Pilze für die Zukunft: Neuer LOEWE-Schwerpunkt „Integrative Pilzforschung (IPF)“

Ungenutzte Möglichkeiten - Pilze könnten künftig viel öfter wirtschaftlich eingesetzt werden – der neue LOEWE Schwerpunkt „Integrative Pilzforschung“ soll wichtige Grundlagen liefern.<br>Foto: Julia Krohmer, BiK-F<br>

Der Schwerpunkt wird von Prof. Marco Thines (Goethe-Universität Frankfurt und Wissenschaftler am Biodiversität und Klima Forschungszentrum), und Prof. Helge Bode (Merck-Stiftungsprofessur Molekulare Biotechnologie, Goethe-Universität) koordiniert. Das riesige Potenzial der Pilzvielfalt soll durch die Verzahnung von grundlagen- und anwendungsorientierter Forschung untersucht und nutzbar gemacht werden, mit synergistischen Anknüpfungen an die LOEWE-Projekte BiK-F, Synmicro und Insektenbiotechnologie.

Ab Januar 2013 werden im Rahmen der hessischen Landes-Offensive zur Entwicklung wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz (LOEWE) sechs neue Forschungsvorhaben gefördert. Darunter ist der Schwerpunkt „Integrative Pilzforschung (IPF) – Innovation durch Integration anwendungs- und grundlagenorientierter Forschung zur Nutzung der pilzlichen Vielfalt“, an dem die BiK-F-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler Prof. Marco Thines, Prof. Imke Schmitt und Dr. Christian Printzen mitwirken. Die Federführung liegt bei der Goethe-Universität Frankfurt; beteiligt sind die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung sowie die Universitäten Marburg, Gießen und Kassel. Die Entscheidung wurde am 4. Juli in Wiesbaden bekannt gegeben.

Vorhandene wissenschaftliche Expertise gebündelt
Der Erfolg kommt nicht von ungefähr. „In Hessen forschen zwei Drittel aller deutschen Pilzforscher“, so die Sprecher des neuen Schwerpunktes, Prof. Marco Thines und Prof. Helge Bode. Exzellente Bedingungen also für fachübergreifende Zusammenarbeit zwischen Biodiversitätsforschern, Biochemikern, Biotechnologen und Molekulargenetikern, die an denbeteiligten Institutionen Goethe-Universität Frankfurt am Main (Federführung), Philipps-Universität Marburg, Justus-Liebig-Universität Gießen, Universität Kassel und Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung Frankfurt angesiedelt sind. Sie erhalten von 2013 bis 2015 rund 4,5 Millionen.

90 Prozent der Pilzarten noch unbekannt
Nach den Bakterien sind Pilze die am weitesten verbreitete Lebensform der Erde und zugleich einer der artenreichsten: Es gibt mehr Pilzarten als Pflanzen, Fische und Säugetiere zusammen genommen. Mindestens 90 Prozent der Arten sind allerdings noch nicht beschrieben, noch viel weniger wirtschaftlich genutzt. ,. Schon mit den wenigen genutzten Arten werden heute hunderte von Milliarden Euro erwirtschaftet – ein noch kaum abschätzbares zukünftiges Potenzial lässt sich daher erahnen, z.B. in der Lebensmittelproduktion (Brot, Käse, Bier oder Wein) oder in der pharmazeutischen Industrie (Erzeugung von Antibiotika)

Schlummerndes Potential der Lebensform nutzbar machen
Pilze sind auch im Hinblick auf die in ihnen ablaufenden zellulären Grundprozesse und in ihrer Eigenschaft als Modellorganismen der Molekularbiologie interessant. Noch ist die grundlagen- und anwendungsorientierte Forschung auf nur wenige Organismen beschränkt. Im Rahmen des LOEWE-Schwerpunkts soll diese Lücke durch Integration der Vielfalt von Pilzen in ansonsten modellbasierte Forschungsdisziplinen geschlossen werden. Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit im neuen Schwerpunkt kann außerdem die Entdeckung neuer nutzbarer Substanzen schneller in biotechnologische Prozesse umgesetzt werden.

Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte:

Prof. Dr. Marco Thines
LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F) und Goethe-Universität Frankfurt a.M.
Tel. 069 7542 1833
Email: marco.thines@senckenberg.de

oder

Sabine Wendler
LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F), Pressereferentin
Tel. 069 7542 1838
Email: sabine.wendler@senckenberg.de
LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum, Frankfurt am Main
Mit dem Ziel, anhand eines breit angelegten Methodenspektrums die komplexen Wechselwirkungen von Biodiversität und Klima zu entschlüsseln, wird das Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK‐F) seit 2008 im Rahmen der hessischen Landes‐ Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz (LOEWE) gefördert. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und die Goethe Universität Frankfurt sowie weitere direkt eingebundene Partner kooperieren eng mit regionalen, nationalen und internationalen Institutionen aus Wissenschaft, Ressourcen‐ und Umweltmanagement, um Projektionen für die Zukunft zu entwickeln und wissenschaftlich gesicherte Empfehlungen für ein nachhaltiges Handeln zu geben.

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Sabine Wendler Senckenberg

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