Mücken: Eine kommt, die andere geht

Modellierungen zur Verbreitung der beiden invasiven Mückenarten. © Senckenberg

Die Tigermücke (Aedes albopictus) gehört zu den 100 schlimmsten invasiven Arten und auch deren enge Verwandte, die Asiatische Buschmücke (Aedes japonicus) genießt keinen guten Ruf: „Beide Mückenarten sind potentielle Überträger, sogenannte Vektoren, einer Reihe von Infektionskrankheiten auslösenden Viren.

Dazu zählen Zika-, Dengue-, West-Nil- oder Chikungunya-Viren“, erklärt Prof. Dr. Sven Klimpel vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum und der Goethe-Universität Frankfurt und fährt fort: „Wir haben nun untersucht, welche Lebensräume sich zukünftig klimatisch für diese beiden invasiven Arten eignen.“

Ursprünglich aus Asien stammend, haben sich Tiger- und Buschmücken aufgrund der Globalisierung sehr schnell in Europa ausgebreitet. Tigermücken gibt es bereits seit mehreren Jahrzehnten im Mittelmeerraum. Klimpel erläutert:

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich das potentielle Verbreitungsgebiet der Tigermücke in Europa durch den Klimawandel nach Norden und Nordosten ausdehnen wird. Für die Buschmücke dagegen bringt die globale Erwärmung eine Verkleinerung des Gebietes mit geeigneten Klimabedingungen in Europa mit sich.“

Das Forscherteam rund um den Frankfurter Parasitologen führte seine Modellierungen unter Verwendung verschiedener Szenarien des Welt-Klimarates (IPCC Intergovernmental Panel on Climate Change) durch. Im Hinblick auf die Frage, welches die wichtigen Umweltfaktoren für eine erfolgreiche Etablierung der Tigermücke in Europa sind, ergab die Studie, dass in Nord- und Osteuropa die Temperatur während der Wintermonate, der entscheidende „limitierende Faktor“ für die Tigermücke ist.

Die Mücken sind zwar bis zu einem gewissen Grad an kältere Temperaturen angepasst; liegen die Temperaturen aber unter der kritischen Grenze überleben ihre Eier nicht. „Durch den projizierten Klimawandel werden sich die Grenzen der potentiellen Verbreitungsgebiete aufgrund milderer Winter aber weiter nach Norden verschieben“, ergänzt Klimpel und fährt fort: „In Südeuropa werden wir die Tigermücke dagegen aufgrund der zunehmenden Sommertrockenheit nicht mehr so häufig antreffen, denn die Tiere sind unter anderem für ihre Fortpflanzung auf stehende Gewässer angewiesen.“

Für die Buschmücke, die an kühlere Bedingungen besser angepasst ist, wird sich nach den Ergebnissen der Modellierungen, das Gebiet mit geeigneten Klimabedingungen im Zuge des Klimawandels verkleinern. Ohne Anpassungen an die Klimaveränderungen, würde sich die Art vermutlich in kühlere Gebiete zurückziehen. „Dieser Mücken-Art wird es bei uns zukünftig schlicht zu warm“, fügt Klimpel hinzu.

Stechmücken gelten als die wichtigsten Überträger vektor-assoziierter Infektionserreger und Infektionskrankheiten zählen weltweit immer noch zu den häufigsten Todesursachen. „Wir haben gerade in der jüngeren Vergangenheit mit dem drastischen Auswirkungen von Zika gesehen, dass sich die Welt auf einige seltene, aber besonders gefährliche Erreger, die über Vektoren verbreitet werden, besser vorbereiten muss.

Gerade durch den anthropogen verursachten Klimawandel können einige dieser krankheitsübertragenden Arten, die bislang nur in den Tropen und Subtropen vorkommen, auch in Europa geeignete Klimabedingungen finden und sich etablieren. Unsere Modellierungen in Kombination mit langfristigen Überwachungs- und Erfassungsmaßnahmen helfen daher, auf eine mögliche Einwanderung vorbereitet zu sein und frühzeitig Gegenmaßnahmen ergreifen zu können“, gibt Klimpel einen Ausblick.

