Die Betten neu ausrichten? – Die Erdmagnetische Karte von Deutschland erscheint

Das Erdmagnetfeld, nach dem sich die Kompass-Nadel ausrichtet, wird durch magnetische Störkörper im Untergrund geringfügig verändert. Die dadurch entstehenden Abweichungen sind in der Karte als Anomalien dargestellt.

Die Anomalien weisen Werte zwischen -700 nT* und +1200 nT auf und sind damit um ein Vielfaches kleiner als das normale erdmagnetische Totalfeld, welches hier bei ca. 49000 nT liegt und überall präsent ist.

Es braucht also niemand sein Bett wegen der Anomalien und wegen des Magnetfeldes überhaupt zu verschieben 😉 . Dennoch, die neue Karte wird für die geowissenschaftliche Grundlagenforschung benötigt, denn die dargestellten Anomalien haben ihren Ursprung im Gestein der Erdkruste, so dass sie in enger Beziehung zu geologischen Strukturen stehen. Auch Energieversorger und Erzsucher haben an dieser besonderen Übersichtskarte Interesse.

Und schließlich die Ornithologen der Universität Frankfurt, sie ließen sich schon frühzeitig Kartenausschnitte für ihre Forschungsarbeiten zum Zug von Vögeln geben. Indirekt wird die Karte auch die Kenntnisse über die Tiefe Geothermie erweitern können, denn die Curie-Temperatur von ca. 580°C stellt eine Art Obergrenze für die Magnetisierbarkeit von Gesteinen dar, die etwa in 25 km Tiefe liegt. Sie birgt damit die Chance, Informationen über den Wärmefluss aus der Erde zu gewinnen.

*nT Nano-Tesla, Maß für Stärke des Magnetfelds

Mit wissenschaftlicher Hartnäckigkeit, wie sie für die Kompilation großer Kartenwerke notwendig ist, aber auch mit einer guten Portion Mathematik und Physik, ist es gelungen einen Flickenteppich aus kleinräumigen Einzelergebnissen, Messkampagnen und Befliegungen zu einem nahtlosen Gesamtbild zusammenzufügen. Zusammen mit den Geophysikern des Leibniz-Instituts in Hannover haben die Wissenschaftler der Geophysik GGD mbH, Leipzig, entscheidend zum Entstehen der Karte beigetragen.

Die offizielle Bezeichnung Karte, die demnächst auch im Buchhandel zu erwerben ist, lautet: „Anomalien des erdmagnetischen Totalfeldes in der Bundesrepublik Deutschland 1:1.000.000 (DGRF 1980.0, 1000 m NN)“ Die Autoren sind: Dr. G. Gabriel, D. Vogel, Dr. R. Scheibe. Weitere Beiträge zur Karte erbrachten: Dr. T. Wonik, R. Pucher und Prof. Dr. Krawczyk. Von mehreren Landes- und Bundesbehörden wurden Magnetik- und Topographiedaten für die Gesamtdarstellung beigesteuert: Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe Brandenburg, Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern, Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie, Landesamt für Geologie und Bergwesen Sachsen-Anhalt, Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie, Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Bundesamt für Kartographie und Geodäsie sowie vom Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik.

Die Datenbasis:
Die Grundlage für den homogenisierten Datensatz bilden 67 regionale See-, Boden- und Aeromessungen, die zwischen 1961 und 2008 durchgeführt wurden. Das Kernstück für die westlichen Bundesländer ist die Befliegung durch Prakla-Seismos zwischen 1965 und 1971. Die Messungen in den östlichen Bundesländern wurden durch den VEB Geophysik realisiert. Das LIAG (bzw. seine Vorgängereinrichtungen) hat seit 1985 systematisch ergänzende Messungen selber vorgenommen oder in Auftrag gegeben.
Die Messgeräte:
Zur Messung des Magnetfeldes wurden zunächst Protonenmagnetometer verwendet, heute werden routinemäßig auch Cäsium-Magnetometer in Kombination mit GPS-Positionierung in eigens dafür ausgestatteten Hubschraubern eingesetzt.
Der Ausblick:
Ergänzend zur Karte des Erdmagnetfelds in Deutschlands wird im LIAG auch an einer Schwerekarte (Gravimetrie) im gleichen Maßstab gearbeitet. Diese gibt Auskunft über die Variation in der Erdbeschleunigung („Erdanziehungskraft“). Diese beträgt nicht überall genau 9,81 m/s², sondern wird auch durch die Gesteine im Untergrund geringfügig, aber bis zur achten Nachkommastelle messbar, verändert.
Das Institut:
Das Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik mit Sitz in Hannover, kurz LIAG, ist ein eigenständiges Forschungsinstitut. Es ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft und wird als Einrichtung von überregionaler Bedeutung von Bund und Ländern gemeinsam finanziert.

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