Eismumie aus der Mongolei: Die Ergebnisse

Die Eismumie aus dem mongolischen Altaigebirge wurde seit Dezember 2006 in der Abteilung Anatomie und Embryologie der Universitätsmedizin Göttingen paläopathologisch und anthropologisch untersucht.

Die Ergebnisse über den Gesundheitszustand und die Lebensgewohnheiten des Skythenkriegers liegen jetzt vor. Prof. Dr. Dr. Michael Schultz aus der Abteilung Anatomie und Embryologie leitete die Untersuchungen. Die Göttinger Abteilung genießt auf dem Gebiet der Paläopathologie international eine hohe Expertise.

In einem Pressegespräch am Freitag, 20. Juni 2008 in Göttingen, stellten er und Prof. Dr. Dr. Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchungen des körperlichen Zustandes vor. Prof. Parzinger: „Der Fund aus der Mongolei ist ein Lichtblick in der Skythenforschung. So gelingt uns eine immer lebensechtere Rekonstruktion der Vergangenheit. Die vorliegenden Forschungsergebnisse belegen die großartige Kompetenz der Paläopathologie an der Universitätsmedizin in Göttingen.“ Prof. Schultz sagte: „Der skythische Krieger ist ein Glücksfall der Zusammenarbeit von Archäologie und Medizin. “

DIE ERGEBNISSE

Der skythische Reiterkrieger von Orlon Kurin-Gol aus dem Altai Gebirge in der Mongolischen Republik lebte vor etwa 2.300 Jahren. Er war männlichen Geschlechts und starb im Alter von etwa Ende 50 oder Anfang 60 Jahren.

Der Krieger stammte aus der oberen Mittelschicht, war wahrscheinlich Rechtshänder und erreichte eine Körperhöhe von etwa 167 cm. In der Jugend war er körperlich gut trainiert, hatte sich aber in seinen letzten Lebensjahren körperlich nicht mehr stark beansprucht.

Folgende Krankheiten konnte das Team von Prof. Schultz nachweisen.

• Die Haarfarbe des Kriegers war nicht blond, sondern dunkelbraun oder brünett

• Aufgrund der Ausformung der Wangenknochen und der Haare ist der Skythe eher dem europäischem als dem asiatischem Raum zuzuordnen

• Arthrose der Wirbelkörper und der großen Extremitätengelenke

• eine nicht vollständig verheilte Fraktur am unteren Ende der linken Speiche (Sturz vom Pferd?)

• ausgeprägte Zahnfleischerkrankungen („Fleischesser“; unzureichende Mundhygiene). Der Krieger hatte das typische Gebiss eines Nomaden. Er war kein Ackerbauer.

• chronische Kieferhöhlenentzündung

• chronische Stirnhöhlenentzündung

• ausgeheilte Mittelohrentzündung aus den jüngeren Jahren

• unklarer knochenfressender Prozess Bestattungssitte (Taphonomie):

• Am rechten Jochbogen finden sich Manipulationsspuren, die offenbar mit der Konservierung der Leiche in Verbindung zu bringen sind.

• In den Haaren finden sich Reste von Quecksilber, die ein Beleg dafür sein könnten, dass der Skythenkrieger damit bei der Leichenkonservierung ein-balsamiert wurde.

Die 'Eismumie'

Die Eismumie wurde im Juli 2006 in einer Höhe von 2.500 Metern im südöstlichen Teil des Altaigebirges im Dreiländereck von China, Russland und der Mongolei auf mongolischem Territorium entdeckt. Der Fund erregte weltweites Aufsehen. Der Reiterkrieger stammt aus der Zeit der Skythen. Er wurde von einem internationalen Team aus insgesamt 28 Forschern aus Deutschland, Russland und der Mongolei unter Leitung von Prof. Dr. Hermann Parzinger, dem damaligen Präsidenten des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI), ausgegraben.

Die Mumie ist dank des Dauerfrostbodens in der mongolischen Höhenlage bis auf das Gesicht und den Oberkörper gut erhalten geblieben. Im Juli wird sie wieder in die Mongolei nach Ulan Bator zurückkehren.

WEITERE INFORMATIONEN:
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Abteilung Anatomie und Embryologie
Kreuzbergring 36, 37075 Göttingen
Prof. Dr. Dr. Michael Schultz,
Telefon 0551 / 39-7028 oder 39-7000,
mschult1@gwdg.de
Stiftung Preußischer Kulturbesitz
Von-der-Heydt-Str. 16-18, 10785 Berlin
Präsident
Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hermann Parzinger
Telefon 030 / 25463-201, Mail: parzinger@hv.spk-berlin.de
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit:
Tel. 030/25463-206,
heinlein@hv.spk-berlin.de
Deutsches Archäologisches Institut
Podbielskiallee 69-71, 14195 Berlin
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Stefan Weller Universitätsmedizin Göttingen

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