Umweltsatellit ENVISAT im All: Bremer Umweltforscher können mit der Arbeit beginnen

Freude und Aufatmen nach dem geglückten Start – nun kann die Arbeit beginnen: Der insgesamt 2,3 Milliarden Euro teure europäische Umweltsatellit ENVISAT ist am 1. März um 2.07 Uhr MEZ planmäßig von einer Ariane-5-Rakete ins All gebracht worden. An Bord ist als eines von zehn Instrumenten auch der hochmoderne Atmosphären-Sensor SCIAMACHY. Er kann die Ozondichte in der Luft sogar dreidimensional abbilden und die wichtigsten Treibhausgase messen. Die riesigen Datenmengen, die er zur Erde sendet, werden an der Universität Bremen ausgewertet – von den Umweltforschern des Instituts für Umweltphysik und Fernerkundung unter Leitung von Professor John Burrows.

Für die Bremer Wissenschaftler beginnt damit ein völlig neuer Abschnitt in ihrer Arbeit. Seit 1995 waren innerhalb des Projekts GOME (Global Ozone Monitoring Experiment) Physiker, Chemiker und Biologen des Instituts für Umweltphysik und Fernerkundung (iup/ife) damit beschäftigt, das Ozonloch über der Antarktis und die Zusammensetzung von Spurengasen in der Atmosphäre zu verfolgen. Der Bremer Professor John Burrows war als „Vater“ von GOME wissenschaftlicher Leiter des Projekts. Vorrangiges Ziel war die ungemein wichtige Ozonüberwachung. Vom europäischen Satelliten ERS-2 aus wurde seit 1995 einmal täglich das direkte Sonnenlicht sowie dauerhaft das von der Erde reflektierte Sonnenlicht gemessen. Da die Gase in der Erdatmosphäre verschiedene Absorptionseigenschaften haben, lässt sich durch den Vergleich der Werte eine ganze Reihe von Stoffen gleichzeitig bestimmen.

Schon längst ist das Arbeitsfeld der Bremer Umweltforscher nicht mehr nur auf die Ozon-Überwachung begrenzt. Das IUP/IFE nutzte das Programm auch für Messungen in der untersten Luftschicht der Atmosphäre, der Troposphäre. Diese ist wichtig für Gesundheit und Wohlbefinden der Menschen, der Tiere und der Pflanzen. Auch hier kommen problematische Gase vor – verursacht durch den Menschen, aber auch durch natürliche Vorkommnisse. Das oberste Ziel des Uni-Instituts iup/ife beschreibt John Burrows so: „Wir wollen ein genaues Bild unserer Welt bekommen, wie sie sich Jahr für Jahr verändert – und dabei die unnatürlichen Veränderungen von den natürlichen klar unterscheiden.“

Der nun von Französisch-Guayana aus ins All geschossene europäische Umweltsatellit ENVISAT ist die modernste Apparatur, um den Zustand der Erde und den Einfluss des Menschen auf unseren Planeten zu beobachten. Auf ihm ist auch SCIAMACHY installiert – das „Scanning Imaging Absorption Spectrometer for Atmospheric Chartography“. Dabei handelt es sich um einen Atmosphären-Sensor der neuesten Generation. Ein wichtiger Schwerpunkt der Nutzung der SCIAMACHY-Daten ist die Erforschung der Wechselwirkungen zwischen Luftverschmutzung, globaler Erwärmung und Stratosphärenchemie und -physik. SCIAMACHY kann gleichzeitig die Atmosphäre aus verschiedenen Blickwinkeln beobachten und Treibhausgas-Emissionen erfassen. Professor John Burrows ist auch Initiator und Leiter dieses Projekts.

Weitere Informationen bei:

Dr. Michael Buchwitz
Institut für Umweltphysik und Fernerkundung (iup/ife)
Universität Bremen
0421/218-4475

Media Contact

Kai Uwe Bohn idw

Weitere Informationen:

http://www.iup.physik.uni-bremen.de/

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