Der Pelosol ist der Boden des Jahres 2022

Pelosol: Lackprofile und Fotos
Prof. Dr. Karl-Heinz Feger, Deutsche Bodenkundliche Gesellschaft

Seit 2005 wird alljährlich einem ausgewählten Bodentyp der Titel „Boden des Jahres“ verliehen. Verantwortlich dafür ist das Kuratorium für den Boden des Jahres, hinter dem die Deutsche Bodenkundliche Gesellschaft (DBG, eine der Trägerorganisationen der GeoUnion), der Bundesverband Boden (BVB) sowie der Ingenieurtechnische Verband für Altlastenmanagement und Flächenrecycling (ITVA) stehen. Boden des Jahres 2022 ist der Pelosol, ein schwerer Tonboden, der einerseits mäßig fruchtbar, andererseits aber auch schwer zu bearbeiten ist. Der Initiative „Boden des Jahres“ geht es vor allem darum, der Öffentlichkeit die große Bedeutung des Bodens für das Leben auf der Erde bewusst zu machen.

Die Menschheit lebt ganz entscheidend vom Boden. Diese oberste Erdschicht, in der sich Gestein, Wasser, Luft und die Biosphäre wechselseitig durchdringen, bildet den wesentlichen Lebensraum für Tiere und Pflanzen und produziert unsere Nahrungsmittel. Dabei ist sie in vielerlei Weise bedroht: durch Überbauung, Erosion, Schadstoffbelastung und viele weitere Schädigungen. Dieser entscheidenden Rolle des Bodens für das Leben und das Überleben der Menschheit sind wir uns – als Konsumenten, als Bauherren, als Spaziergänger oder als Touristen – in der Regel nicht bewusst, und Verlust und Bedrohung des Schutzgutes „Boden“ nehmen wir nicht wahr. Dies und die Vielfalt der Böden, die sich auf unterschiedlichem Gesteinsuntergrund entwickelt haben, will die Aktion ‚Boden des Jahres‘ vermitteln.

Der Boden des Jahres wird jedes Jahr um den 5. Dezember, den Weltbodentag, verkündet. Zumeist findet die Auftaktveranstaltung in der Berliner Landesvertretung des Bundeslandes statt, das die Schirmherrschaft für den Boden des Jahres hat. Nachdem für das Jahr 2022 und damit für den Pelosol das Land Baden-Württemberg die Schirmherrschaft übernommen hatte, fand die Vorstellung des Bodens des Jahres 2022 am 3. Dezember 2021 in der Vertretung des Landes Baden-Württemberg in Berlin statt. In der ganztägigen Veranstaltung wurde der Pelosol in mehreren Vorträgen, darüber hinaus auch in kurzen Videos, aus unterschiedlicher Perspektive gewürdigt. Das Landesamt für Geologie, Bergbau und Rohstoffe, der Geologische Dienst Baden-Württembergs, hatte in der Vorbereitung für das Jahr des Pelosols einen Tonboden im württembergischen Schönbuch aufgegraben, ein Jahr lang sorgfältig untersucht und die Ergebnisse nicht nur zu einem informativen Vortrag zusammengefasst, sondern auch einen höchst lehr- und abwechslungsreichen Film dazu erstellt.

Der Pelosol (griechisch für ‚Tonboden‘) zeichnet sich dadurch aus, dass unter der obersten Bodenschicht, dem humusreichen B-Horizont, ein in der Regel mächtiger Tonhorizont liegt, dessen Tonmineralbestandteile – die feinsten mineralischen Bestandteile im Boden – bei Feuchtigkeit Wasser aufnehmen und ein Aufquellen des Bodens bewirken. Wenn der Boden dann wieder trocknet, gibt er das gespeicherte Wasser wieder ab und schrumpft, was zu Trockenrissen führt. Durch dieses abwechselnde Quellen und Schrumpfen wird das tonige Material ständig durchgeknetet, von oben eingetragener Humus und Nährstoffe werden eingearbeitet, es entstehen die charakteristischen Polyeder oder auch prismenförmige Gebilde mit senkrechten Schrumpfrissen. Dieser Durchmischungsprozess wird Peloturbation genannt, der Tonhorizont deshalb auch P-Horizont. Weil die Pelosole nur bei einem bestimmten Maß an Durchfeuchtung gut zu bearbeiten sind, heißen sie auch „Minutenböden“ (wobei die Beschränkung der Bearbeitungsfähigkeit auf Minuten etwas übertrieben ist).

Der Pelosol gehört nicht zu den häufigen und weitverbreiteten Bodentypen in Deutschland; er kommt vor allem auf Tongesteinen unterschiedlicher Gesteinsformationen, z.B. des Keupers oder des Unteren und Mittleren Juras, vor, außerdem vereinzelt auf älteren Auenlehmen in Tallagen sowie auf tonigen Verwitterungsprodukten aus vulkanischem Material.

Unterstützt wird die Aktion Boden des Jahres auch vom Umweltbundesamt.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Dr. Christof Ellger

Weitere Informationen:

https://um.baden-wuerttemberg.de/nc/de/service/presse/pressemitteilung/pid/pelos…
https://boden-des-jahres.de/
https://www.dbges.de/de/boden-des-jahres
https://www.hlnug.de/fileadmin/dokumente/boden/boden-infos/Boden_des_Jahres/Bode…

Ausführlich wird der Pelosol hier portraitiert:

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Dr. Christof Ellger Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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