Korallen: Schutzschild gegen Klimawandel entdeckt

Koralle: Forscher enttarnen Schutzmechanismus (Foto: pixelio.de, Dieter Schütz)<br>

Wissenschaftler an dem zum Nationalen Forschungsrat CNR gehörenden Istituto delle Scienze Marine haben einen Mechanismus aufgedeckt, mit dem sich bestimmte Korallenarten gegen den Klimawandel schützen. Damit ist die fortschreitende Versäuerung der Weltmeere in anderes Licht gerückt.

Zu viel CO2 in Weltmeeren

„Es gibt Korallen mit einer aragonitischen Kalkstruktur und solche, die aus Kalzit bestehen“, erklärt Projektleiter Paolo Montagna gegenüber pressetext. Unter Verwendung von Bor-Isotopen wurden die Unterschiede der pH-Werte im freien Ozean zu denen im Koralleninneren ermittelt. „Dabei haben wir festgestellt, dass aragonitische Korallen wie beispeilsweise Acropora und Porites einen Anpassungsmodus besitzen, mit dem der im Inneren herrschende pH-Wert erhöht werden kann.“

Tatsache ist, dass der CO2-Gehalt in den Weltmeeren seit 1800 um 40 Prozent gestiegen ist und dabei 30 Prozent der vom Menschen hervorgerufenen Emissionen absorbiert wurden. „Das damit verbundene Absinken des pH-Wertes von 8,2 auf 8,1 mag zwar als geringfügig erscheinen. Doch aufgrund paläoklimatischer Studien wissen wir, dass der pH-Wert in den Ozeanen während der vergangenen zwei Mio. Jahre nie unter 8,1 gefallen ist und bei Fortgang der derzeitigen CO2-Belastung im Jahr 2100 bis auf 7,7 sinken würde“, so Montagna.

Versäuerung schreiet voran

Grund zur Beruhigung gibt es nicht, da die aus Kalzit aufgebauten Korallen die aufgedeckte Möglichkeit zur Selbstregulierung nicht haben und deshalb die meisten Korallenriffe der Versäuerung schutzlos ausgeliefert sind. Deshalb nimmt die Fähigkeit der Weltmeere zur Aufnahme von CO2 zum Schutz gegen den Treibhauseffekt längerfristig ab. Allerdings handelt es sich bei den Ozeanen um äußerst komplexe Gebilde, bei denen auch andere Einflussfaktoren wie Gewässerverschmutzung, Hitzewellen, Flusssedimente und Überfischung zu berücksichtigen sind.

Einzelheiten der Untersuchung sind in einem zusammen mit Wissenschaftlern der University of Western Australia http://uwa.edu.au unter dem Titel „Role of ph-up regulation in the resilience of coral calcification to ocean acidification an global warming“ in der Fachzeitschrift „Nature“ http://nature.com veröffentlicht.

Ansprechpartner für Medien

Harald Jung pressetext.redaktion

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie

Der innovations-report bietet im Bereich der "Life Sciences" Berichte und Artikel über Anwendungen und wissenschaftliche Erkenntnisse der modernen Biologie, der Chemie und der Humanmedizin.

Unter anderem finden Sie Wissenswertes aus den Teilbereichen: Bakteriologie, Biochemie, Bionik, Bioinformatik, Biophysik, Biotechnologie, Genetik, Geobotanik, Humanbiologie, Meeresbiologie, Mikrobiologie, Molekularbiologie, Zellbiologie, Zoologie, Bioanorganische Chemie, Mikrochemie und Umweltchemie.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Jenaer Forschungsteam erkennt Alzheimer an der Netzhaut

Alzheimer an den Augen erkennen, lange bevor die unheilbare Erkrankung ausbricht: Diesem Ziel ist ein europäisches Forschungsteam unter Beteiligung des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) einen Schritt näher gekommen. Mithilfe…

Multiple Sklerose – Immunzellen greifen Synapsen der Hirnrinde an

Schädigungen der grauen Hirnsubstanz tragen maßgeblich zur Progression der Multiplen Sklerose bei. Ursache sind Entzündungsreaktionen, die zum Synapsenverlust führen und die Aktivität der Nervenzellen vermindern, wie Neurowissenschaftler zeigen. Multiple Sklerose…

BASE eröffnet neue Möglichkeiten für die Suche nach kalter dunkler Materie

Das Baryon-Antibaryon-Symmetrie-Experiment (BASE) am Antiprotonen-Entschleuniger des CERN hat neue Grenzen für die Masse von Axion-ähnlichen Teilchen – hypothetischen Teilchen, die Kandidaten für dunkle Materie sind – festgelegt und eingeschränkt, wie…

Partner & Förderer