Millionenfach geklickt: Fraunhofer IWU entwickelt Akustikprüfung für Produktionsprozesse

Cherry-Schalter werden bei der Produktion einzeln auf das korrekte Klick-Geräusch geprüft.
Bild: Cherry

An die Hardware von Computern, Notebooks oder Tablets stellen Nutzerinnen und Nutzer hohe Ansprüche. Beispielsweise muss das Anschlagen der Tastatur mit einem bestimmten, immer wiederkehrenden Geräusch verbunden sein. Um bei der Fertigung eines völlig neuen ultraflachen Schalters ›immer den richtigen Ton zu treffen‹, hat das deutsche Unternehmen Cherry auf externes Know-how zurückgegriffen. Forschende des Fraunhofer IWU haben eine neue Akustikprüfung entwickelt, die in den Produktionsprozess integriert wurde. Sie sorgt dafür, dass nur Tastaturschalter mit dem typischen Cherry-Klickgeräusch die Fertigung verlassen und sichert damit millionenfach den exakten Sound.

Akustikprüfstand für die vollautomatische 100-Prozent-Testung von Tastaturschaltern.
Bild: Cherry

An die Hardware von Computern, Notebooks oder Tablets stellen Nutzerinnen und Nutzer hohe Ansprüche. Beispielsweise muss das Anschlagen der Tastatur mit einem bestimmten, immer wiederkehrenden Geräusch verbunden sein. Dieses akustische Feedback ist daher auch für Cherry, einem führenden Hersteller mechanischer Schalter für Tastaturen, ein wichtiges Qualitätsmerkmal seiner Produkte. Um bei der Fertigung eines völlig neuen ultraflachen Schalters ›immer den richtigen Ton zu treffen‹, hat das deutsche Unternehmen auf externes Know-how zurückgegriffen. Forschende des Fraunhofer-Instituts für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU haben eine neue Akustikprüfung entwickelt, die in den Produktionsprozess integriert wurde. Sie sorgt dafür, dass nur Tastaturschalter mit dem typischen Cherry-Klickgeräusch die Fertigung verlassen und sichert damit millionenfach den exakten Sound.

Wie lässt sich – bei einem Schalter dessen Aufbau deutlich von bisherigen Cherry-Schaltern abweicht – ein bestimmter Tastensound millionenfach exakt in der Fertigung reproduzieren?

Bei der Suche nach Antworten auf diese Fragen sind die Produktentwickler von Cherry auf die Spezialisten für Technische Akustik am Fraunhofer IWU aufmerksam geworden. »Die Prozesse rund um den Klick-Sound unserer bisherigen Schalterprodukte beherrschen wir gut. Für die Neuentwicklung reichte jedoch die bis dato in der Produktion zur Verfügung stehende Messtechnik nicht mehr aus. Deshalb haben wir uns nach externer Expertise umgeschaut und bei den Fraunhofer-Experten gefunden. Ihre Kompetenz und ihr strukturiertes, zielführendes Vorgehen haben uns enorm nach vorn gebracht«, erklärt Stefan Schötz, einer der Entwickler des neuen Cherry-Schalters.

In einem ersten Schritt haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Abteilung Technische Akustik am Fraunhofer IWU die menschliche Hörwahrnehmung des Klick-Geräusches analysiert und dazu Befragungen sowohl bei Beschäftigten von Cherry als auch bei Mitarbeitenden am Fraunhofer IWU durchgeführt. »Auf dieser Basis konnten wir akustische Muster eingrenzen und daraus die Signalmerkmale des Cherry-Klicks identifizieren. Diese wurden anschließend mit physikalischen Messgrößen korreliert, um eine geeignete Sensorik für die Prüfung zu identifizieren«, beschreibt Jan Troge, Abteilungsleiter Technische Akustik am Fraunhofer IWU, die Vorgehensweise.

Vollautomatische 100-Prozent-Testung

Eine besondere Herausforderung bestand darin, den relativ leisen Klick des neuen Schalters in einer Fabrik mit verschiedenen Geräuschen und Schwingungen sicher zu messen. Die Fachleute des Fraunhofer IWU haben deshalb ein Verfahren entwickelt, mit dem die Prüfung ›inline‹, also mit Hilfe von Schwingungsmessungen auf einer von der Produktionsanlage entkoppelten Akustikprüfstation erfolgt. »Die Schalter können damit vollautomatisch und zu 100 Prozent getestet werden. Der Gleichklang als wichtiges Qualitätsmerkmal wird damit gewährleistet«, sagt Jan Troge und verweist auf eine weitere Besonderheit: »Das Geräuschverhalten im unverbauten Zustand unterscheidet sich von jenem im Einbauzustand. Auch diesen Fakt haben wir berücksichtigt. Aus Korrelationsuntersuchungen können wir das akustische Verhalten der Schalter in den verschiedenen Zuständen beschreiben und eine End-of-Line-Prüfsystematik ableiten, die das gewünschte Geräusch final sicherstellt.«

