Globaler Marshall Plan der Menschlichkeit – für den Umbau der Weltwirtschaft

Weil es die große Politik bislang nicht geschafft hat, die vielfältigen Probleme unseres Planeten in einer konzertierten Aktion anzugehen, meldet sich jetzt eine neue Initiative zu Wort.

Die Zeitschrift natur+kosmos stellt in ihrer Augustausgabe den Global Marshall Plan vor. Zahlreiche Nicht-Regierungsorganisationen, wie der Club of Budapest und der Club of Rome sowie diverse Wirtschaftsverbände wie B.A.U.M. haben sich zusammen getan, um gemeinsam einen Marshall-Plan für die Erde auf den Weg zu bringen. Es geht um nicht weniger als den Umbau der Weltwirtschaft.

Bis zum Jahr 2015 soll die Anzahl jener Milliarde Menschen, die hungern und keinen Zugang zu sauberem Wasser haben, halbiert werden. Zudem soll die Kindersterblichkeit um ein Drittel gesenkt und allen Mädchen und Jungen der Besuch der Grundschule ermöglicht werden. Schließlich wollen die Initiatoren globale Trends umkehren – vom hemmungslosen Ressourcenverbrauch über die wachsende Schere zwischen Arm und Reich bis hin zur epidemischen Ausbreitung von Aids und Malaria.

Die Initiative fordert nun die Industriestaaten auf, ihre Entwicklungshilfeausgaben zu verdoppeln. Geplant sind außerdem zusätzliche Steuern. In der Anfangsphase braucht das ehrgeizige Projekt rund 120 Milliarden Dollar pro Jahr, um den Einstieg in eine weltweite ökosoziale Markwirtschaft zu erreichen.

Marshall-Plan? Für die Nachkriegsgeneration war der Name George Marshall fast so etwas wie ein Synonym für den Weihnachtsmann. Denn der Ökonomieprofessor der Universität Harvard hatte am 5. Juni 1947 einen Entwicklungshilfeplan für das vom Krieg zerstörte Europa aus der Taufe gehoben. Fast zwölf Milliarden Dollar stellten die amerikanischen Steuerzahler zwischen 1948 und 1952 zur Verfügung, um den Aufbau einer friedlichen, stabilen, demokratischen und wirtschaftlich prosperierenden Völkergemeinschaft auf dem alten Kontinent zu garantieren. Das beispiellose Hilfspaket wurde zum vollem Erfolg: zerstörte Industrieanlagen wurden wieder aufgebaut, der Außenhandel boomte, die politische wie ökonomische Integration verfeindeter Völker gelang, die Inflation war unter Kontrolle. Aus der Hölle des Krieges wuchs das Wirtschaftswunder. Europa blühte, George Marshall erhielt den Friedensnobelpreis, und Amerika galt für Jahrzehnte als lieber großer Bruder.

Und heute – brauchen wir wieder einen globalen Marshall-Plan? Sind wir denn im Krieg? Wer genau hinschaut, erkennt: Er ist zwar in keinem Geschichtsbuch erwähnt und tobt trotzdem seit Jahrzehnten: Der Krieg gegen die Natur. Zwar wird nicht scharf geschossen, aber die Zahl der Opfer ist längst so groß wie bei klassischen internationalen Konflikten. Millionen von Menschen sind schon ertrunken, verhungert oder verdurstet, weil das Weltklima zunehmend aus den Fugen gerät; zahllose Versehrte dieses Krieges leben als Allergiker und Opfer von Zivilisationskrankheiten unter uns. Längst sind ganze Völker auf der Flucht. 58 Prozent
aller Flüchtlinge weltweit – so das Internationale Rote Kreuz – sind Umweltflüchtlinge.

Statt vom Völkermord spricht man von Genozid oder gar von Biozid, weil tagtäglich Arten für immer vom Erdboden getilgt werden. Es geht um das Überleben unseres Planeten. Die Erde mag grün erscheinen – doch die Folgen dieses Krieges sind für jeden sichtbar: saure Böden, kranke Wälder, radioaktiv verstrahlte Regionen, chemische Gifte überall zwischen Nord- und Südpol. Die Analogie zum letzten großen Krieg ist also nicht ganz von der Hand zu weisen. „Wenn wir so weitermachen wie bisher“, sagt der Philosoph und Mitbegründer des Global Marshall Plan, Ervin Laszlo, „werden wir die gegenwärtige Ordnung nur noch 15 Jahre aufrecht erhalten können. Dann werden sich die Krisen häufen. Wir müssen jetzt handeln.“ Doch dieses Mal soll sich nicht nur Europa wie Phoenix aus der Asche erheben, sondern der ganze blaue Planet.

Media Contact

Dr. Inge Pröll natur+kosmos

Weitere Informationen:

http://www.natur.de

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