Der Klimawandel verändert den Wald

Wenn der Klimawandel die Wachstumsbedingungen für Schweizer Wälder verändert, wirkt sich dies auch auf die Forstwirtschaft aus. Denn damit der Wald die vom Menschen erwarteten Leistungen wie Holzproduktion, Biodiversität oder Schutz vor Naturgefahren erfüllen kann, müssen Forstleute und Waldeigentümer lenkend eingreifen. Christian Küchli vom BAFU, Mitglied des Steuerungsausschuss des Forschungsprogramms, erwartet von den derzeit geförderten 25 Forschungsprojekten robuste Resultate, die für die künftige Waldpolitik der Schweiz wichtig sind: „Anpassungen an den Klimawandel werden mit grosser Wahrscheinlichkeit notwendig sein und etwas kosten“, sagt der Forstingenieur.

Mehr Eichen, weniger Fichten im Mittelland

Niklaus Zimmermann von der WSL ist den einzelnen Baumarten mit einer so genannten Potenzialprognose auf der Spur. Er versucht, auf der Basis von sechs unterschiedlichen Klimamodellen für die kommenden Jahrzehnte die mögliche Verbreitung der häufigsten Baumarten in der Schweiz zu modellieren. „Während Eichenarten und Kirschbaum geeignetere Bedingungen vorfinden werden, müssen wir davon ausgehen, dass andere Laubbäume wie Buche und Bergahorn in tiefen Lagen seltener werden. Unter den Nadelbäumen wird vor allem die Waldföhre häufiger werden“, sagt Zimmermann. Die Fichte, zurzeit der Brotbaum der einheimischen Forstwirtschaft, dürfte im Mittelland bald an ihre physiologische Grenze kommen. Sie wird unter Trockenperioden leiden und anderen Baumarten Platz machen müssen. Zusammen mit Buche und Tanne wird sie sich in höhere, feuchtere Gebiete zurückziehen.

Wärmebilder aus Baumkronen

Christian Körner von der Universität Basel hat mit seinem Team im Rahmen des Forschungsprogramms vom Helikopter aus mit einer Wärmebildkamera die Temperaturen verschiedener Baumarten im Kronenbereich gemessen. Seine Ergebnisse zeigen, dass einige Baumarten mit dem verfügbaren Wasser in Trockenperioden sparsamer als andere umgehen und so ihren Stoffwechsel länger aufrecht erhalten können. Er erwartet, dass Wasser sparende Baumarten, darunter die Eiche, in Zukunft vor allem auf trockenen Böden besser gedeihen als zum Beispiel Ahorn und Linde, die viel Wasser verbrauchen. Und was bedeutet dies langfristig? „Die Türen sind offen für eine Migration in höhere Lagen“, sagt Körner. Dies wird auch die Buche betreffen, die zweithäufigste Baumart im Schweizer Wald. Sie wird in hundert Jahren sicher mehr im Gebirge anzutreffen sein als heute.

Dass es bereits in den letzten Jahren trockener wurde, zeigen die Berechnungen von Jan Remund (Meteotest). Er berechnete grossflächig mehrere Trockenstress-Indizes für alle Waldstandorte in der Schweiz. Seine Modellierungen zeigen zwischen 1976 bis 2010 im Mittel aller Standorte einen leichten Trend zunehmender Trockenheit. Mehr Wärme und Trockenheit, das bedeutet vor allem im Tessin und im Wallis mehr Waldbrände. Um diese noch besser vorhersagen zu können, entwickelt Marco Conedera, WSL, zusammen mit Fachleuten aus den Nachbarländern einen Feuerwetterindex. Dieser soll – erstmals für die Alpenregion – aufzeigen, unter welchen meteorologischen Bedingungen die Feuergefahr am grössten ist. Die Forschenden streben eine gemeinsame Gefahrenskala für Waldbrand im Alpengebiet an, ähnlich wie bei der Lawinenwarnung.

Waldpflege für mehr Lawinenschutz

Am Beispiel des Saastals (Wallis) verdeutlicht Harald Bugmann von der ETH Zürich auf der Basis von Modellrechnungen, wie sich Waldzustand und Baumartenzusammensetzung im Gebirge kleinräumig verändern werden. Im ohnehin warmen und trockenen Talboden erwartet er nach 2050 weniger Wald und eine kleinere Baumartenvielfalt, in höheren Hanglagen hingegen artenreichere und dichtere Wälder, die mehr Holz produzieren als heute. „In mittleren Höhenlagen dürfte der Wald weniger gut vor Lawinen schützen als heute“, sagt der Waldökologe. Darum empfiehlt er den Forstdiensten dort schon jetzt, arten- und strukturreichere Wälder zu schaffen.

Wissen in den Wald bringen

Für Peter Brang von der WSL, den Leiter des Forschungsprogramms „Wald und Klimawandel“, steht im Vordergrund, dass dieses Ergebnisse liefert, welche die Forstleute in die Praxis umsetzen können. „Ganz wichtig sind regelmässige Gespräche, damit wir die Bedürfnisse der Waldwirtschaft und die Möglichkeiten der Forschung auf einen gemeinsamen Nenner bringen können“, sagt Brang. Ueli Meier, Kantonsoberförster beider Basel bringt es zum Schluss des Statusseminars in wenigen Worten auf den Punkt: „Es muss uns gelingen, das neue Wissen in den Wald zu bringen“. Als Mitglied des Steuerungsausschusses des Forschungsprogramms hat er die Möglichkeit, dies zu unterstützen.

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Reinhard Lässig idw

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