Neue Paartherapie nach einem Seitensprung

Wenn der Partner eine Affäre hatte: Neue Paartherapie nach einem Seitensprung zeigt nachweisbare Erfolge

Die Folgen eines Seitensprungs sind für ein Paar fast immer gravierend und mit schweren psychischen Belastungen verbunden. Therapieversuche galten in diesem Zusammenhang bislang als wenig Erfolg versprechend. Erste Ergebnisse einer Pilotstudie in der Christoph-Dornier-Stiftung in Braunschweig sind dagegen ermutigend: Bei den meisten Paaren lässt sich jetzt feststellen, dass die Folgen einer Affäre für die Betroffenen, wie Depressivität und Ängstlichkeit, deutlich vermindert werden konnten.

„Unsere Erfahrungen in Braunschweig zeigen, dass diejenigen Paare, die sich konsequent auf die Schritte in der ersten Behandlungsphase einlassen, mit einer hohen Wahrscheinlichkeit im weiteren Therapieverlauf wieder Vertrauen aufbauen und allmählich Schwachstellen in der Beziehung aufdecken und verändern können“, so Dr. Christoph Kröger, Leiter der Christoph-Dornier-Stiftung für Klinische Psychologie an der Technischen Universität Braunschweig. Insgesamt 13 Paare wurden bzw. werden seit Mai dieses Jahres im Rahmen der Pilotstudie behandelt. Zwei Paare brachen die Therapie ab. Acht Paare der Kontrollgruppe werden derzeit kontaktiert. „Kürzlich haben wir ein Paar, das wir behandeln, Hand in Hand und sehr verliebt in der Stadt gesehen. Das freut uns natürlich sehr“, berichtet Kröger lächelnd.

Im Normalfall führen Affären allerdings zu schweren Zerwürfnissen in der Beziehung. „Stellen Sie sich einmal vor, dass Ihre Partnerin oder Ihr Partner Ihnen eröffnet, dass sie oder er seit einiger Zeit eine Affäre hat. Wer hat nicht unmittelbar das Gefühl von tiefer Verletzung, Enttäuschung, Hilflosigkeit oder möglicherweise Wut?“, erläutert der Psychologe. Nach einer Affäre zeigen häufig beide Partner Symptome, wie sie nach dem Erleben einer Naturkatastrophe oder eines Verkehrsunfalls auftreten können. Die bisherigen Annahmen über die Beziehung, über den Partner und sich selbst sind zerbrochen. Innere Bilder und Szenen tauchen im Kopf auf, wie der Partner sich mit der dritten Person vergnügt. Beide Partner leiden häufig unter Schuldgefühlen, Angst oder Panik: „Wenn ich eine fremde Telefonnummer auf seinem Handy entdecke, dann bricht wieder alles auf, obwohl das Ganze schon ein halbes Jahr zurückliegt“, berichtet eine Betroffene. Endlose Streitgespräche vergiften zusätzlich die Beziehung.

Einer aktuellen repräsentativen Befragung von 2.500 Paaren zufolge war bei 30 Prozent einer der Partner untreu, in weiteren zehn Prozent haben sich beide auf eine Außenbeziehung eingelassen. Viele dieser Paare suchen Hilfe und Unterstützung, indem sie eine Paarbehandlung aufnehmen. Allerdings scheinen bisherige Behandlungen nur wenig zur Verbesserung beizutragen. Aufgrund dessen wurde in den USA eine neue Paartherapie für Paare mit einer Außenbeziehung entwickelt. Die ermutigenden Ergebnisse können jetzt auch von den Braunschweiger Wissenschaftlern bestätigt werden. Voraussetzung der Behandlung ist, dass die Außenbeziehung aufgegeben wird und beide Partner Zeit und Bereitschaft mitbringen, therapeutische Aufgaben zu Hause durchzuführen. Dann können beide Partner in relativ kurzer Zeit lernen, einander zu vergeben und die Partnerschaft auf ein neues Fundament zu stellen.

Über die Christoph-Dornier-Stiftung:

Die Christoph-Dornier-Stiftung (CDS) für Klinische Psychologie ist eine gemeinnützige Stiftung. Ihr verfassungsgemäßes Ziel ist die Förderung der Klinischen – heilbehandelnden – Psychologie in Praxis und Forschung. Die Aufgabenschwerpunkte der Christoph-Dornier-Stiftung liegen in den Bereichen Therapie, Forschung und Öffentlichkeitsarbeit. Schwerpunkte des Braunschweiger Instituts der CDS sind die Prävention von Beziehungsstörungen und kindlichen Verhaltensstörungen sowie und die Paar- und Familientherapie.

Kontakt für die Medien:

Dr. Christoph Kröger, Kristin Plack, Melanie Vonau
Christoph-Dornier-Stiftung Institut Braunschweig
Konstantin-Uhde-Straße 4
38106 Braunschweig
Tel: 0531/391-2865
E-Mail: cds@tu-braunschweig.de

Media Contact

Dr. Elisabeth Hoffmann idw

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