Zur Eiersuche in den Atlantik

Die sechswöchige Reise führt das Schiff in westbritische Gewässer, in die Keltische See westlich von Irland und den Golf von Biskaya. An Bord arbeiten Fischereiwissenschaftler des Johann Heinrich von Thünen-Instituts (vTI) daran, wichtige Daten zur Bestandsgröße von Makrele und Stöcker (auch Holz- oder Pferdemakrele) zu gewinnen. Beide Bestände haben für die europäische Fischerei einen hohen wirtschaftlichen Stellenwert.

Bei den meisten Fischarten schätzt man mit Hilfe von Grundschleppnetzfängen oder über hydroakustische Methoden, wie viele Fische es von der jeweiligen Art gibt. Bei Makrele und Stöcker schließt man über die abgelegten Eier auf die Anzahlen der Elterntiere zurück. Weiß man zusätzlich die Anzahl der Eier, die ein durchschnittliches Weibchen in der Saison ablaicht, dann lässt sich auch die Größe des Laicherbestandes bestimmen.

Makrele und Stöcker laichen vom Januar bis in den Juli hinein entlang der europäischen Schelfkante von Portugal bis hinauf zu den Färöer-Inseln. Nur wenn über den gesamten Zeitraum und möglichst im ganzen Gebiet nach Eiern gesucht wird, kommt man zu einer hinreichend genauen Einschätzung. Um dies zu erreichen, bedarf es eines enormen und kostspieligen Aufwands, weshalb der Survey auch nur alle drei Jahre stattfindet. In diesem Jahr beteiligen sich neun Nationen – Portugal, Spanien, Irland, Großbritannien, die Niederlande, Norwegen, Deutschland, die Faröer-Inseln und Island – mit insgesamt 11 Schiffen an dieser vom Internationalen Rat für Meeresforschung (ICES) koordinierten und von der europäischen Union mitfinanzierten Kampagne. Jedes Schiff wird ein unterschiedlich großes Puzzleteil beitragen, das am Ende die Gesamtbestandsgröße liefert.

Die Wissenschaftler an Bord der „Walther Herwig III“ werden in ihrem Untersuchungsgebiet alle 15 Seemeilen eine Planktonprobe mit so feinmaschigen Netzen nehmen, dass auch die Fischeier abgeschöpft werden. Noch während der Reise werden die Makrelen- und Stöckereier aus den Proben sortiert und bestimmt. Zusätzlich werden regelmäßig Netzfänge durchgeführt, um erwachsene Tiere zu erhalten. Diese Stichproben werden genau untersucht, um Daten zur Biologie der Elterntiere zu gewinnen.

Auch wenn auf See normalerweise sonn- und feiertags durchgearbeitet wird, können sich Wissenschafterteam und Crew der „Walther Herwig“ doch berechtigte Hoffnung machen, dass der Schiffskoch für sie am Ostersonntag das eine oder andere Osterei bereithält. Und das wird vom Huhn stammen und nicht etwa vom Seehasen.

Im August werden die Ergebnisse aller Nationen miteinander verrechnet sein und das Gesamtergebnis dem internationalen Rat für Meeresforschung übermittelt, der diese Daten nutzt, um die Bestandsentwicklung vorherzusagen und Fangempfehlungen an die Europäische Union auszusprechen.

Media Contact

Dr. Michael Welling idw

Weitere Informationen:

http://www.vti.bund.de

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