Organometallverbindungen als mögliche Wirkstoffe gegen Krebs

Auf der Suche nach neuen Wirkstoffen gegen Krebs

Biologische Funktion von Organometallverbindungen
Neue Forschergruppe an der Ruhr-Universität

Krebserkrankungen sind die zweithäufigste Todesursache in den entwickelten Ländern. Spektakuläre Fortschritte im Kampf gegen den Krebs werden in der Regel nur dann erzielt, wenn völlig neue Wirkmechanismen identifiziert werden können, mit denen Krebszellen gezielt getötet werden, möglichst ohne dass gesunde Nachbarzellen in Mitleidenschaft gezogen werden. Einen neuen Ansatz bei der Suche nach solchen Substanzen verfolgt die von der DFG finanzierte Forschergruppe 630 „Biologische Funktioin von Organometallverbindungen“ (Sprecher: Prof. Dr. Nils Metzler-Nolte, Lehrstuhl für Anorganische Chemie I der RUB). Sieben Gruppen an fünf Standorten, davon drei in Bochum, untersuchen neuartige metallhaltige Verbindungen auf ihre wachstumshemmenden Eigenschaften. Die Forschergruppe wird zunächst für drei Jahre mit 1,8 Mio. Euro gefördert.

Neuartige Metallverbindungen für biologische Untersuchungen

Die untersuchten Verbindungen zeichnen sich dadurch aus, dass sie eine direkte Bindung zwischen dem Metall (z. B. Eisen, Kobalt oder Ruthenium) und mindestens einem Kohlenstoffatom besitzen; sie werden deshalb als „Organometallverbindungen“ klassifiziert. „Viele Chemiker würden diese Art Verbindung wahrscheinlich als ungeeignet für biologische Untersuchungen ansehen, weil sie gemeinhin als sehr reaktiv und instabil gegen Luft und Wasser gelten“, erklärt Prof. Metzler-Nolte. Vorarbeiten von Mitgliedern der Forschergruppe zeigen aber, dass diese Annahme voreilig ist: Organometallverbindungen könnten im Gegenteil hochinteressante neue Wirkstoffklassen darstellen. Den Mitgliedern der neuen Forschergruppe geht es dabei vor allem um die Entdeckung und genaue Aufklärung neuer Mechanismen der Krebsbekämpfung, die in der Zukunft zu neuen Medikamenten führen könnten.

Methodische Vielfalt

An dem interdisziplinären Forschungsvorhaben arbeiten Gruppen aus Analytik, Bioanalytik, Biochemie, Organischer Chemie, Anorganischer Chemie und Pharmazeutische Chemie zusammen. Die insgesamt sieben Gruppen arbeiten an fünf verschiedenen Orten in Deutschland, mit einem Schwerpunkt an der RUB (drei Teilprojekte). Andere beteiligte Universitäten sind Berlin, Heidelberg, Köln und Leipzig mit je einem Teilprojekt. Über den engeren Kern der sieben von der DFG direkt geförderten Gruppen hinaus bestehen bereits weitere Kooperationen, z. B. mit Pharmakologen und klinischen Gruppen, die durch die Förderung der DFG in das Gesamtprojekt eingebunden werden sollen.

Nachwuchsförderung und -austausch

„Die Bioorganometallchemie ist ein junges, interdisziplinäres Forschungsgebiet mit großem Potential. Die DFG-Förderung für die Forschergruppe 630 wird eine Signalwirkung haben und weitere Initiativen, beispielsweise im europäischen Forschungsraum, voranbringen“, freut sich Prof. Metzler-Nolte über die Bewilligung. Diesem Zweck wird auch eine Tagung zum Thema „Bioorganometallchemie“ im Sommer 2006 in Mailand dienen, deren Scientific Advisory Board Prof. Metzler-Nolte angehört.

Junges, interdisziplinäres Forschungsgebiet

Besonderes Anliegen der Forschergruppe ist die Nachwuchsförderung. So sind drei Nachwuchsgruppenleiter (Mit-)Antragsteller der Forschergruppe, alle bewilligten Stellen sind für Doktoranden vorgesehen. Auch auf den Austausch der Nachwuchsforscher legen die Mitglieder der Gruppe besonderen Wert. Deshalb sind neben regelmäßigen Tagungen und Symposien der Forschergruppe im Rahmen der Zusammenarbeiten mehrmonatige Forschungszeiten in einer anderen Gruppe geplant. „Auf diese Weise könnte zum Beispiel ein Chemiker neue analytische Methoden oder zellbiologische Techniken erlernen“, erläutert Prof. Metzler-Nolte. Eine solche Interdisziplinarität zeichne viele innovative Forschungsansätze aus und werde von Arbeitgebern in der Industrie immer mehr gefordert. „Die Forschergruppe 630 stellt eine wichtige Initiative an der Schnittfläche zwischen Chemie, Biologie und Biomedizin dar“, so Prof. Metzler-Nolte.

Prof. Metzler-Nolte bringt „Mitgift“ nach Bochum

Prof. Metzler-Nolte bringt die Forschergruppe aus Heidelberg mit nach Bochum: Während der Antrag von der DFG bearbeitet wurde, nahm er einen Ruf auf den Lehrstuhl Anorganische Chemie der RUB an. Zuvor arbeitete der 38-Jährige seit 2000 an der Universität Heidelberg und war maßgeblich am Umbau des Instituts für Pharmazie und Molekulare Biotechnologie in ein interdisziplinäres Zentrum für Wirkstoffforschung mit den Studiengängen Pharmazie und Molekulare Biotechnologie beteiligt. Metzler-Nolte, der in Hamburg geboren wurde und dort sein Studium begann, ging als Student nach Freiburg und München, wo er 1994 promoviert wurde. Nach einem Postdoc-Aufenthalt in Oxford war er ab 1996 Nachwuchsgruppenleiter am Max-Planck-Institut für Strahlenchemie in Mülheim/Ruhr (heute: MPI für Bioanorganische Chemie). Er hielt regelmäßig Vorlesungen und Seminare an der RUB und habilitierte sich hier 2000 für das Fach Anorganische Chemie. Der Gewinner mehrerer Stipendien und Preise war im Sommer 2002 Gastprofessor an der Universität Mailand, ist Vertrauensdozent der Friedrich-Ebert-Stiftung und Mitglied im Auswahlausschuss der Stiftung. Nils Metzler-Nolte ist verheiratet und hat drei Kinder.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Nils Metzler-Nolte, Lehrstuhl für Anorganische Chemie I der Ruhr-Universität Bochum, 44780 Bochum, Tel.: 0234 32-24153, Fax: 0234 32-14378, E-Mail: ac1@rub.de

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Dr. Josef König idw

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