Akustische End-of-Line-Prüfungen haben die Forschenden des Fraunhofer IWU bereits für zahlreiche Produkte entwickelt. Das Know-how des Instituts im Bereich der Technischen Akustik ist vor allem in der Maschinenakustik, Fahrzeugakustik, Bahnakustik, Bau- und Raumakustik sowie der Psychoakustik gefragt. »Das bayerische Unternehmen Cherry reiht sich ein in die Liste zufriedener Partner und Kunden«, freut sich Jan Troge. Cherry-Marketingleiter Michael Schmid bestätigt das: »Wir konnten den neuen Schaltertyp bereits auf dem Markt platzieren und bekommen sehr gute Rückmeldungen dazu. Der Bedienkomfort stimmt – auch dank des richtigen Sounds.«

Über das Fraunhofer IWU

Das Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU ist Innovationsmotor für Neuerungen im Umfeld der produktions-technischen Forschung und Entwicklung. Mit rund 670 hochqualifizierten Mitarbeitenden an den Standorten Chemnitz, Dresden, Leipzig, Wolfsburg und Zittau erschließen wir Potenziale für die wettbewerbsfähige Fertigung im Automobil- und Maschinenbau, der Luft- und Raumfahrt, der Medizintechnik, der Elektrotechnik sowie der Feinwerk- und Mikrotechnik. Im Fokus stehen Bauteile, Verfahren, Prozesse sowie komplexe Maschinensysteme – die ganze Fabrik. Unser Ziel als Leitinstitut für ressourceneffiziente Produktion sind Technologien auf Basis erneuerbarer Energien mit neu gedachten Informations- und Visualisierungstechnologien für die Menschen als Erfolgsgaranten in der Fabrik von morgen.

Mehr Informationen zum Forschungsbereich Technische Akustik: https://s.fhg.de/iwu-technische-akustik

Über Cherry

Cherry ist ein weltweit tätiger Hersteller von High-End-Schaltern für mechanische Tastaturen und Computer-Eingabegeräten. Der Geschäftsschwerpunkt liegt auf mechanischen Tastatur-Schaltern für Gaming-Tastaturen sowie diversen Computer-Eingabegeräten, die in einer Vielzahl von Anwendungsfeldern eingesetzt werden, vor allem in den Bereichen Gaming, Office, Industrie, Cybersecurity sowie Lösungen für die Gesundheitsbranche. Seit der Gründung im Jahr 1953 steht Cherry mit den beiden Geschäftsbereichen Gaming und Professional für innovative und qualitativ hochwertige Produkte, die speziell für die Bedürfnisse seiner Kunden entwickelt werden. Cherry hat seinen operativen Hauptsitz in Auerbach in der Oberpfalz und beschäftigt derzeit über 500 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Produktionsstätten in Auerbach, Zhuhai (China) und Wien (Österreich) sowie in mehreren Vertriebsbüros in Auerbach, Paris, London, Kenosha (USA), Taipeh und Hongkong.

Mehr Informationen: https://www.cherry.de

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Jan Troge
Abteilungsleiter Technische Akustik
Fraunhofer IWU
Tel. 0351 4772-2322
jan.troge@iwu.fraunhofer.de

Weitere Informationen:

https://www.cherry.de/ueber-cherry/presse/cherry-mx-ultra-low-profile.html Mehr Details zum Schalter

Media Contact

Dr. Christian Schäfer-Hock Presse und Medien
Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik

Dieser Fachbereich umfasst die Erzeugung, Übertragung und Umformung von Energie, die Effizienz von Energieerzeugung, Energieumwandlung, Energietransport und letztlich die Energienutzung.

Der innovations-report bietet Ihnen hierzu interessante Berichte und Artikel, unter anderem zu den Teilbereichen: Windenergie, Brennstoffzellen, Sonnenenergie, Erdwärme, Erdöl, Gas, Atomtechnik, Alternative Energie, Energieeinsparung, Fusionstechnologie, Wasserstofftechnik und Supraleittechnik.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Hochleistungs-Metalloptiken mit Lothar-Späth-Award 2021 ausgezeichnet

Fraunhofer IOF und HENSOLDT Optronics entwickeln optisches Teleskop zur Erforschung des Jupitermondes Ganymed. Forscher des Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik IOF sind gemeinsam mit ihrem Partner für die Entwicklung…

Chemiker designen „molekulares Flaggenmeer“

Forschende der Universität Bonn haben eine molekulare Struktur entwickelt, die Graphit-Oberflächen mit einem Meer winziger beflaggter „Fahnenstangen“ bedecken kann. Die Eigenschaften dieser Beschichtung lassen sich vielfältig variieren. Möglicherweise lassen sich…

Der nächste Schritt auf dem Weg zur Batterie der Zukunft

Kompetenzcluster für Festkörperbatterien „FestBatt“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung geht in die zweite Förderphase – Koordination durch Prof. Dr. Jürgen Janek vom Gießener Zentrum für Materialforschung – Rund 23…

Partner & Förderer