Mehr Wachstum durch bevölkerungsorienterte Familienpolitik

BDI, IW Köln und Bundesministerium legen gemeinsames Strategiepapier vor

Der demographische Wandel stellt die Familienpolitik in Deutschland vor neue Herausforderungen. Aufgabe einer nachhaltigen Familienpolitik ist es, auch bevölkerungspolitische Aspekte aufzunehmen. Langfristige Erfolge sind nur mit einem ’’Politik-Mix’’ aus Wirtschafts-, Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik und betrieblicher Personalpolitik zu erwarten. Das sind die zentralen Ergebnisse des gemeinsamen Symposiums ’’Wachstumsfaktor bevölkerungsorientierte Familienpolitik’’ des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) und des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) heute in Berlin.

Bundesministerium, BDI und IW Köln legten ein gemeinsames Strategiepapier vor. Darin werden die positiven Auswirkungen einer höheren Geburtenrate auf den wirtschaftlichen und sozialen Wohlstand Deutschlands beschrieben und konkrete Handlungsfelder benannt, die aus der demographischen Krise herausführen können. Als zentrales Problem wird in dem Papier der absehbare Rückgang des Arbeitskräfteangebotes hervorgehoben, der sich negativ auf das Wirtschaftswachstum in Deutschland auswirkt.

Die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Renate Schmidt, hob hervor: ’’Mit einer nachhaltigen, bevölkerungsorientierten Familienpolitik wollen wir einen Trend zu mehr Kindern anstoßen. Bevölkerungsorientierung bedeutet nicht, dass Menschen Kinder bekommen sollen, die sie sich nicht wünschen – sondern sie dient dazu, dass Menschen ihre vorhandenen Kinderwünsche verwirklichen können. Das Beispiel Deutschland hat gezeigt, dass reine Transferleistungen ohne eine generelle Verbesserung der Infrastruktur hinsichtlich der Geburtenentwicklung wirkungsschwach sind. Deshalb haben wir einen Strategiewechsel eingeleitet: Weg von der Fixierung auf immer mehr Geldleistungen hin zu einer Familienpolitik besserer Infrastrukturen, begleitet von einer neu zentrierten finanziellen Förderung und einer familienfreundlichen Unternehmenskultur.’’

Nach Ansicht von BDI-Präsident Michael Rogowski müsse das heutige Erwerbspotenzial besser ausgeschöpft werden. ’’Die Unternehmen sind auf die sehr gute Qualifikation der Frauen angewiesen. Berufstätige Frauen müssen sich häufig nach der Geburt eines Kindes für längere Zeit aus dem Berufsleben verabschieden oder aber sie verzichten ganz auf Nachwuchs, weil eine Kombination von Kind und Beruf nicht möglich erscheint. Hier ist auch die Wirtschaft aufgefordert, flankierende Maßnahmen zu ergreifen, um Familie und Beruf zu vereinbaren. Flexible Arbeitszeitmodelle, Wiedereinstiegsprogramme nach der Elternzeit und Betriebskindergärten können hier helfen und werden bereits schon in der betrieblichen Praxis angeboten.’’

Der IW-Direktor Prof. Hüther betonte, dass durch einen Ausbau der Kinderbetreuung die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gefördert werden könne. ’’Dadurch werden zwei Ziele gleichzeitig erreicht: Müttern wird die Möglichkeit gegeben, trotz der Kindererziehung einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Gleichzeitig werden durch den Besuch einer Kinderbetreuungseinrichtung familiär bedingte Bildungsunterschiede der Kinder verringert und die Chancengerechtigkeit verbessert. Damit wird die Wissensbasis für die Zukunft verbreitert und der Zugang von Akademikerinnen zum Arbeitsmarkt trotz Familiengründung verbessert.’’

BDI, IW Köln und Bundesministerium sehen fünf zentrale Handlungsfelder, an denen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gemeinsam ansetzen müssen:

1) Kinderbetreuung ausbauen

Der Ausbau der Kinderbetreuung hilft, das Spannungsverhältnis zwischen Beruf und Familie aufzulösen und könnte Frauen und Männer dazu motivieren, nach der Elternzeit wieder schneller in den Beruf zurückzukehren. Eine gut ausgebaute Kinderbetreuung auch für die unter Dreijährigen ist ein wichtiger Standortfaktor.

2) Kinder früh fördern

Die frühe Förderung von Kindern ist eine entscheidende Wachstumsgröße. Neben dem quantitativen Ausbau der Kinderbetreuung gewinnt deshalb auch der qualitative Ausbau eine große Bedeutung. Die Lehrinhalte müssen stärker als bisher in den Focus des öffentlichen Interesses rücken.

3) Finanzielle Förderung effizienter einsetzen

Aus wirtschaftspolitischer sowie aus bevölkerungsorientierter Sicht ist eine schnelle Rückkehr von Müttern und Vätern in den Beruf wünschenswert. Denn in Ländern mit guten Kinderbetreuungsangeboten und einer hohen Erwerbstätigkeit von Müttern liegt auch die Geburtenrate höher. Ein Elterngeld nach skandinavischem Vorbild trägt dazu bei, den Verdienstausfall abzufedern und die Entscheidung für Kinder zu erleichtern.

4) Unternehmenspolitik familienorientiert gestalten

Eine zukunftsorientierte Personalpolitik ist familienfreundlich und bringt für Unternehmen betriebswirtschaftliche Vorteile, Wettbewerbs- und Standortvorteile. Eine familienorientierte Unternehmenspolitik leistet einen wichtigen Beitrag für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie und damit auch für eine weitere Erhöhung der Frauenerwerbsquote.

5) Familienfreundliche Initiativen vor Ort unterstützen

Die Aktivitäten kommunaler Akteure vor Ort tragen entscheidend dazu bei, Deutschland familienfreundlicher zu gestalten. Die Initiative ’’Lokale Bündnisse für Familie’’ zeigt, welche Potenziale hier aktiviert werden können.

Kontakt:

Thomas Hüne, Bundesverband der Deutschen Industrie, Tel.: (030) 2028 1449

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BMFSFJ - Pressereferat

Weitere Informationen:

http://www.bmfsfj.de http://www.bdi.de

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