Gleiches Gen stört Sprache, Lautbildung und Lesen

Störungen von Sprache, Lautbildung und Lesefähigkeit gehen auf ein gemeinsames Gen zurück. Das berichten Forscher aus den USA und Spanien im Journal of Neurodevelopmental Disorders. Sie überprüften, welche genetische Voraussetzungen Spezifische Sprachentwicklungsstörungen haben können. Man vermutet, dass eine ganze Reihe von Genen Sprachstörungen auslösen, von denen einige auch zu Lese- und Sprechproblemen beitragen können, von denen man nun eines entschlüsseln konnte.

„Dass Spezifische Sprachentwicklungsstörungen genetisch bedingt sind, ist mittlerweile unbestritten“, kommentiert Hannelore Grimm, emeritierte Entwicklungspsychologin der Universität Bielefeld http://www.uni-bielefeld.de/psychologie , im pressetext-Interview die Forschung. Eindeutig sei dies aufgrund der Tatsache, dass über Kultur- und Sprachgrenzen hinweg der Anteil der davon betroffenen Kinder stets acht bis zwölf Prozent betrage. „Die stets ähnlich auftretende Ausprägung spricht dafür, dass diese Störung universell ist“, so die Entwicklungspsychologin. Wichtigstes Kennzeichen dieser Störung sei, dass Kinder trotz normaler nicht-sprachlicher Intelligenz und keiner weiteren Beeinträchtigungen wie Autismus und psychische Störungen starke Probleme mit Sprache, Sprechen und Lesen haben. Ausschließen müsse man weiters auch Spracherwerbs- und Lernstörungen, die meist auf ein soziales Milieu zurückgehen, das die Kinder nicht genug zum Sprechen animiert.

Die Forscher untersuchten 322 Personen, darunter Kinder mit Spezifischen Sprachentwicklungsstörungen sowie ihre Eltern, Geschwister und andere Familienmitglieder. Dabei fiel ein Zusammenhang zwischen einem Gen auf dem sechsten Chromosom mit unterschiedlichen Fähigkeiten für Sprache, Sprechen und Lesen auf. „Es ist uns klar geworden, dass Sprachfähigkeit auch die Basis für die Lesefähigkeit ist. Ohne ein solides Sprachsystem ist es schwer, diese zu entwickeln“, erklärt Studienleiterin Mabel Rice von der Kansas University http://www2.ku.edu/~splh/ . Sprachfähigkeiten umfassen Vokabular und Grammatik, während die Sprechfähigkeit sich auf die Lautbildung bezieht. Beides trägt in Summe zur Lesefähigkeit eines Kindes bei. Da das gefundene Kandidatengen alle drei Bereiche beeinflusst, könne man davon ausgehen, dass ein gemeinsamer Zugangsweg für die Überlappung von Stärken oder Schwächen in diesen Fähigkeiten existiert.

Für die Überwindung der Spezifischen Sprachentwicklungsstörung ist es wichtig, sie früh zu erkennen und darauf zu reagieren. „Werden Kinder sehr früh durch spezielle Therapien gefördert, kann das die Störung vermindern oder sogar verschwinden lassen. Viele schaffen es, zu ihren Alterskollegen mit normalen Fähigkeiten aufzuschließen und sind dann nicht mehr in der Schule, beim Lernen oder beim Lesen beeinträchtigt“, erklärt Grimm.

Den Originalartikel finden Sie unter http://www.springerlink.com/content/6808305j34217466/fulltext.pdf

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Johannes Pernsteiner pressetext.deutschland

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