Forscher erschließen neue Geschäftsfelder für Reedereien und Werften

Da kommt es gerade recht, wenn neue Umsatzpotenziale für die Reedereien und Werften erschlossen werden, wie das derzeit in einer der Forschungsvereinigungen der AiF, dem Center of Maritime Technologies e.V. (CMT) in Hamburg passiert. Im Rahmen der vorwettbewerblichen Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF) wird ein softwarebasiertes Instrument entwickelt, mit dem neue Dienstleistungen für den Betrieb von Offshore-Windenergieanlagen identifiziert und umgesetzt werden können.

Die weltweite Krise 2008 traf die maritime Wirtschaft sehr hart, die Frachtraten in der Containerschifffahrt brachen um 50 bis 80 Prozent ein, die Auftragseingänge in den deutschen Werften gingen im Vergleich zu 2007 sogar um 90 Prozent zurück. Unter anderem Vorzeichen entwickelt sich dagegen der Wachstumsmarkt der Offshore-Windenergieanlagen (OWEA). In Megawatt (MW) gemessen, werden die bereits installierten europäischen OWEA mit 2.000 MW Leistung beziffert, angestrebt sind bis zu 150.000 MW.

In diesem Megamarkt sehen die Forscher Marktpotenziale für die maritime Branche. Denn die Wartung der Anlagen auf See muss mit zusätzlichen, komplexen Faktoren, wie schlechtem Wetter oder aufwendiger Ersatzteillogistik, kalkulieren, und Unternehmen der maritimen Industrie haben für solche Dienste die besten Voraussetzungen: Sie verfügen über das Know-how für Arbeiten auf See und über die benötigten Fahr- und Werkzeuge.
„Wir haben hier einen klaren, stetig steigenden Bedarf an maritimen Dienstleistungen für die Offshore-Windparkversorgung auf der einen Seite und Unternehmen der maritimen Wirtschaft, die dringend nach neuen Betätigungsfeldern suchen, auf der anderen“, erläutert der Projektleiter, Prof. Dr.-Ing. Gerd Holbach vom Fachgebiet Entwurf und Betrieb Maritimer Systeme der Technischen Universität Berlin. „Es mangelt jedoch bisher an einer systematischen Analyse der Anforderungen an die maritimen Lösungsanbieter und die zu erwartenden Potenziale für Unternehmen in diesem volatilen Marktumfeld sind schwer zu prognostizieren. Unser IGF-Vorhaben setzt genau hier an.“

Die Forschungsergebnisse sollen Unternehmen der maritimen Wirtschaft wie Werften und Reedereien und deren Zulieferindustrie Möglichkeiten bieten, sich nicht nur als produzierende Betriebe, sondern auch als Dienstleister zu positionieren. Das Ziel des vom CMT koordinierten Forschungskonsortiums ist, 2014 ein entsprechendes Instrument vorzulegen, das folgende Funktionen bietet:
– Katalog der Dienstleistungen, die ein Offshore-Windpark während der Betriebsphase benötigt
– Strategisches Steuerungsmodell zur Nutzung des Potenzials eines maritimen Unternehmens, solche Dienstleistungen anzubieten
– Handlungsempfehlungen zur effektiven Erschließung der neuen Betätigungsfelder inklusive eines Software-Demonstrators
Das Tool soll ein flexibel an die jeweilige Unternehmenssituation anpassbares Umsetzungskonzept darstellen. Dazu gehören die Erarbeitung und Integration eines Führungsprozesses, eines Vertriebskonzeptes und interner Personalmaßnahmen. Auch die voraussichtlichen Marktanforderungen für eine erfolgreiche Positionierung der Dienstleistungen sowie die Risikobewertung können damit kalkuliert werden.

Um ein solches Instrument zu entwickeln, sind zwei Forschungsstellen mit unterschiedlichen Kompetenzen involviert: Die Forscher des Fachgebiets Entwurf und Betrieb Maritimer Systeme an der Technischen Universität Berlin ermitteln, analysieren, bewerten und priorisieren den Bedarf an maritimen Dienstleistungen für einen möglichst reibungslosen Betrieb von Offshore-Windparks. Basierend auf potenziellen Lösungsansätzen für die Offshore-Windparkversorgung werden Mengengerüste und monetäre Marktvolumina konkreter Leistungsbereiche für die geplanten Windpark-Ausbauprojekte prognostiziert. Die Wissenschaftler des International Performance Research Institute gGmbH (IPRI) zeigen in ihrem Beitrag auf, wie der Aufbau des neuen Geschäftsfeldes gesteuert werden kann.

Wie alle Projekte der Industriellen Gemeinschaftsforschung begleiten auch hier Unternehmensvertreter die Forschungsarbeiten. Das Interesse der Wirtschaft ist groß: 23 Unternehmen, darunter Offshore-Windparkbetreiber, Turbinen- und Komponentenhersteller, Werften, Reedereien, maritime Zulieferer und Offshore-Spezialisten wachen in projektbegleitenden Ausschüssen darüber, dass die Forschungsergebnisse möglichst praxisnah sind. Insbesondere für mittelständische Unternehmen ist es interessant, an dem Forschungsprojekt mitzuwirken. Denn sie können hier ohne großen Aufwand und hohe Kosten neue Betätigungsfelder erschließen, sind zudem häufig flexibler als große Unternehmen und in der Lage, die Ergebnisse schneller umzusetzen.

„Durch die Zusammenarbeit und den Austausch in einem Gemeinschaftsforschungsvorhaben ergeben sich für alle beteiligten Partner viele neue Impulse und auch ein besseres Verständnis für die gegenseitigen Bedürfnisse – dies können wichtige Elemente für eine zukünftige Zusammenarbeit darstellen,“ unterstreicht Christina Hefter vom CMT den Vorteil von Forschungskooperationen im Rahmen der IGF. „Hier besteht die Möglichkeit mit anderen Branchensegmenten zusammenzuarbeiten aber auch über den Tellerrand zu schauen und gegen Erkenntnisse aus anderen Branchen zu adaptieren bzw. zu transferieren.“

IGF-Vorhaben werden im Innovationsnetzwerk der AiF organisiert und aus den Haushaltsmitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) gefördert.

Ansprechpartner zum Projekt:
CMT, Christina Hefter, Telefon: +49 40 69 20 876-0, hefter@cmt-net.org

Über die AiF:
Die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen „Otto von Guericke“ e.V. ist ein 1954 gegründetes, industriegetragenes Innovationsnetzwerk zur Förderung von Forschung und Entwicklung im Mittelstand. Es verknüpft die Interessen von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Aufgabe ist es, als Dachverband von rund 100 branchenspezifischen Forschungsvereinigungen die Volkswirtschaft Deutschlands in ihrer Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu stärken. Die AiF als gemeinnütziger Verein ist Träger der Industriellen Gemeinschaftsforschung und betreut gemeinsam mit der AiF Projekt GmbH und der AiF F∙T∙K GmbH, ihren einhundertprozentigen Tochtergesellschaften, weitere Förderprogramme der öffentlichen Hand. Im Jahr 2011 setzte die AiF rund 675 Millionen Euro an öffentlichen Fördermitteln ein.

Pressekontakt:
Anita Widera, Telefon: +49 221 37680-114, anita.widera@aif.de

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Anita Widera idw

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