Brennbares Eis aus dem Meeresboden statt Erdöl, Erdgas und Kohle

Forscher entdecken Indikator für Methaneis-Vorkommen

Wissenschaftlern des Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR)ist es gelungen, den Entstehungsprozess von Methanhydraten zu analysieren und einen Indikator für förderungswürdige Mengen der brennbaren Substanz zu finden. Der wirtschaftliche Abbau des „weißen Goldes“ ist damit ein Stück näher gekommen. Methanhydrate, auch als Methaneis bekannt, lagern tief unter dem Meeresboden und bestehen aus Methan, das in gefrorenes Wasser eingelagert ist. Unter Wissenschaftlern wird die Kombination aus Wasser und Erdgas bereits seit längerem als Energiequelle der Zukunft gehandelt. Forscher schätzen, dass die Vorräte an Methanhydraten fast doppelt so viel Energie liefern können wie alle Erdöl-, Erdgas- und Kohlelagerstätten der Erde zusammen.

Bei Untersuchungen im Westatlantik haben die Kieler Meeresforscher entdeckt, dass man förderungswürdige Mengen der Methanhydrate anhand von Gasblasen orten kann. „Die Vorkommen von Methanhydraten verteilen sich auf weite Flächen. Der Abbau lohnt sich nur an den Stellen, an denen die Substanz in großen Mengen vorkommt, sonst verbraucht man mehr Energie als man letztendlich gewinnt“, erklärt Klaus Wallmann, Professor am IFM-GEOMAR und Koordinator des Kieler Forschernetzwerks „Ozean der Zukunft“, im Gespräch mit pressetext. Größere Mengen Methaneis entstehen dadurch, dass freiwerdende Gase aus dem Abbau organischer Substanzen aus einer Tiefe von ein bis drei Kilometern unter dem Meeresboden aufsteigen und in einer Tiefe von 100 bis 500 Metern zu Gashydraten gefrieren. Die Schichten in dieser Tiefe sind kälter als die Sedimente weiter unten.

Das brennende Potenzial der Methanhydrate sieht man der Substanz auf den ersten Blick nicht an. Einmal aus der Tiefe des Meeres hervorgeholt, sehen die Methanhydrate nicht viel anders aus als ein Schneebrocken. „Zündet man das Methaneis an, brennt das Erdgas und das Wasser schmilzt. In den Ofen sollte man das Methanhydrat deshalb lieber nicht werfen“, so Wallmann schmunzelnd. „Ziel ist es, nur das Erdgas zu verwerten.“ Bevor das aus den Methanhydraten gewonnene Gas wirtschaftlich genutzt werden kann, müssen allerdings noch viele Fragen geklärt werden. „Wir wissen noch wenig darüber, wie viele Methanhydrat-Vorkommen es an welchen Stellen gibt und wie viel Methan vom System abgegeben wird“, berichtet der Kieler Forscher. „Das System der Methanhydrate ist offen und sehr dynamisch. Das Methaneis zersetzt und bildet sich ständig neu.“

Unklar ist auch noch, wie man den Abbau des „weißen Goldes“ nachhaltig gestalten kann, ohne den Treibhauseffekt durch Freisetzen des klimaschädlichen Methans noch weiter zu verschärfen. Des weiteren liegen noch keine Untersuchungen darüber vor, wie sich der Abbau von Methaneis auf die Stabilität und die Lebenswelt des Meeresbodens auswirkt. Auch die rechtlichen Rahmenbedingungen einer zukünftigen Nutzung sind noch nicht geklärt. Zur Zeit untersuchen die Wissenschaftler des Forschernetzwerks „Ozean der Zukunft“, ob es sinnvoll wäre, abgebautes Methaneis im Meeresboden durch Kohlendioxid zu ersetzen und ob sich ein CO2-neutraler Abbau der Substanz rentieren würde. Auch an der Technik für die Bergung von Methanhydraten wird weltweit geforscht. „In Japan wird eine Fördertechnik von Methaneis, bei der die Wasser-Erdgas-Mischung thermisch zersetzt wird, bereits getestet“, berichtet Wallmann.

Media Contact

Verena Töpper pressetext.deutschland

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik

Dieser Fachbereich umfasst die Erzeugung, Übertragung und Umformung von Energie, die Effizienz von Energieerzeugung, Energieumwandlung, Energietransport und letztlich die Energienutzung.

Der innovations-report bietet Ihnen hierzu interessante Berichte und Artikel, unter anderem zu den Teilbereichen: Windenergie, Brennstoffzellen, Sonnenenergie, Erdwärme, Erdöl, Gas, Atomtechnik, Alternative Energie, Energieeinsparung, Fusionstechnologie, Wasserstofftechnik und Supraleittechnik.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Infektionsrisiko COVID-19: Simulation von Aerosolbelastung in Räumen

Im Fachbereich Ingenieurwissenschaften der Hochschule RheinMain (HSRM) wurde ein Simulationsmodell erstellt, mit dem die Aerosolausbreitung in Räumen berechnet, bewertet und untersucht werden kann. Das Simulationsmodell ist in der Lage, unterschiedliche…

Intelligentere Roboter dank ROS

Am 15. und 16. Dezember 2020 lädt das Fraunhofer IPA zum achten Mal zur ROS-Industrial Conference, die diesmal virtuell stattfindet. Sie bietet Aktuelles aus Wissenschaft und Industrie rund um das…

Weltraumteleskop Gaia misst die Beschleunigung unseres Sonnensystems

Die Messung der Beschleunigung unseres Sonnensystems durch Astronomen der TU Dresden ist ein wissenschaftliches Highlight des nun erscheinenden dritten Gaia-Katalogs. Mit dessen Veröffentlichung am 3. Dezember 2020, Punkt 12:00 Uhr,…

Partner & Sponsoren

By continuing to use the site, you agree to the use of cookies. more information

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close