Mitmachprojekt "Finde den Wiesenknopf" im Wissenschaftsjahr 2012 – Zukunftsprojekt ERDE gestartet

Der Große Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis) ist für viele Insekten und andere Wirbellose eine wichtige Nahrungsgrundlage. Foto: André Künzelmann/UFZ (Nutzungsbeschränkung: kostenfrei bei redaktioneller Nutzung, Verwendung nur unter Angabe der Quelle und nur im Zusammenhang mit dem UFZ)<br>

Der Große Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis) ist für viele Insekten und andere Wirbellose eine wichtige Nahrungsgrundlage, darunter auch für besonders gefährdete Tagfalter wie die Wiesenknopf-Ameisenbläulinge. Ohne diese Pflanze können diese Schmetterlinge nicht überleben.

Im Rahmen des Tagfaltermonitoring Deutschlands sammeln seit 2005 über 500 Freiwillige bundesweit Daten über Schmetterlinge. Dieses Beobachtungsnetz soll jetzt im Wissenschaftsjahr 2012 – Zukunftsprojekt ERDE durch ein Monitoring des Wiesenknopfs ergänzt werden, das vom Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird. „Citizen Science“, Wissenschaft zum Mitmachen, ist ein Ansatz, der immer mehr an Bedeutung gewinnt und der in der aktuellen Ausgabe des UFZ-Newsletters ausführlich vorgestellt wird.

Der Große Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis) ist eine typische Grünlandpflanze, die von vielen Insekten als Nahrungspflanze genutzt wird. Die Blühphänologie, der Lebensraum und insbesondere die Blütenbesucher des Großen Wiesenknopfes sollen auf der Webseite http://www.ufz.de/wiesenknopf/ eingegeben werden.

Den Lebensräumen des Wiesenknopfes kommt eine besondere Bedeutung für den europaweiten Artenschutz zu – besonders auch dadurch, dass es sich um landwirtschaftlich genutzte Flächen handelt. Zwei prominente Besucher des Großen Wiesenknopfes sind der Helle und der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling Maculinea teleius und Maculinea nausithous. „Wir wollen daher wissen, wann und wo in Deutschland der Große Wiesenknopf blüht und welche Insekten ihn besuchen“, sagt Agrarökologe Dr. Josef Settele vom UFZ, der das Projekt zusammen mit seinen Hallenser KollegInnen ins Leben gerufen hat.

Der Ameisenbläuling bezaubert wie viele Tagfalter durch seine farbenfrohen Flügel. Anders jedoch als die bekannte Raupe Nimmersatt fressen sich die Raupen des Ameisenbläulings nicht durch das Blattwerk von Pflanzen bis sie sich einen Ort zum Verpuppen suchen, sondern wählen einen anderen Weg. Sie überlassen ihre eigene Verpflegung und ihren Schutz einer anderen Spezies. Sobald die Raupen des Ameisenbläulings eine gewisse Größe erreicht haben, lassen sie sich zu Boden fallen und warten bis eine bestimmte Ameisenart, die so genannten Knotenameisen, sie aufsammelt und in ihren Bau trägt. Dabei nutzen die Raupen ein chemisches Täuschungsmanöver, welches die Ameisen glauben lässt, sie würden ihre eignen Larven versorgen. Einmal im Nest angelangt, fangen die Raupen entweder an, Eier und Larven der Ameisen zu verzehren, oder sich wie Kuckuckskücken von den Arbeiterinnen der Ameisen füttern zu lassen. Wenn sie ausreichend genährt wurden, verpuppen sie sich und verwandeln sich in wunderschöne, blau schimmernde Schmetterlinge.

Informationen über den Bestand von Arten wie den Ameisenbläulingen zu bekommen funktioniert flächendeckend nur Dank der Mithilfe von hunderten Freiwilligen, die ehrenamtlich die Natur beobachten, Daten sammeln und es so ermöglichen, langfristige Trends zu erkennen. Moderne Kommunikationsmittel wie Internet oder Fotohandys helfen dabei. So haben beispielsweise über 6500 Freiwillige in ganz Europa beim „Evolution Megalab“ Bänderschnecken beobachtet, um die Anpassung der Schneckengehäuse an den Klimawandels zu studieren.

Mehr zum Thema „Citizen Science“ lesen Sie in der Juni-Ausgabe des UFZ-Newsletters.

Die Wissenschaftsjahre sind eine Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gemeinsam mit Wissenschaft im Dialog (WiD). Seit dem Jahr 2000 fördern sie den Austausch zwischen Öffentlichkeit und Forschung. Im Wissenschaftsjahr 2012 – Zukunftsprojekt Erde stehen drei zentrale Fragen im Mittelpunkt: Wie wollen wir leben? Wie müssen wir wirtschaften? Und: Wie können wir unsere Umwelt bewahren? Damit fördert das Wissenschaftsjahr 2012 die gesellschaftliche Debatte über die Ziele, Herausforderungen und Aktionsfelder einer nachhaltigen Entwicklung.

Links:
„Wissenschaft zum Mitmachen“ – Titelthema des UFZ-Newsletters Juni 2012:
http://www.ufz.de/index.php?de=10690

Projekt „Finde den Wiesenknopf“
http://www.ufz.de/wiesenknopf/
http://www.european-butterflies.ufz.de/data/05%20Ulbrich_citizen_science%2017552.pdf

Maculinea-Film des UFZ:
http://www.youtube.com/watch?v=1aiPZew1Zbw

EU-Projekt „EU-wide monitoring methods and systems of surveillance for species and habitats of Community interest“ (EuMon):
http://eumon.ckff.si/index1.php

Tagfalter-Monitoring Deutschland (TMD):
http://www.tagfalter-monitoring.de/

Schnelle Evolution bei Schnecken / EvolutionMegalab:
http://www.ufz.de/index.php?de=21422

Wissenschaftsjahr 2012 – Zukunftsprojekt ERDE:
http://www.zukunftsprojekt-erde.de/

Weitere Informationen:
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ
Dr. Karin Ulbrich
Telefon: 0345-558-5318
http://www.ufz.de/index.php?de=6388
oder über
Tilo Arnhold (UFZ-Pressestelle)
Telefon: 0341-235-1635
http://www.ufz.de/index.php?de=640

Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg 1000 Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.
http://www.ufz.de/

Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie, Verkehr und Weltraum. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit über 33.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 18 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 3,4 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).

http://www.helmholtz.de

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