Strategische Familienplanung beim Osterhasen?

Deutsche Wildtier Stiftung erforscht Mehrfach-Vaterschaft des gefährdeten Feldhasen


Zur Osterzeit sind die sonst als Einzelgänger lebenden Feldhasen wieder in größeren Gruppen auf Wiesen und Äckern zu beobachten: es ist die Zeit der Paarung, der so genannten Hasen-Hochzeit. Die körperlich überlegende Häsin wählt nach einem Zweikampf nicht nur den Rammler mit dem vermeintlich „besten Erbgut“. Mehr noch, neueste Untersuchungen der Deutschen Wildtier Stiftung zeigen, dass es nicht bei der Wahl des Einen bleibt. Oft liegt innerhalb eines Wurfs eine mehrfache Vaterschaft vor. Wissenschaftler sehen hier eine mögliche Strategie, um Inzucht zu vermeiden.

In Wettläufen und Boxkämpfen muss der werbende Rammler zeigen, dass er Ausdauer und Kraft besitzt. Nur dann erhält er die Chance, Nachwuchs mit der Häsin zu zeugen. So stellt sie sicher, das Männchen mit den besten Genen für ihren Nachwuchs gefunden zu haben. Professor Klaus Hackländer vom Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft der Universität Wien und Feldhasen-Experte der Deutschen Wildtier Stiftung fand mit seinen Kollegen jetzt heraus, dass die Feldhasen zur Erhaltung ihrer Art noch einen Schritt weiter gehen: Die Häsinnen paaren sich mit mehreren Rammlern.

Zusammen mit Dr. Franz Suchentrunk vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Veterinärmedizinischen Universität für Bodenkultur Wien, führte Hackländer „Vaterschaftstests“ durch. Die Ergebnisse belegen in mindestens 20 % aller Würfe eine multiple Vaterschaft. „Die Resultate bestätigen zum ersten Mal, dass sich weibliche Feldhasen in freier Wildbahn mit mehr als einem Rammler paaren“, so Hackländer. Eine Strategie, die sich im Laufe der Evolution entwickelt haben könnte, um Inzucht innerhalb einer Population zu vermeiden. Denn Hasen sind sehr standorttreu, und somit steigt die Wahrscheinlichkeit der Verwandtschaft zwischen Männchen und Weibchen. „Die mehrfache Vaterschaft erhöht die effektive Populationsgröße und wirkt damit einem möglichen Verlust an genetischer Vielfalt entgegen“, so der Experte weiter. „Insbesondere in isolierten Populationen mit niedriger Bestandsdichte kann das von entscheidender Bedeutung sein“.

Und die Praxis? „Die Häsin kann durch den Vorgang der Kopulation den Eisprung einleiten“, berichtet Professor Hackländer. Eine aktive Steuerung zur Wahl mehrerer Väter, wenn die Feldhäsin nach einer Paarung auf ein weiteres Männchen mit „gutem Erbgut“ trifft.

Die gemeinnützige Deutsche Wildtier Stiftung mit Sitz in Hamburg wurde 1992 von Haymo G. Rethwisch gegründet. Ihr Ziel ist es, einheimische Wildtiere in ihren natürlichen Lebensräumen zu schützen und erlebbar zu machen. Die Deutsche Wildtier Stiftung zählt zu den bedeutendsten Stiftungen für Natur- und Wildtierschutz in Europa.

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