SpongeBob mit Untermietern

Naturschwämme sind recht luftige Gebilde mit vielen kleinen Hohlräumen. Jeder kennt sie, ob aus dem Tauchurlaub oder aus der eigenen Badewanne. Garnelen kennt ebenfalls jeder, sei es vom eigenen Teller oder aus dem Heimaquarium. So weit so gut, aber was haben Schwämme mit Garnelen zu tun?

Sulawesi, bekannt durch seine teils skurrile und einzigartige Tierwelt (Babirussa, Kuskus), ist seit mehr als hundert Jahren Ziel zahlreicher Forschungsreisen, darunter auch die des berühmten Naturforschers Alfred Russel Wallace. In dem im zentralen Bergland der Insel gelegenen Süßwassersee entdeckten die Berliner Forscher einen Schwamm, der eine Reihe kleiner und auffallend hübsch gefärbter Garnelen beherbergt. Zunächst nichts Ungewöhnliches, da aus dem Meer zahlreiche solcher Beispiele bekannt sind.

Für reine Süßwasserseen jedoch eine kleine Sensation, da bisher noch nie zuvor beschrieben. Auffallend ist bereits die Form des Schwammes, der eher einem typischen (marinen) Badeschwamm mit vielen größeren Hohlräumen gleicht als seinen meist eher unscheinbaren Verwandten aus dem Süßwasser. Die Garnele Caridina spongicola, ebenfalls erst kürzlich von den Berliner Wissenschaftlern entdeckt und benannt, lebt nur auf dem Schwamm bzw. in dessen Hohlräumen. In einem einzelnen Schwamm wurden bis zu 137 Garnelen gefunden. Beide Arten kommen ausschließlich in der Ausflussbucht des Towuti-Sees vor und bilden eine Zweck- oder Lebensgemeinschaft. Im Vergleich zu anderen in dem See vorkommenden Garnelen ist C. spongicola sehr klein und vermutlich aus felsenbewohnenden Vorfahren hervorgegangen. Genetische und ökologische Untersuchungen haben gezeigt, dass sowohl Garnele als auch Schwamm relativ junge Arten sind, deren Entstehung durch Klimaschwankungen begünstigt worden sein könnte.

Natürlich interessierte die Forscher besonders der Sinn dieser Lebensgemeinschaft. Welche Vor- oder Nachteile brachte es dem Schwamm oder umgekehrt der Garnele? Von Seiten der Garnele hatte man schnell eine Vermutung: Der Schwamm bietet ihr Schutz vor Fressfeinden und ebenso Nahrung. Letzteres nicht durch fressen des Schwammgewebes, wie man vermuten könnte, sondern durch zahlreiche Nahrungspartikel, die sich auf dem Schwamm ansammeln. Lecker, denkt die Garnele und greift zu, aber ohne dem Schwamm direkt zu schaden. Die Schwammperspektive ist jedoch bisher noch ungeklärt. Vermutlich führen beide eine Art junger Zweckehe zum gegenseitigen Nutzen, hier besteht aber noch weiterer Forschungsbedarf. Klar ist jedenfalls, dass diese ungewöhnliche Lebensgemeinschaft durch menschlichen Einfluss stark gefährdet ist und es wäre schade, wenn sie verschwinden würde, bevor man sie genauer untersuchen und hinter ihr wahres Geheimnis kommen könnte.

Fotos zum Downloaden unter: http://download.naturkundemuseum-berlin.de/presse/Spongebob

Kontakt:
Wissenschaft: Kristina von Rintelen, geb./née Zitzler
Museum für Naturkunde der Humboldt-Universität Berlin
Invalidenstr. 43, 10115 Berlin, Germany
Tel.: +49 (0) 30 2093 8404
Fax: +49 (0) 30 2093 8565
Kristina.Rintelen@museum.hu-berlin.de
Evolution in Aktion! Die neuen Ausstellungen im Museum für Naturkunde ab 13. Juli 2007!
Dr. Gesine Steiner / Pressesprecherin
Servicebereich Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising
Museum für Naturkunde der Humboldt-Universität zu Berlin
Invalidenstrasse 43
10115 Berlin
Tel. +49(0)30 2093 8917
Fax. + 49(0)30 2093 8914
e-mail gesine.steiner@museum.hu-berlin.de

Media Contact

Dr. Gesine Steiner idw

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie

Der innovations-report bietet im Bereich der "Life Sciences" Berichte und Artikel über Anwendungen und wissenschaftliche Erkenntnisse der modernen Biologie, der Chemie und der Humanmedizin.

Unter anderem finden Sie Wissenswertes aus den Teilbereichen: Bakteriologie, Biochemie, Bionik, Bioinformatik, Biophysik, Biotechnologie, Genetik, Geobotanik, Humanbiologie, Meeresbiologie, Mikrobiologie, Molekularbiologie, Zellbiologie, Zoologie, Bioanorganische Chemie, Mikrochemie und Umweltchemie.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Die ungewisse Zukunft der Ozeane

Studie analysiert die Reaktion von Planktongemeinschaften auf erhöhtes Kohlendioxid Marine Nahrungsnetze und biogeochemische Kreisläufe reagieren sehr empfindlich auf die Zunahme von Kohlendioxid (CO2) – jedoch sind die Auswirkungen weitaus komplexer…

Neues Standardwerkzeug für die Mikrobiologie

Land Thüringen fördert neues System zur Raman-Spektroskopie an der Universität Jena Zu erfahren, was passiert, wenn Mikroorganismen untereinander oder mit höher entwickelten Lebewesen interagieren, kann für Menschen sehr wertvoll sein….

Hoher Schutzstatus zweier neu entdeckter Salamanderarten in Ecuador wünschenswert

Zwei neue Salamanderarten gehören seit Anfang Oktober 2020 zur Fauna Ecuadors welche aufgrund der dort fortschreitenden Lebensraumzerstörung bereits bedroht sind. Der Fund ist einem internationalen Team aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern…

By continuing to use the site, you agree to the use of cookies. more information

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close