Naturwissenschaftler in Freiberg entdecken neue Bakterienart

Bakterienkolonien der entdeckten Bakterienart Sphingopyxis fribergensis auf einem glukosehaltigen Kulturmedium und rasterelektronenmikroskopische Nahaufnahme der Bakterienzellen TU Bergakademie Freiberg / Michel Oelschlägel/ Gert Schmidt

Dr. Michel Oelschlägel, welcher die Art im Jahr 2011 im Rahmen seiner Doktorarbeit entdeckte und nachfolgend klassifizierte, hat gemeinsam mit weiteren Wissenschaftlern vom Institut für Biowissenschaften der TU Bergakademie Freiberg und dem Zentrum für Biotechnologie in Bielefeld die neue Arte genauer unter die Lupe genommen:

„Diese Art ist in der Lage, interessante aromatische Schadstoffe abzubauen. Viele dieser Stoffwechselwege sind biotechnologisch höchst interessant.“ Besonders interessant an der neuen Art ist, dass mit ihr sogenannte Enzyme gewonnen werden können, die bei der Synthese von Produkten für die Pharma- oder Kosmetikindustrie helfen können.

„Enzyme sind Proteine, die ausgewählte chemische Reaktionen durchführen können“, erklärt Oelschlägel. „Bestehende chemische Verfahren können mit diesen kleinen Helfern viel umweltfreundlicher und einfacher gestaltet werden. Im Gegensatz zu vielen chemischen Verfahren sind diese enzymatischen Reaktionen oft sehr genau, brauchen keine hohen Temperaturen und es treten kaum Nebenprodukte auf“, zählt Oelschlägel weiter die Vorteile auf.

Die neue Art hat es bereits in ein Patent der TU Bergakademie Freiberg geschafft, in dem es genau um solche Verfahren geht. Darüber hinaus ist die Art Bestandteil aktueller Forschungsvorhaben der TU Bergakademie Freiberg mit Industriepartnern. Dabei soll der Organismus unter anderem gentechnisch verändert werden, um aus nachwachsenden Rohstoffquellen sogenannte Phenylessigsäuren zu synthetisieren.

Diese werden beispielweise für die Herstellung von Schmerzmitteln, Antibiotika, Virustatika oder ähnlichen Verbindungen eingesetzt, aber auch in der Duftstoff- und Aromaindustrie. Sphingopyxis fribergensis bietet dafür gute Ausgangsbedingungen und verfügt bereits über entsprechende Enzyme, um viele dieser Schritte durchzuführen. „Es ist schon ein großer Glücksfall, über so einen Organismus zu stolpern. Zudem freut es mich sehr, dass uns hiermit erstmalig die Beschreibung einer neuen Bakterienart in Freiberg gelungen ist“, so Oelschlägel.

Die neue Bakterienart und die dazugehörige Stammbeschreibung wurden am 2. Juni zur Publikation im International Journal of Systematic and Evolutionary Microbiology akzeptiert und sind damit anerkannt. Hinterlegt ist der sogenannte Typstamm (der erste Stamm einer neuen Art) von Sphingopyxis fribergensis außerdem bei der Deutschen Sammlung für Mikroorganismen und Zellkulturen (DSMZ) und der Belgischen Stammsammlung (BCCM/LMG). Damit ist es die erste akzeptierte Artbeschreibung eines Mikroorganismus an der TU Bergakademie Freiberg.

http://'http://ijs.sgmjournals.org/content/early/2015/06/03/ijs.0.000371.abstrac… – Link zur Online-Publikation; Abstract für jeden einsehbar, vollständige und finale Version nur mit Nutzer-Login; in gedruckter Form erscheint die Fachzeitschrift in den kommenden Monaten'

http://'http://tu-freiberg.de/fakultaet2/bio/environmental-microbiology – Informationen zur Arbeitsgruppe Mikrobiologie am Institut für Biowissenschaften der TU Bergakademie Freiberg'

http://'http://tu-freiberg.de – TU-Homepage'

Media Contact

Madlen Domaschke idw - Informationsdienst Wissenschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie

Der innovations-report bietet im Bereich der "Life Sciences" Berichte und Artikel über Anwendungen und wissenschaftliche Erkenntnisse der modernen Biologie, der Chemie und der Humanmedizin.

Unter anderem finden Sie Wissenswertes aus den Teilbereichen: Bakteriologie, Biochemie, Bionik, Bioinformatik, Biophysik, Biotechnologie, Genetik, Geobotanik, Humanbiologie, Meeresbiologie, Mikrobiologie, Molekularbiologie, Zellbiologie, Zoologie, Bioanorganische Chemie, Mikrochemie und Umweltchemie.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Die Zukunft der Robotik ist soft und taktil

TUD-Startup bringt Robotern das Fühlen bei. Die Robotik hat sich in den letzten Jahrzehnten in beispiellosem Tempo weiterentwickelt. Doch noch immer sind Roboter häufig unflexibel, schwerfällig und zu laut. Eine…

Stabilität von Perowskit-Solarzellen erreicht den nächsten Meilenstein

Perowskit-Halbleiter versprechen hocheffiziente und preisgünstige Solarzellen. Allerdings reagiert das halborganische Material sehr empfindlich auf Temperaturunterschiede, was im Außeneinsatz rasch zu Ermüdungsschäden führen kann. Gibt man jedoch eine dipolare Polymerverbindung zur…

EU-Projekt IntelliMan: Wie Roboter in Zukunft lernen

Entwicklung eines KI-gesteuerten Manipulationssystems für fortschrittliche Roboterdienste. Das Potential von intelligenten, KI-gesteuerten Robotern, die in Krankenhäusern, in der Alten- und Kinderpflege, in Fabriken, in Restaurants, in der Dienstleistungsbranche und im…

Partner & Förderer