Geschäftspartnern können schneller bedient werden. Zudem können sie auf Marktveränderungen schneller reagieren. Durch diese positiven Effekte hat sich diese neue Art der Auslegung von Softwaresystemen in Diensten (Services), die jeder für sich ein eigenes Programm darstellen und sich, da sie mit anderen Diensten kooperieren können, nach dem Baukastenprinzip bedarfsgerecht zu einem Gesamtsystem zusammenschalten lassen, über viele Anwendungsbereiche ausgebreitet. Allerdings hinken hoch geschäftskritische Softwaresysteme wie beispielsweise Produktionssteuerungen, Informations- und Telekommunikationsdienste sowie betriebliche Steuerungssoftware noch deutlich hinterher. Der Grund dafür sind die fehlenden Möglichkeiten zur Bewertung und Vorhersage der Qualität und Wartbarkeit eines geplanten serviceorientierten Systems.
Weitere Informationen
FZI Forschungszentrum Informatik
Haid-und-Neu-Str. 10-14
76131 Karlsruhe
Ansprechpartner: Prof. Dr. Ralf Reussner / Dipl.-Ing. Mircea Trifu
Telefon:+49 721 6594-624
E-Mail: reussner@fzi.de, Mircea.Trifu@fzi.de
Internet: http://www.fzi.de
Vera Münch PR+TEXTE
Telefon: 05121/82613 mobil: +49 171 38 25 545
E-Mail: info@vera.muench.de
Über das FZI Forschungszentrum Informatik
Das FZI ist eine Forschungseinrichtung des Landes Baden-Württemberg und der Universität Karlsruhe (TH). Es hat die Aufgabe, die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse aus Informatik, Ingenieurwissenschaften und Wirtschaftswissenschaften für Unternehmen und öffentliche Einrichtungen
verfügbar zu machen. In Kooperationsprojekten und in Auftragsforschung
entwickelt das FZI für seine Geschäftspartner Konzepte für betriebliche Organisationsaufgaben, Software- und Systemlösungen und setzt diese in innovative Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsprozesse um.

Wissenschaftliche Exzellenz und Interdisziplinarität sind in der Organisation verankert: Für den Technologietransfer engagieren sich am FZI Professorinnen und Professoren, die an verschiedenen Fakultäten der Universität Karlsruhe (TH) und weiteren Universitäten Informatik und ihre Anwendungen erforschen. Die Forschungseinrichtung ist gemeinnützig.

Ansprechpartner für Medien

Vera Münch idw

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