DNA-Barcoding erhöht Artenvielfalt – Münchener Forscher entdecken unbekannte Wespenart in Deutschland

Fachleute bewerten diesen Fund als sehr bedeutsam, weil Deutschland zu einem der zoologisch am besten erforschten Länder der Welt zählt und hier kaum noch mit unbekannten Arten gerechnet wird. Die neue Art ist eine Trugameise und gehört zur Insektenordnung der Hautflügler. Sie lebt als Brutparasit bei anderen Wespenarten.

„Dieses Ergebnis ist sensationell“, bewertet Dr. Christian Schmid-Egger diesen Fund. In Deutschland bestehe eine mehr als 200jährige Tradition in der Naturforschung, und das Auffinden bisher unbeschriebener Tierarten vor der eigenen Haustüre passiere extrem selten, sagt der Forscher. Normalerweise werden neue Arten im tropischen Regenwald, im Polarmeer oder an anderen schwer zugänglichen Orten der Erde entdeckt.

Christian Schmid-Egger betreut im Projekt Barcoding Fauna Bavarica die Hautflügler. Hierbei wird eine Gendatenbank erstellt, mit der Forscher Arten künftig auf sehr einfache Weise anhand eines genetischen Fingerabdrucks via Internet bis zur Art bestimmen. Sie sind damit nicht mehr auf den komplizierten Weg der Determination über mikroskopische Präparate angewiesen. Bei den Analysearbeiten fiel dem Insektenforscher auf, dass sich die Gencodes einer in Deutschland häufigen Trugameisenart zwei deutlich unterscheidbaren Gruppen zuordnen lassen. Weitere Nachforschungen bestätigten, dass es sich dabei um eine bereits bekannte und eine bisher für die Wissenschaft noch unbekannte Art handelt.

Der Fund zeige außerdem, wie wichtig die Bemühungen um den Natur- und Artenschutz in Deutschland sind, sagt Dr. Stefan Schmidt, Mitarbeiter der Zoologischen Staatsammlung und ebenfalls beteiligter Wespenforscher. Denn solange es noch unbekannte Arten vor der eigenen Haustüre zu entdecken gäbe, so der Wissenschaftler weiter, besitzt der Schutz von Biotopen mit möglichen weiteren Vorkommen unerforschter Arten allerhöchste Priorität.

Trugameisen sind ameisenähnliche Wespen, deren Weibchen flügellos sind. Die etwa fünf Millimeter großen und rot gefärbten Tiere kommen in Sandgebieten vor. Um sich fortzupflanzen, graben sie Nester anderer Wespen auf und legen ihr Ei in das Wirtsnest. Die Larve entwickelt sich wie ein Kuckuck als Brutparasit.

Das Projekt „Barcoding Fauna Bavarica“ ist Teil eines weltweites Verbundprojekt (iBol) mit Sitz in Guelph in Kanada. Leiter des Projektes ist der visionäre Forscher Paul Hebert, der sich zum Ziel gesetzt hat, alle Arten dieser Welt genetisch zu erfassen. Die Tiere können dann wie mit einem Barcode auf Lebensmitteln in einem Supermarkt einfach und eindeutig identifiziert werden.

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