Erziehungswissenschaftler erforschen Fremd- und Selbstbilder von Ferntouristen

Zuvor erarbeitete Fragestellungen bilden dabei die Grundlage der Leitfadeninterviews, die in dem westafrikanischen Land Mali mit Einheimischen (Dogon) und Individualtouristen geführt und danach ausgewertet werden.

Seit 1998 untersucht Prof. Schäfer, Professor für Systematische Erziehungswissenschaft der MLU, mit Studierenden den afrikanischen Raum in Tansania, Benin und Mali unter verschiedenen bildungstheoretischen und bildungsethnologischen Aspekten. Vor einigen Jahren erforschten er und sein Team die Geschlechterverhältnisse der Dogon in Mali.

Dabei kamen sie vor Ort häufig auch mit Individualtouristen zusammen und stellten sich dabei die Frage, was diese eigentlich von den Dogon oder anderen afrikanischen Einwohnern und deren Lebensweise, Sitten und Gebräuchen mitbekämen. Aus der Frage wurde ein ganzer Fragenkomplex, und dieser führte letztendlich zur Beantragung des jetzigen Projekts bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

Seit Januar 2007 erforschen Prof. Schäfer und sein Team, wie Individualtouristen im direkten Kontakt mit 'fremden Kulturen' das Verhältnis von Eigenem und Fremdem konstruieren. Gleichzeitig untersuchen sie, wie Einheimische, darunter Touristenführer, Besitzer kleiner Hotels, normale Männer und Frauen, im Kontakt mit den Touristen ihr Verhältnis von Eigenem und Fremdem konstruieren. „Dabei wird eine doppelte Problematik zum Ausgangspunkt genommen: Einerseits sind dem Verstehen des Fremden Grenzen gesetzt und andererseits benennt das Konzept der 'Kultur' nicht das 'Wesen' eines fremden oder eigenen Selbstverständnisses“, erklärt der Pädagoge den Forschungsansatz seines Projekts. „Mit Hilfe dieses Konzepts werden Eigenes und Fremdes erst in ein Verhältnis gesetzt, wird im Hinblick auf das Fremde erst Sagbares und Unzugängliches unterschieden.“

Die vermutlich heterogenen Entwürfe des Verhältnisses von Eigenem und Fremdem der Individualtouristen werden daraufhin befragt, inwieweit in ihnen eine Ordnung zu erkennen ist. Danach werden die Entwürfe mit den entsprechenden Entwürfen der Dogon verglichen. „Abschließend ist dann zu fragen, auf welche Weise von interkulturellem Kontakt oder gar von Bildungsprozessen gesprochen werden kann“, sagt Prof. Schäfer. Das Forschungsprojekt endet nach einer Verlängerung im Juni 2010.

Prof. Dr. Alfred Schäfer studierte und promovierte an der Pädagogischen Hochschule Köln. Während seiner anschließenden Tätigkeit als Bildungsreferent in einem Jugendverband gründete er einen Arbeitskreis 'Dritte Welt' und betreute erste Projekte in Tansania. 1988 habilitierte er an der Universität Lüneburg. Seit 1993 lehrt und forscht er am Institut für Pädagogik der MLU, dessen Direktor er ist. Von 2003 bis 2006 war er Dekan des Fachbereichs Erziehungswissenschaften.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Alfred Schäfer
Telefon: 0345 55 23780
E-Mail: alfred.schaefer@paedagogik.uni-halle.de

Media Contact

Carsten Heckmann idw

Weitere Informationen:

http://www.uni-halle.de

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