Mehr Technik für den Alltag Schwerhörender

Ob Computer und Internet oder Mobiltelefone und Hifi-Systeme – neuste Technologien unserer modernen Kommunikationsgesellschaft bieten dem sozialen Miteinander eine Reihe von Vorteilen. Doch wie kann es gelingen, dass auch schwerhörende Menschen stärker als bisher von solchen Vorteilen profitieren?

Eine Frage, die ein europäisches Forschungsprojekt mit dem Namen „Hearing at Home“ beantworten will. Das zweieinhalb Jahre laufende Projekt, an dem mit dem Oldenburger Kompetenzzentrum HörTech und dem ebenfalls in Oldenburg ansässigen OFFIS Institut für Informatik gleich zwei renommierte Forschungsunternehmen der Region mitwirken, verfolgt das Ziel, Schwerhörenden die alltägliche Nutzung von Heimelektronik zu erleichtern.

Gerade für schwerhörende Menschen können neuste Entwicklungen bei Informations- und Telekommunikationstechnologien eine wichtige Unterstützung sein. Mittels Technik können sie Informationsdefizite im häuslichen Alltag und damit das eigene Handicap ausgleichen. Doch nach wie vor scheuen insbesondere viele ältere Menschen mit Hör-Handicap vor einer Nutzung solch moderner Hilfsmittel zurück.

Abhilfe schaffen soll nun das Forschungsprojekt „Hearing at Home“. Am Projekt, das über einen Zeitraum von zweieinhalb Jahren laufen wird, sind neben dem OFFIS Institut sowie dem Oldenburger Kompetenzzentrum für Hörgeräte-Systemtechnik HörTech noch vier weitere Forschungsunternehmen aus dem europäischen Ausland beteiligt. Gemeinsam soll eine Lösung gefunden werden, die Schwerhörenden den Zugriff auf technische Hilfsmittel erleichtert und ihnen zu mehr Lebensqualität verhilft.

„Zentrale Rolle kommt bei unserem Ansatz dem Fernseher zu“, erläutert Andreas Hein vom Oldenburger Institut OFFIS, das als Projektkoordinator fungiert: „Den Fernseher bedienen auch Menschen mit Hör-Handicap ganz selbstverständlich. Wir wollen ihn nun als eine Art zentrale Schaltstelle nutzen, über die alle anderen Komponenten der Heim-Elektronik wie beispielsweise Computer, Telefon, Telefax, Wechselsprechanlage oder Hifi-System mit einander vernetzt werden.“

Die so vernetzte IT-Heimelektronik soll sich der individuellen Hörschädigung eines Betroffenen angleichen, ihm helfen, Sprache und andere Signale besser zu verarbeiten. „Audio-Signale wollen wir mit Hilfe von Signalklassifikationen und Lärmreduzierung optimieren, die Sprachverständlichkeit erhöhen“, erklärt Volker Hohmann vom Oldenburger Kompetenzzentrum HörTech: „Die Algorithmen der einzelnen Geräte werden so verändert, dass sie helfen, den jeweiligen individuellen Hörverlust auszugleichen. Und auch das Fernsehbild soll unterstützen. Durch ein synthetisch auf dem Bildschirm erzeugtes Minenspiel wollen wir das Lippenlesen erleichtern.“

Beitrag der HörTech wird es ebenfalls sein, zu untersuchen, welche Akzeptanz die gemeinsam entwickelte Lösung insbesondere bei älteren Betroffenen findet. Diesbezügliche Befragungen werden hier von Markus Meis verantwortet, der seit Jahren erforscht, wie Menschen mit Handicap neuste Technik und insbesondere Medizintechnik nutzen.

Die Zusammenarbeit der beiden Oldenburger Forschungsunternehmen HörTech und OFFIS hat sich seit längerem bewährt. Sowohl die HörTech, die Grundlagenforschung auf dem Gebiet der Hörsystem-Technik leistet, als auch das OFFIS Institut für Informatik, das sich unter anderem mit der Entwicklung medizintechnischer Software beschäftigt, sind Mitglied der German Medical Technologie Alliance (GMTA), eines deutschlandweit einmaligen Netwerks von Kompetenzzentren für Medizintechnik.

„Gemeinsam mit unseren europäischen Partnern haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, neuste wissenschaftliche Erkenntnisse in den Alltag der schwerhörenden Menschen zu transformieren“, so Andreas Hein abschließend: „Durch unseren interdisziplinären Ansatz wollen wir erreichen, dass sich die Betroffenen in ihrer häuslichen Umgebung, in ihrem familiären Umfeld deutlich mehr der neuen Informationstechnologien bedienen als bisher der Fall.“

Pressekontakt: Martin Schaarschmidt, ZS&P, Tel: (030) 40 88 94-36, Fax: -94, eMail: m.schaarschmidt@zsp-berlin.de

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Britta Müller idw

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