Kanarienvogelrasse wird zwangsläufig schwerhörig – Genetische Störung setzt erst nach Schlüpfen ein

Wissenschaftler erforschen daher seit einiger Zeit die dabei zugrundeliegenden Mechanismen, um die Regeneration der Sinneszellen auch für den Menschen möglich zu machen. Dabei ist die Kanarienvogelrasse der „Belgischen Wasserschläger“ (BW) besonders interessant.

Sie wurde über Jahrhunderte für einen lauten und Nachtigall-artigen Gesang herangezüchtet. Dabei hat sich bei dieser Art aber eine genetisch bedingte Hörstörung entwickelt, die unter anderem durch den Verlust von Haar-Sinneszellen im Innenohr hervorgerufen wird.

Seit vielen Jahren wird diese Hörstörung an der HNO-Klinik der Universität Regensburg von PD Dr. Otto Gleich – in Kooperation mit Prof. Dr. Robert J. Dooling von der University of Maryland in den USA – untersucht. In einer neuen Studie konnten die Forscher aus Regensburg und Maryland nun nachweisen, dass die Hörstörung und der Haarzellverlust bei den „BW-Kanarienvögeln“ nicht angeboren sind, sondern sich erst im Verlauf von mehreren Wochen nach dem Schlüpfen entwickeln. Dazu wurden die Haar-Sinneszellen von den Forschern anatomisch untersucht. Darüber hinaus erfassten die Wissenschaftler die Hörschwellen – also den Schalldruckpegel, bei dem das Gehör Geräusche gerade noch wahrnimmt – mittels elektrophysiologischer Messungen in der Phase zwischen dem Schlüpfen und dem Erreichen eines Alters von drei Monaten.

Unmittelbar nach dem Schlüpfen zeigte sich bei der Messung der Hörschwellen kein wesentlicher Unterschied zwischen BW-Kanarienvögeln und anderen Kanarienvogelrassen. Dasselbe wurde für die Anzahl der Haar-Sinneszellen festgestellt. Während der ersten Wochen nach dem Schlüpfen wiesen BW-Kanarienvögel eine annähernd normale Reifung der Hörschwellen auf, wobei sie im Alter zwischen zwei und vier Wochen ein im Vergleich zu erwachsenen Artgenossen deutlich besseres Hörvermögen aufwiesen. Im Alter zwischen ein und drei Monaten entwickelte sich dann aber die typische Hörstörung. Dieser Verlust des Hörvermögens spiegelt sich auch in anatomischen Befunden der Regensburger Forscher wider, wonach die BW-Kanarienvögel ab einem Alter von einem Monat auch verstärkt Haar-Sinneszellen verlieren.

Die Ergebnisse der Wissenschaftler sind vor kurzem in der renommierten Fachzeitschrift „Hearing Research“ erschienen (DOI: 10.1016/j.heares.2010.07.003).

Hörforschung an der Universität Regensburg:
An der HNO-Klinik der Universität Regensburg wurde 1992 das Labor für Hörforschung eingerichtet. Die Arbeit der beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konzentriert sich auch auf die Erforschung von altersbedingter Schwerhörigkeit am Tiermodell. In den letzten Jahren wurden beim Menschen verstärkt Hinweise darauf gefunden, dass die Verarbeitung von rasch aufeinanderfolgenden Geräuschsignalen im Alter beeinträchtigt ist. Am Tiermodell wird dabei untersucht, wie sich diese Entwicklung nachweisen lässt und welche Reize geeignet sind, um die altersbedingten Veränderungen in der zentralen Hörbahn frühzeitig zu erkennen und zu beeinflussen. Wie aber fragt man Tiere, ob sie einen Ton hören oder nicht? Um diese Frage zu beantworten, nutzen die Forscher natürliche Verhaltensweisen der Tiere aus. So wird von den Regensburger Forschern auch ein Verfahren benutzt, mit dem das Hörvermögen bei der Wüstenrennmaus, im Vergleich mit Daten vom Menschen, bestimmt werden kann.
Ansprechpartner für Medienvertreter:
PD Dr. Otto Gleich
Universität Regensburg
HNO-Klinik
Tel.: 0941 944-9426
Otto.Gleich@klinik.uni-regensburg.de

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Alexander Schlaak idw

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