Zuwanderung mit Punktesystem steuern

Zudem sind sie in den klassischen Einwanderungsländern im Durchschnitt auch deutlich besser ausgebildet als die Bevölkerung ihrer Herkunftsländer. Die Zuwanderer in Deutschland verfügen dagegen sogar über niedrigere Bildungsabschlüsse als ihre Landsleute daheim.

Die Arbeitsmarktforscher Herbert Brücker und Sebastian Ringer schlagen vor, die Zuwanderung in Deutschland wie in Kanada, Australien und den USA mit einem Punktesystem zu steuern.

In Deutschland hat nur ein Viertel der ausländischen Bevölkerung über 25 einen hohen Schulabschluss mit 13 Jahren Schulzeit. In den klassischen Einwanderungsländern ist ihr Anteil doppelt so hoch. Der Studie zufolge ist die geringere Qualifikation der ausländischen Bevölkerung in Deutschland bis heute davon geprägt, dass bei der Anwerbung von Gastarbeitern in den 60er und 70er Jahren gezielt Arbeitskräfte mit niedriger Qualifikation gesucht wurden.

Migranten kommen verstärkt aus Ländern mit geringen Bildungsinvestitionen

1970 stammten noch zwei Drittel der in Deutschland lebenden Migranten aus den 15 Staaten, die bis 2004 die EU gebildet haben. 2007 ist dieser Anteil auf weniger als ein Drittel gesunken. Gleichzeitig ist die Zahl der Einwanderer aus Ländern mit einem deutlich geringeren Pro-Kopf-Einkommen wie der Türkei, den Ländern auf dem Balkan und den osteuropäischen Ländern gestiegen.

Brücker und Ringer prognostizieren, dass Migranten künftig immer stärker aus Regionen mit geringen Bildungsinvestitionen kommen werden. „Die Qualifikationsstruktur der ausländischen Bevölkerung wird deshalb künftig davon abhängen, in welchem Umfang es gelingt, Zuwanderer mit höheren und mittleren Bildungsabschlüssen auch aus diesen Ländern zu gewinnen“, schreiben die Autoren der Studie.

Arbeitsmarktforscher für eine gezielte Steuerung der Einwanderungspolitik

Die Arbeitsmarktforscher weisen darauf hin, dass der wichtigste Faktor für die Qualifikationsstruktur der Zuwanderer die Einwanderungspolitik sei. Die Bildungsabschlüsse der Einwanderer seien deutlich höher, wenn die Zuwanderung nach diesem Kriterium gesteuert wird. „Die Zuwanderung könnte wie in Kanada, Australien und den USA nach einem Punktesystem gesteuert werden, das neben den Bildungsabschlüssen auch Berufserfahrung und das Lebensalter berücksichtigt“, schlagen Brücker und Ringer vor.

Allerdings würde auch bei einer stark veränderten Einwanderungspolitik die Qualifikation der Migranten in Deutschland erst mittel- und langfristig spürbar steigen. Wollte man die Qualifikationsstruktur der Bevölkerung mit Migrationshintergrund rasch beeinflussen, wäre es erforderlich, den Umfang der Zuwanderung deutlich zu erhöhen.

Die IAB-Studie kann unter http://doku.iab.de/kurzber/2008/kb0108.pdf abgerufen werden.

Media Contact

Wolfgang Braun idw

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften

Der neueste Stand empirischer und theoretischer Erkenntnisse über Struktur und Funktion sozialer Verflechtungen von Institutionen und Systemen als auch deren Wechselwirkung mit den Verhaltensprozessen einzelner Individuen.

Der innovations-report bietet Ihnen hierzu interessante Berichte und Artikel, unter anderem zu den Teilbereichen: Demografische Entwicklung, Familie und Beruf, Altersforschung, Konfliktforschung, Generationsstudien und kriminologische Forschung.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Eine optische Täuschung gibt Einblicke ins Gehirn

Yunmin Wu erforscht, wie wir Bewegung wahrnehmen können. Inspiriert durch ein Katzenvideo, kam sie auf die elegante Idee, die Wasserfall-Illusion in winzigen Zebrafischlarven auszulösen. Im Interview erzählt die Doktorandin vom…

Globale Analyse über effektive und topographische Wassereinzugsgebiete

Forschende legen erste globale Analyse vor, wie effektive und topographische Wassereinzugsgebiet voneinander abweichen Topographisch skizzierte Wassereinzugsgebiete sind eine räumliche Einheit, die sich an den Formen der Erdoberfläche orientieren. In ihnen…

Strukturbiologie – Das Matrjoschka-Prinzip

Die Reifung der Ribosomen ist ein komplizierter Prozess. LMU-Wissenschaftler konnten nun zeigen, dass sich dabei die Vorläufer für die kleinere Untereinheit dieser Proteinfabriken regelrecht häuten und ein Hüllbestandteil nach dem…

By continuing to use the site, you agree to the use of cookies. more information

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close