Lehrermobbing: Es wird gemobbt wie im normalen Leben!

Eine umfangreiche Befragung von deutschsprachigen Lehrkräften durch das Zentrum für Empirische Pädagogische Forschung (zepf) der Universität in Landau ergab: Im Empfinden der Lehrkräfte sind die direkten Mobbingattacken aus der Sicht der Betroffenen am stärksten seitens der Schulleiter und Schulleiterinnen, gefolgt von den Kolleginnen und Kollegen, den Eltern und den Schülerinnen und Schüler der eigenen Klasse.

Das direkte Mobbing – beispielsweise Beleidigungen, körperliche Aggression, verbale Attacken, Ausschließen einer Lehrkraft aus der Gruppe – tritt, so die Angaben der Lehrkräfte, bei etwa 17% der Fälle auf, Cybermobbing – das Mobben unter Verwendung von Internet, Social Medias oder Handy – dagegen nur in 1,6% der Fälle. Dabei wurden nur die Lehrkräfte berücksichtigt, die innerhalb von zwei Monaten nach eigenen Angaben von vier oder mehr Mobbingattacken betroffen waren.

Das Projektteam des zepf unter Leitung von Prof. Dr. Reinhold S. Jäger ermittelte bei der Auswertung der Befragung auch einige Faktoren, die das Mobbing von Lehrkräften beeinflussen: Lehrerinnen und Lehrer in Schulen, die keinen Verhaltenskodex gegen Mobbing etabliert haben, besitzen ein zweifach höheres Risiko, Opfer von direktem Mobbing zu werden, als Lehrkräfte aus Schulen mit einem Verhaltenskodex.

Die Wahrscheinlichkeit, Opfer von direktem Mobbing zu werden, ist bei Lehrkräften mit oder ohne Fortbildungsmaßnahmen zur Thematik Mobbing annähernd gleich verteilt ist. Das Risiko besteht bei beiden Gruppen bei ca. 50:50.

Die Wahrscheinlichkeit, Opfer von direkten Mobbingattacken zu werden, ist in den Schulen ohne Maßnahmen gegen Mobbing, um das 2,17fache höher in denjenigen Schulen ist, in denen Maßnahmen gegen Mobbing realisiert werden.

Das Risiko, Opfer von direkten Mobbing zu werden, steigt mit der Anzahl der Berufsjahre, welche die betreffende als Person als Lehrkraft tätig ist an. Das Risiko ist für die mehr als 22 Jahre Tätigen ist um das 1,56fache höher als das der Anfänger (1 – 7 Jahre im Dienst).

Das Risiko, in der Primarstufe Opfer von Mobbing zu werden, ist um das 1,28fache höher als in den anderen Schulstufen.

Die häufigsten Mobbingattacken sind: durch andere schlecht gemacht werden (54%), unter Druck gesetzt werden (54%), ignoriert werden (47%), von Anderen ausgegrenzt werden (47%). Das Risiko für Lehrerinnen ist um das 1,4 fache höher als das für Lehrer. Die Möglichkeiten, die Mobbingattacken zu bewältigen sind vielfältig, meist wird aber von den Betroffenen der jeweilige Vorfall mit dem Partner oder der Partnerin, mit Freunden, mit Kolleginnen oder Kollegen besprochen.

Jäger sieht die Notwendigkeit, das Mobbing bereits bei den Lehramtskandidaten zum Thema zu machen. „Hier greifen die Ausbildungsinhalte derzeit noch zu kurz. Aber es gehört auch in die Verantwortung der Schulen selbst, das Thema aktiv anzugehen. Dazu müssen allerdings auch Schulleiterinnen und -leiter entsprechend qualifiziert werden. Es ist an der Zeit, die Voraussetzungen für eine qualifizierte Personal- und Organisationsentwicklung an den Schulen zu leisten. Denn letztendlich gilt: Das Schulklima wird entscheidend durch das Klima im Kollegium und zwischen Leitung und Kollegium bestimmt, und dort, wo das Schulklima stimmt, sind beste Voraussetzungen dafür geschaffen, ein für die Schülerinnen und Schüler förderliches Klima zum Lernen und Erzielen von guten Leistungen bereit zu stellen.“

Kontakt:
Prof. Dr. Reinhold S. Jäger
Zentrum für empirische pädagogische Forschung (zepf) der Universität Koblenz-Landau
Bürgerstraße 23
76829 Landau
Telefon: 06341-280-32175
Fax: 06341-280-32166
E-Mail: jaeger@zepf.uni-landau.de

Media Contact

Bernd Hegen idw

Weitere Informationen:

http://www.zepf.uni-landau.de

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften

Der neueste Stand empirischer und theoretischer Erkenntnisse über Struktur und Funktion sozialer Verflechtungen von Institutionen und Systemen als auch deren Wechselwirkung mit den Verhaltensprozessen einzelner Individuen.

Der innovations-report bietet Ihnen hierzu interessante Berichte und Artikel, unter anderem zu den Teilbereichen: Demografische Entwicklung, Familie und Beruf, Altersforschung, Konfliktforschung, Generationsstudien und kriminologische Forschung.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Medizintechnik-Zulieferer präsentieren sich im Oktober in Shanghai

IVAM-Gemeinschaftsauftritt auf der CMEF Die China International Medical Equipment Fair (CMEF) gilt als führende Medizintechnikmesse im asiatisch-pazifischen Raum. Nach der erfolgreichen Premiere im Frühjahr 2019 präsentiert der IVAM Fachverband für…

Das Quantenecho kommt gleich mehrfach

Ein Forschungsteam aus Garching und Wien entdeckte einen bemerkenswerten Echoeffekt – er bietet spannende neue Möglichkeiten für die Arbeit mit Quanteninformation. Kleine Teilchen können einen Drehimpuls haben, der in eine…

Strategiethema Künstliche Intelligenz

Expertendialog auf nationaler und internationaler Ebene Der September steht bei Carrypicker ganz im Zeichen des Dialoges und Know-how Transfers bei der Realisierung von KI-Lösungen in Deutschland und auf internationaler Ebene….

By continuing to use the site, you agree to the use of cookies. more information

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close