Großprojekt erforscht Lebensqualität benachteiligter Jugendlicher in Europa

2,5 Millionen Euro investiert die Europäische Union in das Forschungsprojekt „SocIEtY“, das am morgigen Freitag (1. Februar) startet. 40 Sozialforscherinnnen und -forscher gehen in vergleichenden Länderstudien der Frage nach, wie Jugendliche selbstbestimmt an der Gesellschaft teilhaben und Entwicklungschancen nutzen können. Koordiniert wird das Großprojekt vom „Bielefeld Center for Education and Capability Research“ (BCA – Bielefelder Zentrum für Handlungsbefähigung und Verwirklichungschancen) der Universität Bielefeld.

Im Projekt arbeiten 13 Partner aus elf europäischen Ländern daran, innovative soziale und institutionelle Möglichkeiten zu entwickeln, um die Lebensqualität der betroffenen Jugendlichen zu verbessern.
SocIEtY steht für „Social Innovation – Empowering the Young for the Common Good“ (Soziale Innovation – Stärkung junger Menschen für die Teilhabe am Gemeinwohl). Die Forscherinnen und Forscher arbeiten in ihren Analysen mit dem gerechtigkeitstheoretischen Befähigungsansatz (Capability Approach), der klären soll, was junge Menschen aus ihrer Sicht für ein gutes und gelingendes Leben benötigen. „Die Anzahl der jungen Europäer, die sozial benachteiligt sind steigt kontinuierlich. Hier will das Projekt mit neuen Forschungsansätzen die entscheidenden Sozialmechanismen aufdecken, die für diese Situation bestimmend sind,“ sagt Professor Dr. Hans-Uwe Otto von der Fakultät für Erziehungswissenschaft der Universität Bielefeld. Er ist Sprecher des BCA und koordiniert SocIEtY wissenschaftlich und organisatorisch gemeinsam mit Dr. Alkje Sommerfeld, ebenfalls Angehörige des BCA und der Fakultät für Erziehungswissenschaft.

Die 13 Forscherteams beobachten die Lebenssituation von jungen Menschen zwischen 15 und 24 Jahren und befragen sie zu ihren Erwartungen und Vorstellungen über ein gelungenes Leben – insbesondere hinsichtlich Arbeit und Bildung. „Dabei geht es uns vor allem um die Aspekte gesellschaftliche Partizipation und Gleichberechtigung“, sagt Dr. Alkje Sommerfeld. In dem Großprojekt wird erhoben, wie sich die Lebensqualität dieser Jugendlichen in Europa unter den politischen, sozialen und kulturellen Gegebenheiten entwickelt. Dabei geht es zentral auch immer um die Frage, welche Möglichkeiten der sozialen Unterstützung und politischer Selbstbestimmung erwartbar sind.

Der innovative Forschungsprozess bindet Jugendliche aktiv ein, beispielsweise durch reflexive Gruppeninterviews und interaktive Videoarbeit in gemeinsam gestalteten Workshops. Jugendliche sollen in die Lage versetzt werden, mit ihren Interessen von Entscheidungsträgern in Politik, Verwaltung und Wirtschaft gehört und berücksichtigt zu werden. „Für Entscheidungsträger in Politik und Verwaltung dürften die Ideen und Wünsche der Jugendlichen Herausforderungen darstellen und sie zu notwendigen Korrekturen zwingen“, so Professor Otto. „Das Projekt ist das erste seiner Art in der EU. Es leistet einen zentralen Beitrag zur Neuausrichtung der europäischen Jugendpolitik, in der es darum geht, die Fähigkeit zum selbstbestimmten Handeln mit gesellschaftlichen Chancen zu verbinden.“

Das Projekt läuft von 2013 bis 2016. Beteiligt sind unter anderem die Universita Degli Studi Di Pavia in Italien, die Edinburgh Napier University in Großbritannien und die Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt (FORBA) in Österreich.

Kontakt:
Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hans-Uwe Otto, Universität Bielefeld
Fakultät für Erziehungswissenschaft / Bielefeld Center for Education and Capability Research
Telefon: 0521 106-3308
E-Mail: hansuwe.otto@uni-bielefeld.de

Dr. Alkje Sommerfeld, Universität Bielefeld
Fakultät für Erziehungswissenschaft / Bielefeld Center for Education and Capability Research
Telefon: 0521 106-67295
E-Mail: euprojects_otto@uni-bielefeld.de

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Jörg Heeren idw

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