Kleine Fische warnen: Riffe gefährdet

Die kleinsten Fische am Great Barrier Reef senden Warnungen aus, dass sich die natürlichen Systeme an den Korallenriffen derzeit massiv verändern.

Möglicherweise sei das auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen. Das haben Forscher des ARC Centre of Excellence for Coral Reef Studies und der James Cook University herausgefunden. Der Ichtyologe David Bellwood hat festgestellt, dass die Zahl der Grundeln, die in großer Zahl am Riff leben, in den vergangenen Jahren stark abgenommen hat.

„Das ist ein interessanter Artikel, der uns darauf aufmerksam macht, dass Grundeln, sehr kleine – 25 bis 45 Millimeter lange – am Boden lebende Rifffische, die von vielen Schnorchlern, Tauchern, aber auch Riffforschern übersehen werden und heutzutage an vielen Standorten im Great Barrier Reef fehlen oder stark dezimiert sind“, meint Korallenexperte Christian Wild, Leiter der Coral Reef Ecology Arbeitsgruppe am GeoBio-Center München gegenüber pressetext. Nach der großen Korallenbleiche im Indopazifik von 1998 habe sich das Great Barrier Reef auf den ersten Blick gut erholt. „Die Befunde dieser aktuellen Studie deuten allerdings darauf hin, dass dies nicht wirklich der Fall ist und starke Schädigungen von Korallenriffen unwiederbringlich sein können bzw. Langzeitfolgen nach sich ziehen.“

„Tropische Korallenriffe sind sehr komplexe Lebensräume. Viele potenziell wichtige Prozesse sind bis heute nicht verstanden und viele Lebewesen und ihre ökologische Rolle im Ökosystem Riff nicht untersucht“, erklärt Wild. „Grundeln sind aufgrund ihrer kurzen Generationszeiten gute Bioindikatoren für eine Veränderung von Korallenriffen. Zudem stellen Grundeln die Nahrungsgrundlage von vielen Rifforganismen dar.“ Ihr Fehlen wirke sich also potenziell auf Nahrungsketten im Riff aus und beeinflusst das Funktionieren des ganzen Ökosystems. „Die Ergebnisse von David Bellwood und seinen Kollegen belegen einmal mehr den Verlust von Biodiversität, also der Vielfalt von Organismen, in Korallenriffen aufgrund der Kombination verschiedener Stressfaktoren wie etwa Klimawandel, Überfischung und Eintrag von Nährstoffen. Es zeigt aber auch, dass diese Schädigungen weitgehender sind als wir bisher angenommen haben“, so Wild.

„Die Fische mögen zwar klein sein, aber sie sind sehr wichtig. Und sie erzählen uns, dass sich die Welt dort unten stark verändert hat und dass wir möglicherweise nicht in der Lage sind, die Dinge so zu managen, wie wir uns das vorstellen“, schreibt Bellwood. Während große Rifffische zwischen fünf und zehn Jahre alt werden, haben die Grundeln eine durchschnittliche Lebensdauer von knapp 100 Tagen. „Von zehn Grundeln überleben nur neun den Tag, da sie für viele andere Tiere gute Beute sind“, erklärt der Forscher.

Wenn die Schnellbrüter plötzlich nicht mehr da sind, sei dies ein sicheres Zeichen, dass etwas anders geworden ist, erklärt der Experte. Bis jetzt sei nicht geklärt, welche Faktoren tatsächlich für das Verschwinden der Grundeln verantwortlich sind. Derzeit arbeitet ein Dutzend Forscher daran, die Ökologie der kleinen Fische zu erforschen.

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Wolfgang Weitlaner pressetext.austria

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