Konzepte für eine nachhaltige Entwicklung

Oldenburger Wissenschaftler haben Konzepte für die Chemie zu einer nachhaltigen Entwicklung entworfen, die zur Umsetzung der Rio-Deklaration der Vereinten Nationen und der Agenda 21 beitragen sollen.

Oldenburg. Was kann die Chemie zu einer nachhaltigen Entwicklung, also zur Umsetzung der Rio-Deklaration der Vereinten Nationen von 1992 und der Agenda 21, dem von mehr als 170 Staaten verabschiedeten Arbeitsprogramm für das 21. Jahrhundert, beitragen? Welche Konzepte müssen dazu entwickelt werden? Diesen Fragen gehen vier Wissenschaftler der Universität Oldenburg in einem Beitrag in der international renommierten Fachzeitschrift „Angewandte Chemie“ nach. Bei den Autoren handelt es sich um die Chemiker Prof. Dr. Jürgen O. Metzger und Dr. Marco Eissen, den Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Uwe Schneidewind und den Politologen Prof. Dr. Eberhardt Schmidt („10 Jahre nach Rio – Konzepte zum Beitrag der Chemie zu einer nachhaltigen Entwicklung“, in: Angewandte Chemie 2002, 114, Nr. 3, S. 402-425). Der Beitrag steht in Zusammenhang mit der Vorbereitung der „Rio + 10 Konferenz“, die vom 26. August bis 4. September in Johannesburg/Südafrika stattfinden wird.

„Die Menschen stehen im Mittelpunkt der Bemühungen um eine nachhaltige Entwicklung. Sie haben das Recht auf ein gesundes und produktives Leben im Einklang mit der Natur.“ So lautet der erste Grundsatz der Rio-Deklaration. Die Weltbevölkerung wird von gegenwärtig sechs Milliarden – davon 1,2 Milliarden in den industrialisierten Ländern – auf neun Milliarden im Jahr 2050 steigen. Das Wachstum wird nahezu ausschließlich in den heutigen Entwicklungsländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas stattfinden. Der Lebensstandard in den Entwicklungsländern muss, wenn es nicht zu verheerenden Auseinandersetzungen kommen soll, wachsen und sich immer mehr dem der Industrieländer anpassen. Neben dem Bedarf an Nahrungsmitteln wird auch der an sonstigen Gütern gewaltig ansteigen. Das bedeutet: Ressourcen müssen sehr viel effizienter als heute genutzt werden, d. h. mit der gleichen oder sogar einer geringeren Quantität an Ressourcen muss ein Vielfaches an Gütern produziert werden. Angesichts dieser gigantischen Herausforderungen für die Wissenschaften müsse die gegenwärtig so heiß diskutierte Stammzellenforschung als Luxusforschung der Industrieländer geradezu absurd erscheinen, sagte dazu einer der Autoren, Prof. Dr. Jürgen O. Metzger.

Die Verbände der chemischen Industrien Europas, Japans und der USA haben sich in ihren Zukunftsprogrammen explizit zu ihrer Verpflichtung zu einer nachhaltigen Entwicklung bekannt. Die Oldenburger Wissenschaftler untersuchen beispielhaft Innovationen der Chemie in ihrer ökologischen, ökonomischen und sozialen Dimension, und zwar unter einer „integrierten“ und interdisziplinären Perspektive. Die ressourcenschonende Produktion von Basis-Chemikalien sei aufgrund der großen produzierten Mengen und der darauf aufbauenden Produktlinien (z. B. Kunststoffe) für eine nachhaltige Entwicklung von besonderer Bedeutung. Dafür müssten effektivere Katalysatoren und Trennmethoden entwickelt werden, fordern die Wissenschaftler. Außerdem sei im Hinblick auf den vermehrten Einsatz nachwachsender anstelle fossiler Rohstoffe eine Intensivierung der Grundlagenforschung dringend geboten.

Nachhaltigere Prozesse und Produkte in der chemischen Industrie sei jedoch keine Selbstläufer. So müssten die entsprechenden betrieblichen Voraussetzungen geschaffen werden. Umweltpolitische Maßnahmen müssten die Substitution fördern und nicht behindern, fordern die Autoren. Das jüngste Weißbuch der EU „Strategie für eine zukünftige Chemikalienpolitik“ und das „Grünbuch zur Integrierten Produktpolitik“, das umweltfreundlichen Produkten die Märkte öffnen solle, deute in die richtige Richtung.

Kontakt: Prof. Dr. Jürgen O. Metzger, Fachbereich Chemie, Tel.: 0441/798-3718, Fax: -3329, E-Mail: juergen.metzger@uni-oldenburg.de

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Gerhard Harms idw

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