Sexy brummeln

Die in einem Gesang etwa alle fünf Minuten wiederkehrenden langgezogenen Brummel- oder Schnarrpassagen verraten demnach darüber hinaus Wichtiges über den Sänger, wie etwa dessen Gewicht oder Paarungsstatus. Die Ergebnisse der Studie wurden in der jüngsten Ausgabe des Fachjournals „Plos One“ veröffentlicht.

In der kürzlich von den Verhaltensbiologen Michael Weiß, Dr. Sarah Kiefer und Prof. Dr. Silke Kipper veröffentlichten Studie wurde untersucht, inwiefern „Buzz-Elemente“ im Gesang von Nachtigallen Informationen kodieren und in der Kommunikation zwischen Vögeln genutzt werden. Sogenannte Buzze kommen in verschiedenen Nachtigall-Strophentypen vor und werden etwa alle fünf Minuten einmal vorgetragen. Sie klingen selbst für das menschliche Ohr auffällig anders als die flötenden und trillernden Elemente, aus denen der Nachtigallgesang sonst besteht – der „Buzz“ kommt einem lang gezogenen Brummeln oder Schnarren nahe.

Um zu zeigen, dass die im Balzkontext benutzten „Buzze“ Qualitätsausweise für den Sänger sind, musste dreierlei nachgewiesen werden: zunächst, dass sich der „Buzz“ verschiedener Männchen unterscheidet. Tatsächlich singen verschiedene Vögel ihre „Buzze“ zum Beispiel unterschiedlich lang oder hoch. Weiterhin sollte der „Buzz“ bestimmte für Weibchen oder andere Männchen relevante Informationen des Sängers zuverlässig kodieren – dies könnten zum Beispiel das Gewicht, das Alter oder auch der Gesundheitszustand des Sängers sein.

„Wir konnten zeigen, dass schwerere Männchen „Buzze“ etwas anders singen als leichtere Männchen. Auch der Paarungsstatus scheint den „Buzz“ zu beeinflussen: Männchen, die unverpaart geblieben sind, singen ihre „Buzze“ zum Ende der Saison anders als am Anfang“, erklärt Michael Weiß, Verhaltensbiologe an der Freien Universität Berlin und Erst-Autor der Studie. So könnten andere Nachtigallen einem „Buzz“ tatsächlich verschiedene Informationen entnehmen.

Ob dieses Potenzial von den Tieren selbst tatsächlich genutzt wird, war die dritte relevante Frage, der bei der Suche nach qualitätsanzeigenden kommunikativen Signalen nachgegangen werden musste.

„In Playback-Experimenten haben wir untersucht, ob die Tiere auf Gesänge mit vielen „Buzz“-Strophen anders reagieren als auf Gesangsstücke, die keine Buzz-Strophen enthalten“, erklärt Michael Weiß. Während die Männchen nicht unterschiedlich auf die beiden Playbacks reagierten, konnte bei den Weibchen eine Verhaltensänderung beobachtet werden: „Beim Vorspielen von „Buzz“-Strophen wurde häufiger gehüpft, und es wurde mehr Schwanzwippen verzeichnet – beides sind Indizien für eine erhöhte Erregung des Weibchens.“

Den Wissenschaftlern zufolge spricht alles dafür, dass die Weibchen ihre Männchen nicht nur anhand der vielen Strophentypen auswählen, sondern auch ganz genau hinhören und die Vortragskunst verschiedener Männchen vergleichen.

Die Forscher planen, die Struktur der „Buzze“ und Eigenschaften, die damit in Zusammenhang stehen, weiter zu erforschen, etwa ihren Beitrag zur Brutpflege. Außerdem stelle sich die Frage, welche weiteren Strukturen im Gesang über bestimmte Eigenschaften eines Männchens Aufschluss geben könnten, sagt Weiß. So könne einerseits der faszinierende Gesang der Nachtigallen weiter entschlüsselt werden, andererseits helfe er als „Modellfall“, die Evolution von Gesängen und anderen Signalen, die im Paarungskontext zum Einsatz kommen, zu verstehen.

Die Studie im Internet
http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0045057

Weitere Informationen erteilen Ihnen gern:
• Michael Weiß, E-Mail: miweiss@zedat.fu-berlin.de
• Prof. Dr. Silke Kipper, Verhaltensbiologie, Telefon: 030 / 838-, E-Mail: silkip@zedat.fu-berlin.de

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