Zoologe vom Museum Koenig, Bonn, entdeckt eine Echse mit Biberschwanz

Xenagama wilmsi sp. n. – auffälligstes Merkmal der neu beschriebenen Agamenart ist der kurze Schwanz. Foto: Tomas Mazuch<br>

Auf den ersten Blick wirkt die neue Art genau wie ihre engen Verwandten sehr unscheinbar, da sie nicht die starke blaue oder rote Färbung wie andere afrikanische Agamen haben. Wenn man genau hinsieht erkennt man aber den bizarr aussehenden und stark abgeplatteten biberähnlichen Schwanz, den die Tiere haben. Dies ist wahrscheinlich eine Anpassung an die Lebensweise, denn die Tiere leben in selbstgegrabenen Gängen die sie dann mit dem stacheligen Schwanz verschließen um sich gegen Feinde zu verteidigen.

Der Fund selber ist keine Überraschung. „Wir haben schon 2011 eine neue Agamenart aus Äthiopien beschrieben und zwei weitere Arten sind bereits bekannt und müssen noch beschrieben werden“ stellt Wagner heraus. Das Horn von Afrika, zu dem Äthiopien und Somalia gehören, ist als sogenannter Hotspot bekannt, einem Gebiet mit besonders hoher Artenvielfalt.

„Wie viele Arten dort genau vorkommen wissen wir noch lange nicht.“, sagt Wagner und führt weiter aus, „dass hier vor allem die naturhistorischen Sammlungen als Archive in den Vordergrund gestellt werden müssen, denn wir können die Erforschung der Artenvielfalt dieser Region auf Individuen stützen, die vor mehr als hundert Jahren gesammelt wurden – in Regionen die man heute ohne große Eskorte nicht mehr bereisen kann.“

„Die Beschreibung der Art zeigt die herausragende internationale Bedeutung der Herpetologie am Museum Koenig“ meint Prof. Dr. Wolfgang Wägele, Direktor des Museum Koenig. „Es zeigt sich immer wieder, dass auch heute noch größere Wirbeltierarten beschrieben werden können und die Biodiversität noch lange nicht umfassend erfasst ist“ ergänzt Dr. Dennis Rödder, Leiter der Sektion Herpetologie am Museum.

„Spektakulär ist, dass die neue Art aus dem politisch eher instabilen Somalia stammt, das man aber zumindest im Norden, wenn auch mit hohem Risiko, wieder bereisen kann.“ erläutert Wagner. Das besondere ist, dass die Art schon längst hätte bekannt sein können, denn sie und ihre Verwandten aus der Gattung der Biberschwanzagamen finden sich bei vielen privaten Tierhaltern. „Dies betont wie wichtig die private Tierhaltung sein kann,“ erklärt Wagner „denn viele der ökologischen Informationen über die Arten, die über Jahre im Freiland gesammelt werden müssten, haben wir von Reptilienhaltern, die sich in ihrer Freizeit intensiv mit dem Verhalten der Tiere auseinandersetzen.“

Dies hat vor allem dann eine hohe Bedeutung, wenn die Arten auf Regionen wie Somalia beschränkt sind, in denen eine langjährige Freilandforschung unmöglich ist. Zudem sind die Biberschwanzagamen in den Wüstengebieten Nordsomalias und Äthiopiens verbreitet und werden daher vom Klimawandel als erstes betroffen sein. „Auch dies stellt noch einmal heraus, warum es so wichtig ist, dass über die private Tierhaltung Informationen zur Lebensweise gesammelt werden, denn dies sind Forschungsbereiche für die heute oft keine Mittel zu Verfügung gestellt werden, weil sie nicht direkt anwendbar sind.“ ergänzt Wagner.

„Insgesamt,“ sagt Dr. Wolfgang Böhme, Senior-Herpetologe am Museum Koenig, „stellt diese neue Art nur eine Perle in einer langen Kette dar, denn zum einen blickt die wissenschaftliche Bearbeitung der Agamen am Museum Koenig auf eine über 35 jährige Tradition zurück, zum anderen haben wir mit Herrn Dr. Wagner einen international absolut renommierten Spezialisten für diese Gruppe am Museum.“

Benannt ist die neue Art nach Dr. Thomas Wilms, Kurator am Zoo Frankfurt, der sich seit langer Zeit der Erforschung der Artenvielfalt in Nordafrika und der arabischen Halbinsel widmet.

Quelle
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/jzs.12016/abstract
[Wagner, P., Mazuch, T. and Bauer, A. M. (2013), An extraordinary tail – integrative review of the agamid genus Xenagama. Journal of Zoological Systematics and Evolutionary Research. doi: 10.1111/jzs.12016]
Ansprechpartner: Philipp Wagner
Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig
Adenauerallee 160, D 53113 Bonn
0228-9122254, philipp.wagner.zfmk@uni-bonn.de
Das Zoologische Forschungsmuseum Alexander Koenig – Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere hat einen Forschungsanteil von mehr als 75 %. Das ZFMK betreibt sammlungsbasierte Biodiversitätsforschung zur Systematik und Phylogenie, Biogeographie und Taxonomie der terrestrischen Fauna. Die Ausstellung „Unser blauer Planet“ trägt zum Verständnis von Biodiversität unter globalen Aspekten bei.

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Sabine Heine idw

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