Regiopole als Wachstumsräume außerhalb der Metropolregionen?

Seit Mitte der 1990er Jahre wird über das raumordnerische Konstrukt „Europäische Metropolregion“ in regional- und stadtentwicklungspolitischen Diskussionen beraten. Auch Stadt und Landkreis Bayreuth gehören der Champions League der europäischen Wirtschaftsregionen seit den Anfängen der Europäischen Metropolregion Nürnberg im Jahr 2005 an.

Wer derzeit allerdings in größere, außerhalb der Metropolregion gelegene Städte wie Regensburg, Würzburg, Erfurt oder Cottbus kommt und dort mit Politikern und Planern über regionale Entwicklungsperspektiven spricht, der trifft neben demonstrativen Optimismus oft auch auf eine große Unsicherheit. Zum Teil ist die wirtschaftliche Lage enorm schwierig, aber auch bei ordentlichen Wirtschafts- und Arbeitsmarktdaten in Stadt und Region scheint die angemessene Strategie für die Zukunft ungewiss.

Die tatsächliche oder zumindest gefühlte Herausbildung von Metropolregionen auf der einen Seite erzeugt eine relativ einfache Wahrnehmung andererseits: Mitglieder von Metropolregionen sind potenzielle Gewinner im regionalen Strukturwandel, andere Städte und Regionen sind es eben nicht. Diese Einsicht wiegt besonders schwer, wenn die Verantwortlichen in Nullsummenspielen mit einfachen Verteilungslogiken denken. Ein Aufstieg auf der einen Seite muss dann einen Niedergang auf der anderen Seite nach sich ziehen. Selbst wenn man einer solchen einfachen Umverteilungslogik nicht folgt, bleibt die Erfahrung tiefgreifender Umbrüche.

Da die erzeugte räumliche Restrukturierung offensichtlich auch außerhalb der Metropolen Handlungsbedarf generiert, hatte der Lehrstuhl für Wirtschaftsgeographie und Regionalplanung zu einem Kolloquium zum Thema „Regiopole als neues räumliches Entwicklungskonzept“ an die Universität Bayreuth eingeladen. Der Referent, Professor Jürgen Aring von der Universität Kassel, gehört zur deutschen Forschungsfront was die Diskussion um Regiopole anbelangt. Er stellte sich offen der Frage, ob es denn nicht auch Wachstumsräume außerhalb von Metropolregionen gibt. Die Idee der Regiopolen beschreibt dabei zunächst im Wesentlichen das Thema regionaler Positionierung nach außen auch für Räume abseits der Metropolregionen.

Aring bezeichnet Regiopole als die „kleinen Großen“, die eine wesentliche Rolle als Netzknoten und Entwicklungspole in eher peripheren Räumen spielen. Städte dieser Kategorie haben im Durchschnitt etwa 100.000 bis 300.000 Einwohner und sind Standort einer Hochschule oder Fachhochschule.

Weiterhin zeichnet diese Städte aus, dass sie weit außerhalb der engeren metropolitanen Verflechungsräume liegen. Ihre wesentliche Funktion liege schließlich darin, Impulsgeber regionaler Entwicklung auch in nicht-metropolitanen Räumen zu sein und im Sinne einer Verantwortungsgemeinschaft neue Aufgaben durch eine regionale Selbstorganisation zu lösen.

(Rosi Ruidisch)

Ansprechpartner für Medien

Jürgen Abel idw

Weitere Informationen:

http://www.uni-bayreuth.de/

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