Forschung für die Behandlung und Heilung von Diabetes mellitus: Stammzellen sollen transplantierte Betazellen unterstützen

Experimentelle Studien zeigen, dass Betazellen prinzipiell zur Erneuerung fähig sind. Außerdem ist es bereits möglich, sie zu transplantieren. Wie diese Erkenntnisse für die künftige Therapie von Menschen mit Diabetes genutzt werden könnte, ist ein Thema der 45. Jahrestagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG). Sie findet vom 12. bis 15. Mai 2010 im Internationalen Congress Center Stuttgart statt.

„Wird Versuchstieren ein Teil der Bauchspeicheldrüse entfernt, steigt im übrigen Teil die Zahl der Betazellen”, erläutert Professor Jochen Seufert, Leiter der Abteilung Endokrinologie und Diabetologie, Innere Medizin II des Universitätsklinikums Freiburg: „Den gleichen Effekt haben dauerhaft hohe Blutzuckerspiegel”. Die Zellen entstehen durch Zellteilung noch erhaltener Betazellen oder durch Neubildung aus Stammzellen. Die Fähigkeit zur natürlichen Selbsterneuerung Regeneration ist jedoch beschränkt. „Sie reicht nicht aus, um eine Diabeteserkrankung zu verhindern”, sagt Seufert. Doch die Kenntnis der Mechanismen, die sie steuern, könnte zu neuen Therapien führen.

Hoffnungen bestehen unter anderem beim Typ-1-Diabetes mellitus, an dem vor allem jüngere Menschen erkranken, weil das körpereigene Immunsystem die Betazellen weitgehend vernichtet. „Die Möglichkeiten der Regeneration aus anderen Betazellen sind dann begrenzt”, sagt Professor Seufert. Die Forschung konzentriere sich deshalb auf die Behandlung mit Stammzellen, die aus dem Knochenmark gewonnen werden. „Sie könnten als erstes im Rahmen einer Inselzelltransplantation zum Einsatz kommen”, erwartet der Freiburger Diabetes-Experte. Bei dieser Therapie werden aus einer gespendeten Bauchspeicheldrüse die Langerhans’schen Inseln, sie enthalten die Betazellen, isoliert. Die Inselzellen werden dann über einen Katheter in die Blutgefäße der Leber geleitet, wo sie einwachsen und Insulin produzieren. Diese Therapie wird klinisch bei Menschen mit Diabetes mellitus durchgeführt „Die Patienten kommen allerdings nur vorübergehend ohne Insulinspritzen aus“, berichtet Professor Seufert. Nach einiger Zeit sterben die transplantierten Inseln ab, da sie an ihrem neuen Heimatort nicht ausreichend durchblutet werden. Hier sollen die Stammzellen helfen. In den experimentellen Studien an Tieren haben sie nach Auskunft von Professor Seufert die Bildung von neuen Blutgefäßen in den Inselzelltransplantaten gefördert: „Wir hoffen, dass die neue Therapie das Absterben der transplantierten Inseln verhindert und die Patienten vielleicht auf Dauer ohne Insulininjektionen auskommen. Für die Patienten wäre dies ein großer Gewinn an Lebensqualität.”

Terminhinweise:

Symposium:
Therapeutische Regeneration der Langerhans’schen Inseln –
Mission impossible?
Samstag, 15. Mai 2010, von 10.15 bis 11.45 Uhr
Saal Stolte des Internationalen Congresscenters Stuttgart (ICS)
Messepiazza, 70629 Stuttgart
Kongress-Pressekonferenz:
am Freitag, den 14. Mai 2010, von 12.15 bis 13.15 Uhr
Ort: Tagungsraum C 4.2, ICS International Congresscenter Stuttgart,
Messepiazza, 70629 Stuttgart
Themen und Referenten:
Highlights der 45. Jahrestagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft:
Neue Medikamente in der Diabetestherapie
Professor Dr. med. Michael Nauck, Tagungspräsident 45. Jahrestagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG), Leitender Arzt Diabeteszentrum Bad Lauterberg, Bad Lauterberg im Harz
Die Diabetologie in Deutschland gemeinsam weiter verbessern:
Gesundheitspolitische Maßnahmen
Professor Dr. med. Thomas Danne, Vorstandsvorsitzender diabetesDE, Präsident der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG), Hannover
Die Lebensqualität steigern und Folgeerkankungen vorbeugen:
Die Therapietreue der Patienten fördern – Aktuelle Ergebnisse und Konzepte
Dr. med. Alexander Risse, Leitender Arzt Diabeteszentrum Medizinische Klinik Nord, Dortmund
Neue Frühdiagnostik- und Therapiemöglichkeiten bei Diabetes Typ 1:
Die Bedeutung neuer Immunmarker und der Übertragung von Nabelschnurblut
Prof. Dr. med. Anette-Gabriele Ziegler, Beisitzerin der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG), Leiterin des Instituts für Diabetesforschung am Helmholtz Zentrum München, Sprecherin Kompetenznetz Diabetes mellitus, München
Mit Bewegung die Prognose bei Diabetes Typ 2 verbessern:
Mehr körperliche Fitness für eine gute Stoffwechseleinstellung
Professor Dr. med. Johannes Martin Halle, Ärztlicher Direktor des Zentrums für Prävention und Sportmedizin Medizinische Universitätsklinik Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München
Kontakt für Journalisten:
Pressestelle 45. DDG-Jahrestagung
Julia Hommrich
Pf 30 11 20, 70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931 423, Fax: 0711 8931 167
Hommrich@medizinkommunikation.org

Media Contact

Beate Schweizer idw

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie

Der innovations-report bietet im Bereich der "Life Sciences" Berichte und Artikel über Anwendungen und wissenschaftliche Erkenntnisse der modernen Biologie, der Chemie und der Humanmedizin.

Unter anderem finden Sie Wissenswertes aus den Teilbereichen: Bakteriologie, Biochemie, Bionik, Bioinformatik, Biophysik, Biotechnologie, Genetik, Geobotanik, Humanbiologie, Meeresbiologie, Mikrobiologie, Molekularbiologie, Zellbiologie, Zoologie, Bioanorganische Chemie, Mikrochemie und Umweltchemie.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Heiße Elektronen

Eine außergewöhnliche Form des Wärmetransports in Metallen Auf Nanoskalen kann beim Aufheizen einer Platinschicht Wärme mithilfe heißer Elektronen durch eine Kupferschicht an eine Nickelschicht weitergegeben werden, ohne den dazwischenliegenden Kupferfilm…

Intelligente Software zum besseren Verständnis der Entwicklung von Pflanzengewebe

Unter Einsatz von Künstlicher Intelligenz haben Forscherinnen und Forscher ein neuartiges computergestütztes Verfahren der Bildverarbeitung für die Pflanzenwissenschaften entwickelt. In bisher nicht gekannter Präzision ermöglicht es die detailgetreue 3D-Darstellung aller…

RadarGlass – Vom Autoscheinwerfer zum Radarsensor

Für moderne Fahrassistenzsysteme ist die Verwendung der Radartechnologie ein unverzichtbarer Technologiebestandteil. Durch den Einbau einer stetig wachsenden Zahl von Sensoren in Kombination mit der begrenzten Verfügbarkeit exponierter Messstellen ist kaum…

By continuing to use the site, you agree to the use of cookies. more information

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close