Radarauge sieht bei jedem Wetter

Strahlenden Himmel und Sonnenschein – dieses Wetter lieben nicht nur sonnenhungrige Urlauber oder Besitzer von Solarenergie-Anlagen. Auch für die Arbeit von Geowissenschaftlern, die sich mit Fernerkundung befassen, war bislang ein wolkenloser Himmel eine wichtige Arbeitsvoraussetzung. „Andernfalls zeigten uns Satellitenaufnahmen, die wir für unsere Forschungen nutzen, nichts von der Erdoberfläche sondern lediglich eine Wolkendecke“, sagt Prof. Dr. Christiane Schmullius.

„Doch diese Zeiten sind vorbei“, ist sich die Inhaberin des Lehrstuhls für Fernerkundung an der Friedrich-Schiller-Universität Jena sicher. Denn am 15. Juni startet vom kasachischen Weltraumbahnhof Baikonur aus der deutsche Fernerkundungssatellit „TerraSAR-X“. Dieser gleichermaßen öffentlich wie privat finanzierte Satellit arbeitet per Radar. Seine Instrumente liefern aus 500 Kilometern Höhe hochaufgelöste Bilder von der Erdoberfläche. „Und zwar unabhängig von Tageslicht und bei jedem Wetter“, so Schmullius. Gegenüber bisheriger Satelliten, wie z. B. Envisat, die Aufnahmen mit einer Auflösung von 25 Metern lieferten, ist „TerraSAR-X“ ein echtes Adlerauge: seine Bilder sollen bis auf einen Meter aufgelöst sein.

Dies freut die Jenaer Geografin vor allem deshalb, weil sie und ihre Partner zu den ausgewählten Teams gehören, die die Daten, die „TerraSAR-X“ aus seiner Umlaufbahn zur Erde funken wird, wissenschaftlich als Erste nutzen dürfen. Ihr Projektvorschlag gehört zu den sieben aus 41 Vorschlägen, die das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) dafür ausgewählt hat. Das DLR als Auftraggeber für Entwicklung und Bau des Satelliten ist zuständig für dessen wissenschaftliche Nutzung.

In ihrem Projekt werden die Geografen von der Jenaer Universität eng mit der Welternährungsorganisation (FAO) der Vereinten Nationen zusammenarbeiten. „Diese Organisation veröffentlicht seit 1946 in Abständen von fünf bis zehn Jahren einen Bericht zum weltweiten Waldbestand“, weiß Prof. Schmullius. Das Wissen um die globalen Waldressourcen ist dabei sowohl von wissenschaftlichem als auch von wirtschaftlichem Interesse. So regulieren die Wälder den Kohlendioxidgehalt in unserer Atmosphäre und nehmen entscheidenden Einfluss auf das Klima. „Aber auch um den Bedarf und die Ressourcen für die Nutzung von Holz etwa im Bereich der Papier- oder Möbelherstellung abzuschätzen, sind solche Daten wichtig“, weiß Prof. Schmullius.

Bisher basiert die Statistik der FAO jedoch ausschließlich auf den Daten, die die nationalen Forstbehörden der Organisation melden, wobei es sich nicht um geografisch lokalisierbare statistische Angaben handelt. Für Validierungszwecke müssen jedoch Kartierungen herangezogen werden. In tropischen sowie borealen Bereichen sind diese mit optischen Daten allein nur ungenügend zu realisieren, da diese Gebiete in der Regel von Wolken bedeckt sind. Hier wird TerraSAR-X maßgeblich Unterstützung leisten und eine Überprüfung der globalen Angaben erst ermöglichen.

Kontakt:
Prof. Dr. Christiane Schmullius
Institut für Geographie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Löbdergraben 32, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 948880
E-Mail: c.schmullius[at]uni-jena.de

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Dr. Ute Schönfelder idw

Weitere Informationen:

http://www.uni-jena.de

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