Kontakt
Prof. Dr. Sven Klimpel
Senckenberg Biodiversität und
Klima Forschungszentrum &
Goethe-Universität Frankfurt
Tel. 069- 7542 1895
sven.klimpel@senckenberg.de

Judith Jördens
Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Tel. 069- 7542 1434
pressestelle@senckenberg.de

Publikation
Cunze S, Kochmann J, Koch LK, Klimpel S
(2016) Aedes albopictus and Its Environmental Limits
in Europe. PLoS ONE 11(9): e0162116. doi:10.1371/
journal.pone.0162116

Cunze et al. Parasites & Vectors (2016) 9:573
DOI 10.1186/s13071-016-1853-2

Pressebilder können kostenfrei für redaktionelle Berichterstattung verwendet werden unter der Voraussetzung, dass der genannte Urheber mit veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nur im Rahmen der aktuellen Berichterstattung zulässig.

Pressemitteilung und Bildmaterial finden Sie auch unter www.senckenberg.de/presse

Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten und nachhaltig nutzen zu können – dafür arbeitet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit nunmehr 200 Jahren. Diese integrative „Geobiodiversitätsforschung“ sowie die Vermittlung von Forschung und Wissenschaft sind die Aufgaben Senckenbergs. Drei Naturmuseen in Frankfurt, Görlitz und Dresden zeigen die Vielfalt des Lebens und die Entwicklung der Erde über Jahrmillionen. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main wird von der Stadt Frankfurt am Main sowie vielen weiteren Partnern gefördert.

Mehr Informationen unter www.senckenberg.de

200 Jahre Senckenberg! 2017 ist Jubiläumsjahr bei Senckenberg – die 1817 gegründete Gesellschaft forscht seit 200 Jahren mit Neugier, Leidenschaft und Engagement für die Natur. Seine 200-jährige Erfolgsgeschichte feiert Senckenberg mit einem bunten Programm, das aus vielen Veranstaltungen, eigens erstellten Ausstellungen und einem großen Museumsfest im Herbst besteht. Natürlich werden auch die aktuelle Forschung und zukünftige Projekte präsentiert.

Mehr Infos unter: www.200jahresenckenberg.de

Media Contact

Judith Jördens Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie

Der innovations-report bietet im Bereich der "Life Sciences" Berichte und Artikel über Anwendungen und wissenschaftliche Erkenntnisse der modernen Biologie, der Chemie und der Humanmedizin.

Unter anderem finden Sie Wissenswertes aus den Teilbereichen: Bakteriologie, Biochemie, Bionik, Bioinformatik, Biophysik, Biotechnologie, Genetik, Geobotanik, Humanbiologie, Meeresbiologie, Mikrobiologie, Molekularbiologie, Zellbiologie, Zoologie, Bioanorganische Chemie, Mikrochemie und Umweltchemie.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Entwicklung von High-Tech Tech-Schattenmasken für höchsteffiziente Si-Solarzellen

Das Technologieunternehmen LPKF Laser & Electronics AG und das Institut für Solarenergieforschung Hameln (ISFH) haben einen Kooperationsvertrag vereinbart: Gemeinsam werden sie Schattenmasken aus Glas von LPKF zur kostengünstigen Herstellung hocheffizienter…

Hitzewellen in den Ozeanen sind menschgemacht

Hitzewellen in den Weltmeeren sind durch den menschlichen Einfluss über 20 Mal häufiger geworden. Das können Forschende des Oeschger-Zentrums für Klimaforschung der Universität Bern nun belegen. Marine Hitzewellen zerstören Ökosysteme…

Was Fadenwürmer über das Immunsystem lehren

CAU-Forschungsteam sammelt am Beispiel von Fadenwürmern neue Erkenntnisse über die Regulation der angeborenen Immunantwort. Alle höheren Lebewesen verfügen über ein Immunsystem, das als biologischer Abwehrmechanismus den Körper vor Krankheitserregern und…

By continuing to use the site, you agree to the use of cookies. more information

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close